Googles neue Echtzeitsuche spuckt wesentlich mehr Treffer aus als die bisherige. Ob die Funktion dem Nutzer nützt, bleibt abzuwarten. Die Werbewirtschaft jedenfalls ist erfreut.
Einfach Auskunft geben reicht Google nicht. Mit 500 technischen Kniffen hat der amerikanische Konzern im Laufe des vergangenen Jahres seine Internetsuchmaschine aufgerüstet - von der automatischen Worterkennung bis zu einem Programm, das den Kurznachrichtendienst Twitter durchforstet. "Wir wollen aus Google die dritte Hälfte eures Gehirns machen", witzelte Unternehmensgründer Sergej Brin, als er nun in San Francisco den neuesten Streich vorstellte.
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Google Instant heißt die zusätzliche Funktion der Suchmaschine, die bereits Antworten geben soll, noch ehe die Frage gestellt wurde. Eric Schmidt, der Vorstandschef von Google, ist sogar noch euphorischer: "Computer denken mit", sagt er und meint damit die von seinen mutmaßlich smarten Maschinen ausgewählten Begriffe, die die Suchmaschine nun mit jedem neu eingetippten Buchstaben vorschlägt. Denn mit jedem Buchstaben eines Suchbegriffs verändert sich die Trefferliste.
In Russland und den USA ist die neue Funktion bereits für jeden, in Deutschland bisher nur für jene verfügbar, die sich dafür anmelden. Zwei bis fünf Sekunden Zeit lassen sich angeblich so bei einer Suchanfrage sparen. Das ist ein marginaler Gewinn für den Nutzer, aber ein großer für den Konzern, der hofft, dass Nutzer die neuen Maschinenvorgaben auch massenhaft annehmen. Denn damit steigt der Wert der Suchbegriffe, mit deren Ergebnislisten Google ja sein Geld verdient. Jede Woche gehen etwa eine Milliarde Suchanfragen auf Googles Seite ein. Die Antwort darauf müssen Maschinen in einem riesigen Berg an Informationen suchen. Mit Google Instant sollen bei einer Anfrage fünf bis sieben Mal so viele geeignete Ergebnisse angezeigt werden wie bisher.
Zwar werden vier von fünf Internetsuchanfragen weltweit an Google gerichtet. Ausruhen aber kann sich der Konzern nicht. Microsoft, das auch Suchmaschinen betreibt, hat sich bereits mit Googles Konkurrent Yahoo gegen den Such-Tycoon verbündet. Und wie Google forscht der Softwarekonzern emsig an Technologien, die nicht nur auf Stichwörter wie "Wetter" eine Antwort wissen, sondern auch auf komplexere Fragen wie "Wann scheint die Sonne?"
Teurer Rat
Für Google ist es von unschätzbarem Wert, die beliebteste Suchmaschine zu bleiben. Denn das ist seine wichtigste Einnahmequelle. Von den 24 Milliarden Dollar, die Google 2009 schätzungsweise umsetzte, kommt das allermeiste aus den Werbeanzeigen, die Google rund um seine Trefferlisten platziert.
Mit Instant ließen sich diese Einkünfte noch steigern. Kürzere Suchbegriffe bringen nämlich mehr Treffer, also mehr Anknüpfungspunkte für Anzeigenkunden. Zwar betonte der Konzern bei der Vorstellung der neuen Suchfunktion, dass für Werbekunden alles beim Alten bleibe. Mancher sorgt sich indes schon, dass seine Anzeige, weil sich die Trefferliste stetig ändert, nicht mehr wahrgenommen wird. Schon gar nicht auf den hinteren Fund-Seiten. Gleichzeitig steigt aber der Wert jener Annoncen, die jeweils an der Spitze der Trefferliste aufscheinen. Dieser Platz könnte ohnehin umso wertvoller werden, je mehr sich die Nutzer von den Vorgaben der Maschine dazu verleiten lassen, auch Begriffe anzuklicken, nach denen sie gar nicht gesucht haben.
Amerikanische Wettbewerbshüter haben Google schon im Visier und könnten nun noch genauer hinschauen. Eine Diskussion über Wettbewerbsverzerrung könnte Google die Freude am neuen Maschinenpark verderben.
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(SZ vom 10.09.2010/leja)
kaufen was man nicht braucht
streiten über längst Vergangenes - 1939 Polen Mobilmachung
oder über etwas, das längst geschehen ist - huch, Migranten
früher nannte mann googeln - verzetteln
Sagt der Student in der Prüfung: "Herr Professor, das weiß ich nicht - aber ich weiß etwas Gleichwertiges."
Wenn Google etwas findet, was der Sucher nicht gesucht hat, dann muss Google ihm nur noch suggerieren, dass er etwas Gleichwertiges oder sogar Besseres gefunden hat."
Ich schreibe meinen Kommentar mal kurz unter die Google Anzeigen, mit der sueddeutsche.de Geld verdient.
Der Artikel trieft vor manipulativen Formulierungen, die die Einstellung des Autors erkennen lassen, die er schon vor dem Verfassung und der Neuigkeit über Google Instant über Google hatte: Google ist böse! Und da müssen Neuigkeiten eben so zurecht gebogen werden, dass sie ins Schema passen. Fast wie Fox News in den USA es macht. Gut gelernt.
"Denn damit steigt der Wert der Suchbegriffe, mit deren Ergebnislisten Google ja sein Geld verdient." - Wie weiter unten doch noch richtig erklärt wird, verdient Google sein Geld mit Werbeanzeigen, die zu den Suchanfragen passen. Nicht mit den Suchergebnissen selbst. Die Top-Positionen der Anzeigen bleiben wertvoll, aber die seitlichen Ergebnis ebenso. Am Ende der Suchanfrage sind die Anzeigen statisch.
"Mancher sorgt sich indes schon, dass seine Anzeige, weil sich die Trefferliste stetig ändert, nicht mehr wahrgenommen wird. Schon gar nicht auf den hinteren Fund-Seiten." Auf den hinteren Suchseiten werden diesselben Werbeanzeigen gezeigt, wie auf der ersten Seite. Je nachdem welche Begriff man letztendlich auswählt wird passend dazu Werbung angezeigt. Da sorgt sich eher der Autor um die Richtung seines Artikels.
Und aus vergrößertem Angebot an Suchbegriffen eine Verführung der Nutzer zu konstruieren ist reichlich weit hergeholt. Und der Verweis am Ende auf die Wettbewerbsfähigkeit passt überhaupt zu der Info von Google Instant. Nur weil Google eine neue Technologie ausprobiert schreiten noch nicht die Wettbewerbshüter ein. Also bitte Süddeutsche. Ein bisserl neutraler geht's scho, oder?