Google und Facebook Fürchtet die digitalen Löwen!

Facebook sammelt von seinen Nutzern sehr viele Daten - selbst Entwürfe von Einträgen, die nie abgeschickt werden.

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Marktbeherrschende Unternehmen wie Google und Facebook sammeln die Daten der Nutzer und beuten sie dann für sich aus. Die Politik darf sie nicht einfach weiter gewähren lassen.

Gastbeitrag von Andreas Diekmann

Kürzlich wurde vor einem Angebot auf Ebay gewarnt. Dort gab es gefälschte Goldbarren zum Schnäppchenpreis. Von "Fake Shops" im Internet ist außerdem die Rede. Auf elektronischen Märkten wie Ebay treiben Millionen anonyme Käufer und Verkäufer Handel, oft geografisch weit voneinander entfernt. Dennoch werden die meisten Verkäufe zur Zufriedenheit beider Parteien abgewickelt. Betrug ist selten und dürfte nicht viel häufiger sein als in der Offline-Welt. Dieses hohe Maß kooperativer Transaktionen wird nicht durch den Staat und das Schwert des Rechts garantiert, sondern durch einen Mechanismus dezentraler Bewertung von Handelspartnern. Regulierungen der Plattformbetreiber und ein Treuhandservice wie Paypal ergänzen das Reputationssystem.

Reputation spielte immer eine Rolle bei Handelsbeziehungen, von der Antike bis zum Fernhandel der Neuzeit. Die digitale Welt hat aber neue Möglichkeiten mit maximaler Transparenz und minimalen Informationskosten geschaffen. Selbst auf den illegalen Märkten im Darknet, dem verschlüsselten Teil des Internets, werden die Kunden bei Drogen- und Waffengeschäften über Reputations-Werte informiert. Ordnung wird auch hier nicht durch Hobbes' "Leviathan", der Metapher für staatliche Zentralgewalt, geschaffen. Möglich wird stattdessen "Order without Law": Ordnung entsteht dezentral ohne das Auge des Gesetzes.

Facebook speichert nicht nur alle Postings, sondern auch die Anschläge auf der Tastatur

Hobbes' Problem wechselseitiger Schädigung in der anarchischen Internet-Gesellschaft ist lösbar und stellt das viel geringere Problem dar im Vergleich zur Bedrohung des Einzelnen durch die Marktmacht großer Korporationen. Der politische Philosoph John Locke, ein Zeitgenosse von Hobbes, hat weniger Gewicht auf die Furcht vor Mitmenschen gelegt. Sie war für ihn die Angst vor "Füchsen". Vielmehr sah er das Problem im Machtmissbrauch durch den "Löwen", den unkontrollierten Machthaber.

Heute sind die Löwen marktbeherrschende Internet-Unternehmen wie Google oder Facebook. Google schädigt Wettbewerber durch die Bevorzugung von Anzeigenkunden mit dem Algorithmus seiner Suchmaschine. Dafür hat die EU dem Unternehmen vor Kurzem eine Milliardenstrafe aufgebrummt. Messenger-Dienste wie Whatsapp spionieren die Kontakte-Listen von Smartphones aus und übergeben sämtliche gespeicherten Adressen an die Server von Facebook - ohne Einverständnis der Personen, deren Daten dort gespeichert werden.

Google will E-Mails nicht mehr zu Werbezwecken scannen

Der Gmail-Posteingang wird aber nach wie vor durchleuchtet. Wer interessenbezogene Werbung komplett abschalten will, muss selbst tätig werden. mehr ...

Wie kürzlich durch eine Veröffentlichung von Facebook-Wissenschaftlern über "Selbstzensur auf Facebook" ans Licht gekommen ist, speichert der Netzwerkbetreiber nicht nur alle auf seine Webseiten gestellten Informationen, sondern auch die Anschläge auf der Tastatur, die zu den Postings geführt haben. Wenn also ein Angestellter seinen Chef dort für unfaires Verhalten attackiert und seinem Zorn spontan freien Lauf lässt, sich dann aber besinnt und einen abgemilderten Text postet, kennt Facebook beide Versionen.

Tim Berners-Lee, der Schöpfer des World Wide Web, war erbost, dass ein Lautsprecher seine Musikvorlieben ausspionierte und die Daten an die Firma Bose lieferte. Der private Medienkonzern Thompson-Reuters führt eine Terrorismus-Datenbank, auf die unter anderem Banken, Fluggesellschaften und Behörden zugreifen können. Unter Millionen Einträgen sind Irrtümer nicht ausgeschlossen. Auskunfteien wie Infoscore ermitteln auch in Deutschland Reputationen über das Zahlungsverhalten von Privatpersonen. Der Algorithmus berücksichtigt dazu auch das Zahlungsverhalten der Nachbarn.

Selbst wenn jemand seine Rechnungen immer pünktlich bezahlt, verschlechtert sich seine Reputation, wenn er von zahlungsunwilligen Nachbarn umgeben ist. Wer ohnehin ein geringes Einkommen hat, wird durch höhere Zinsen bei Krediten oder für die Hypothek seines Hauses durch den Algorithmus zusätzlich belastet.