Von Johannes Boie

Nutzer von Google-Diensten erhalten ab sofort einen Einblick, was das Unternehmen über sie speichert. Doch wichtige Informationen über das Surfverhalten fehlen.

"Sei nicht böse" lautet das Firmenmotto von Google. Doch genau diesem Satz schenkten in den letzten Jahren immer weniger Nutzer Vertrauen. Mit jedem geschäftlichen Erfolg zeichneten Datenschützer ein kritischeres Bild von Google. Nämlich das einer gigantischen Datenkrake, die über ihre Nutzer alles weiß, alles speichert und niemals etwas vergisst.

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Nutzer von Google können nun einen genaueren Blick darauf werfen, was von ihnen gespeichert wurde (© Foto: iStockPhoto)

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Dieses Verhalten könnte für die Nutzer bedrohlich sein, vor allem, weil zu Google viel mehr Webseiten und damit viel mehr Informationen gehören, als der durchschnittliche Surfer mit dem Konzern assoziiert.

Auf der anderen Seite ist die Zunahme der Kritik für Google bedrohlich, denn so reich und mächtig der Konzern auch sein mag - ein negatives Image fängt irgendwann an, Erfolg und Umsatz zu beeinflussen. Also steuert der Konzern jetzt frühzeitig dagegen und bietet endlich eine Übersicht über die gespeicherten Daten einzelner Nutzer an. Unter google.com/dashboard kann sich jeder Nutzer irgendeines Google-Produktes (zum Beispiel Gmail, Youtube, Orkut, Google Calendar) einen Überblick über einen Teil der im Zusammenhang mit ihm gespeicherten Daten verschaffen.

Das "Dashboard" ist einerseits ein begrüßenswerter wie überfälliger Schritt hin zu mehr Transparenz. Und dürfte andererseits ein bewundernswerter PR-Stunt sein, mit dem Google den ewig brummenden Kritikern des Konzerns den Wind aus den Segeln zu nehmen versucht.

Nicht alle Nutzerdaten tauchen auf

Ganz einfach dürfte das nicht werden, denn auch das "Dashboard" beruht darauf, dass der Nutzer Google vertraut. Zum Beispiel darauf, dass in dem neuen Produkt alle Nutzerdaten vollständig angezeigt werden.

Doch das ist nicht der Fall: So werden nicht nur die im Web üblichen und vergleichsweise harmlosen Serverprotokolle, über die ein Webseiten-Betreiber feststellen kann, von welcher Seite und um wie viel Uhr ein Nutzer seine Webseite besucht hat, nicht angezeigt. Sondern auch die Details zur viel kritisierten interessenbasierten Werbung, mit der Google sehr viel Geld verdient, sind in der neuen Übersicht nicht aufgelistet. Sie sind auf einer anderen Webseite abschaltbar.

Manche Google- Produkte, so wie Informationen zur Speicherung von IP-Adressen, fehlen im "Dashboard" vollständig. Ebenso die Möglichkeit, sämtliche Daten per Mausklick zu löschen.

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(SZ vom 06.11.2009/joku)