Doch das Feld der Kommunikation ist nur ein Teilaspekt dessen, was künftig Online-Identität ausmacht: Facebook experimentiert derzeit mit einer eigenen Währung, Google bietet seinen Gmail-Nutzern mit Checkout bereits seit längerem die Möglichkeit an, online zu bezahlen. Beide Unternehmen dürften daran interessiert sein, ihren Nutzern einen solchen Bezahldienst künftig auf möglichst vielen Seiten im Netz anzubieten, da sie an Teilen des Umsatzes beteiligt werden.

Anzeige

Wie weit die Online-Verwaltung unseres Ichs gehen kann, zeigen Google und Microsoft, die Nutzern anbieten, ihre Krankenakte auf ihre Server hochzuladen, um stets Zugriff darauf zu haben.

Für die Internetnutzer bedeuten die Anstrengungen der Konzerne, dass sie mittelfristig mit neuen verlockenden Funktionen rechnen dürfen. Eine Echtzeit-Kommunikationsplattform wie Google Wave auf Facebook? Eine Google-Personensuche, die mir zu einem Menschen sofort die Verbindung zu mir sowie gemeinsame Interessensgebiete nennt? Alles ist denkbar, und es ist nicht einmal sicher, dass Facebook und Google die beiden Hauptkontrahenten sein werden.

Biete Service, möchte Daten

Weil beide Unternehmen sich fast ausschließlich durch Werbung finanzieren, zahlen die Nutzer ihren Preis bereits heute in Daten: Dass Google mich so gut kennt, dass Buzz mir anhand meiner Datenspur wildfremde Menschen mit gemeinsamen Interessen vorschlägt, verbreitet ebenso Unbehagen wie der Gedanke, dass neben meinen Statusmeldungen irgendwo auf Googles Servern auch meine Suchanfragen liegen, die damit kombiniert ein sehr intimes Bild meiner Persönlichkeit ergeben können.

Auch Facebooks Versuch, unter dem Deckmantel des Datenschutzes die Nutzer dazu zu bringen, möglichst viele Inhalte für Suchmaschinen auffindbar zu machen, trägt wenig dazu bei, die Idee eines Identitätszentrums attraktiv zu finden. Ebenso wenig die Tatsache, dass das Unternehmen sogar Daten von Nichtmitgliedern sammelt, soweit sie von einem Nutzer bei der Synchronisierung von Handykontakten oder E-Mail-Adressbuch mit dem Facebook-Profil hochgeladen wurden.

Der Kampf um die Internet-Identität dürfte nicht nur Mark Zuckerberg schlecht schlafen lassen.

Sie sind jetzt auf Seite 3 von 3

  1. Die Inbox unseres Lebens
  2. Wer gewinnt den Kampf um die Online-Identität?
  3. Sie lesen jetzt Geldbörse und Medizinakte: Was noch möglich ist
Leser empfehlen 

(sueddeutsche.de/joku/beu)