Google startet Street View in Deutschland - zunächst mit einer Testversion. Der Konzern zeigt öffentliche Plätze aus fünf Städten und zehn Bundesliga-Stadien. Ein Ort im Allgäu ist sogar vollständig zu sehen.
Jetzt ist es soweit: Google Street View geht online, wenn auch nur in einer Testversion. Vom heutigen Dienstag an zeigt das Internetunternehmen öffentliche Anlagen in fünf deutschen Städten. In München sind Königsplatz und Allianz Arena zu sehen. Außerdem werden Plätze aus Stuttgart (Schloss Solitude), Dresden (Theaterplatz), Hamburg (Köhlbrandbrücke) und Berlin (Siegessäule, Kanzleramt) online gestellt.
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Ein Klick auf Google Street View genügt künftig, um die Propyläen, die Glyptothek (rechts außerhalb des Bildausschnittes) und die Staatliche Antikensammlung (li.) am Königsplatz zu bewundern. (© Google)
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Zusätzlich können Fußballfans, abgesehen von der Allianz Arena, auch die Bundesliga-Stadien in Hamburg (Imtech Arena, Millerntorstadion), Leverkusen, Hannover, Freiburg, Kaiserslautern, Köln, Dortmund und Gelsenkirchen bei Street View betrachten.
Die von Datenschützern kritisierte Ansicht von Straßen und Privathäusern soll erst in den nächsten Wochen freigeschaltet werden. Nur in Oberstaufen im Allgäu ist schon die ganze Stadt zu sehen - auf besonderen Wunsch der Gemeinde, die hofft, damit mehr Touristen in den Ort zu locken.
Der Königsplatz und die Arena in Fröttmaning sind zwei Orte, bei denen Google keinen Ärger befürchten muss, wenn es Bilder ins Netz stellt. Die Stadtverwaltung hat die Ansicht öffentlicher Anlagen erlaubt, im Gegensatz zu kleineren Gemeinden wie Grünwald, das noch gegen die Veröffentlichung von solchen Bildern streitet. Google will mit der Probeversion die Akzeptanz des Programms testen, bevor es die Fotos der 20 größten deutschen Städte noch in diesem Jahr komplett freischalten will.
Deutschlandweit hatten 240.000 Bürger Einspruch dagegen eingelegt, dass ihre Häuser in Google Street View zu sehen sein werden. Wie viele Personen in München protestiert hatten, verrät Google nicht. Obwohl die Einspruchsfrist abgelaufen ist, bietet das Unternehmen aber noch weiter die Möglichkeit, die Privatsphäre zu schützen: Wer der Ansicht ist, dass auf den Bildern im Internet Personen nicht ausreichend gepixelt sind, oder wer Gebäude nachträglich aus der Ansicht entfernen lassen will, der kann durch eine neue Beschwerde-Funktion im Programm noch bei Google vorsprechen. Autokennzeichen und Gesichter werden auf den Bildern im Internet ohnehin nicht zu erkennen sein.
360-Grad-Ansichten
Google wirbt damit, dass Street View nicht nur bei der Orientierung in fremden Städten, sondern gerade auch in München bei der Wohnungssuche helfen könnte. "Da kann man sich bequem im Vorfeld schon einmal die Umgebung von interessanten Objekten ansehen", sagt Produktmanager Andreas Türk. Er verweist darauf, dass in Deutschland schon heute wöchentlich mehr als 100.000 Personen Google Street View nutzen, um Städte im Ausland zu erkunden und den Urlaub zu planen.
Die virtuelle Begehung des Königsplatzes und der Allianz Arena unter maps.google.de funktioniert genauso wie zum Beispiel der bereits mögliche Blick auf das Kolosseum in Rom: Wer sich einloggt, erhält 360-Grad-Ansichten und beim Fußballstadion sogar eine Perspektive vom Rasen auf die Tribüne. Die Bilder werden allerdings bis zu zwei Jahre alt sein, die Kamera-Autos von Google fahren schon seit 2008 durch Deutschland.
Wann genau alle Straßen Münchens im Internet zu sehen sein werden, sagt Google noch nicht. Es wird wohl auch davon abhängen, ob die Testversion problemlos läuft und wie viel Protest es noch gibt, gerade auch in Oberstaufen. In der 8000-Einwohner-Gemeinde hofft das Tourismusamt auf einen Effekt wie in der italienischen Stadt Pompeji. Seit 2009 Bilder des Ortes bei Street View online gingen, übernachten in der Stadt 25 Prozent mehr Touristen als zuvor.
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(SZ vom 02.11.2010/tob)
Rekord in Deutschland
ich sehe das auch nicht nur auf Google bezogen, die haben halt mit ihrer auffälligen Aktion für Aufsehen gesorgt... und als amerikanische Firma bestimmt die Unterstützung der US-Geheimdienste hat, die geben ja 80 Mrd USD pa aus um Daten zu sammeln, eine unvorstellbare Grösse...
Es ist bestimmt interessant mal zu erfahren was da alles gesammelt und über einen zusammen getragen wird...
Und was genau hat man jetzt davon, dass man sein Haus hat verpixeln lassen?
Ich verstehe es prinzipiell wenn man gegen das systematische Abfilmen von ganzen Straßenzügen und Sammeln von WLAN-Daten ist, auch wenn ich selber nicht so ein großes Problem darin sehe.
Was mich aber an der ganzen Diskussion stört ist, dass es hier immer ausschließlich um Google geht. Dass es z.B. mit sightwalk.de eine deutsche Firma 7 deutsche Städte systematisch abgefilmt hat (in München alles innerhalb vom mittleren Ring), scheint niemand zu stören. Obwohl man dort nicht Einspruch einlegen und sein Haus verpixeln lassen kann.
Auch die Wlan-SSIDs werden von anderen Firmen ausgelesen, wie z.B. dem Fraunhofer-Institut für Intergrierte Schaltungen, die damit wie Google GPS-unabhängige Positionsbestimmung machen wollen.
Oder im Juli ist bekannt geworden, dass Apple seine iPhone-Kunden heimlich als Wlan-Scanner missbraucht hat. Da war die Diskussion um Google längst am laufen, aber kein Mensch hat sich dafür interessiert, dass Apple was ähnliches macht.
Aus meiner Sicht ist in der Diskussion viel politischer Opportunismus drin, um von eigenen Datenschutzsünden abzulenken, wie AndiDD ja schon angemerkt hat.
Da sollte doch mal eine amerikanische Firma in China oder Iran versuchen diese Aufnahmen zu machen, was soll den Firmen noch alles erlaubt werden... Eine Aufnahme von touristischen Punkten ist das eine, eine Aufnahme aller Strassen etwas anderes...
und niemand weiss jetzt, was alles gesammelt wird (die wlan-Netze sind doch kein Zufall, für Fotos braucht man die Technik nicht) und was man alles damit machen kann, ich halte das für un-si-nn-ig... und bestimmt wird der US-Geheimdienst davon profitieren...
Ich kann mich Ihnen nur anschließen.
Hier wird von staatlich bezahlten "Datenschützern" ein Popanz aufgebaut, der von der eigenen von Geldgier und Kontrollsucht geprägten Sammelwut ablenken soll.
Ich frage mich, bei welcher Stelle ich gegen das staatliche Ausspähen (beispielsweise durch die in Kürze anstehende "Volkszählung") und den massenhaften Verkauf meiner persönlichen Daten (etwa durch Einwohnermeldeämter) Widerspruch einlegen kann.
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