Google-Löschung Rupert will es wissen

Es sind nicht nur Gedankenspiele: Die Pläne des Medienmoguls Rupert Murdoch, seine Online-Nachrichtenseiten vor Google zu verstecken, werden konkreter.

Von Johannes Kuhn

Google ist böse. Zumindest nach der Überzeugung des australischen Medienmoguls Rupert Murdoch: Bereits seit Monaten lässt er in Interviews immer wieder abwertende Bemerkungen über den Suchmaschinen-Giganten fallen.

"Google, das sind Kleptomanen und Parasiten" schimpfte der Gründer des milliardenschweren Medienkonzerns News Corp schon einmal; Am vergangenen Wochenende allerdings gab er sich im Interview mit dem Sender Sky News Australia, an dem er beteiligt ist, entspannt - und ließ in einem Nebensatz die Branche aufhorchen.

Auf die Nutzer, die über Suchmaschinen auf sein Zeitungswebseiten kämen, sagte Murdoch, könne er verzichten: Sobald die Inhalte seiner Zeitungswebseiten im Laufe des nächsten Jahres nur noch kostenpflichtig aufzurufen seien, würde er sie vielleicht einfach vor Google verstecken.

Dass der 78-Jährige gerne Branchen durcheinanderwirbelt, ist bekannt. Doch dass Murdoch tatsächlich darauf verzichten möchte, in den Ergebnisslisten der wichtigsten Suchmaschine der Welt aufzutauchen, hielten viele Beobachter für gewagt. Alleine das Wall Street Journal, das bereits große Teile seiner Inhalte nur gegen Bezahlung anbietet, erhält nach Angaben des Marktforschungsunternemens Hitwise ein Viertel seiner Besuche über Google.

Doch die Planungen für einen solchen Schritt sind bereits viel weiter als vermutet: In einer Diskussion auf dem "Monaco Media Forum" erklärte Jonathan Miller, Digitalchef von News Corp, das Unternehmen würde sehr bald damit beginnen, Google auszusperren. Nicht in wenigen Wochen, doch "in Monaten, Quartalen", sagte er den Angaben des britischen Telegraph zufolge.

"Ich denke nicht, dass die Medienindustrie so weiter existieren kann", erklärte Miller am Freitag in Anspielung auf die geringen Einnahmen, die viele Nachrichtenportale über Internetwerbung erzielen.

Ist Google verzichtbar?

Technisch ist es kein Problem, sich für Google unsichtbar zu machen. Allerdings gelangen Nutzer über die Suchergebnisse auch zu den neuesten Nachrichten zu einem Thema. Ein Google-Sprecher erklärte in dieser Woche, die Suche würde rund 100.000 Klicks pro Minute auf Nachrichtenseiten lenken.

"Der Verkehr, der von Google kommt, bringt uns Kunden, die sehr oft nur einen Artikel lesen und dann wieder gehen", entgegnet ihm Miller. Offenbar hofft er, dass er mit dieser Einschätzung nicht allein ist: News Corp wolle auf dem Weg vorangehen, hoffe aber auf Nachahmer in der Branche.

In der Medienbranche und im Web dürfte die Debatte über Bezahlinhalte und den Umgang mit Suchmaschinen damit nochmals verschärft werden. Bereits jetzt wird heftig über die Motivation des Medienunternehmers spekuliert: So vermutet Cory Doctorow vom bekannten Blog BoingBoing, dass Murdoch Google unter Druck setzen möchte. Der Suchmaschinenanbieter hatte viel Geld dafür bezahlt, die Suche auf der News-Corp-Seite MySpace zu übernehmen - eine ähnliche Entschädigungszahlung erwarte Murdoch nun für den Zugang seine Nachrichtenseiten.

Eine andere Theorie im Netz besagt, dass Murdoch die Konkurrenz unter den Suchmaschinen ausnutzen möchte, um beispielsweise vom Google-Konkurrenten Microsoft Geld für ein Exklusiv-Geschäft zu erhalten. Microsoft hatte für seine Suchmaschine Bing in den vergangenen Wochen neue Partnerschaften geschlossen, ein deutliches Signal, dass der Konzern Google Marktanteile abnehmen möchte.

Murdochs Revolte

Oder geht es Murdoch im Herbst seiner Zeit als Medienmogul doch darum, einem neuen Medium seine Regeln aufzudrängen? "Murdoch versteht, dass eine Revolte gegen die Gratiskultur mehr benötigt, als das Errichten eines Abo-Logins zwischen einem Google-Link und einer Geschichte", schreibt Journalistik-Professor Douglas Rushkoff.

Die "Trennung der Artikel von ihrem Kontext und ihrer Quelle", von der Rushkoff schreibt, in einer Welt ohne Suchmaschinen wäre sie wieder aufgehoben. Allerdings würde das dem aktuellen Trend der Durchlässigkeit, des Verschmelzens von Inhalten unabhängig von Plattformen entgegen laufen.

Ist Murdoch also ein Verleger, der das ganzheitliche Zeitungserlebnis auch im Netz bewahren möchte, oder doch einfach ein gewiefter Zocker, der sich gerne mit der Konkurrenz anlegt? Die Antwort dürfte Mitte 2010 feststehen: Bis dahin möchte Murdoch seine Zeitungswebseiten auf den Bezahlmodus umgestellt haben, um endlich mit seiner neuen Internet-Strategie starten zu können.