Google Drive, Dropbox und Co. Das können die Online-Speicherdienste

Mit Google Drive präsentiert der kalifornische Suchkonzern seinen Online-Speicherdienst, doch auch die Konkurrenten Microsoft, Amazon, Dropbox und sogar die Telekom bieten Alternativen an. Eine Übersicht der wichtigsten Cloud-Anbieter.

Von Johannes Kuhn

Spät, aber nicht zu spät steigt Google in den Markt der Online-Speicherdienste ein: "Wir stellen vor: Google Drive ... Ja, wirklich!", heißt es entsprechend selbstironisch im Firmenblog - bereits seit langem wurde über den bevorstehenden Start des Cloud-Dienstes spekuliert.

Die Cloud (Wolke) hat im IT-Bereich eine andere Bedeutung: Daten werden hier im Netz gespeichert und oft auch dort bearbeitet.

(Foto: AFP)

"Google Drive" ist ein Nachzügler bei den Cloud-Angeboten, bislang dominieren andere Unternehmen den Markt. Mit der Telekom ist auch ein einheimischer Anbieter im Segment der Online-Schließfächer vertreten. Ein kurzer Überblick zu den einzelnen Diensten.

[] Google Drive

Das System: Fünf Gigabyte Speicherplatz erhalten Google-Nutzer künftig kostenlos, um ihre Daten vom PDF-Dokument bis zum Video auf den Servern des Unternehmens abzulegen (hinzu kommen noch ein Gigabyte bei Picasa und zehn Gigabyte bei Gmail). Wer 25 Gigabyte Speicherplatz benötigt, muss 2,50 Dollar im Monat zahlen, 100 Gigabyte sind für fünf Dollar erhältlich.

Die Funktionen: Der Dienst ist in Google Docs integriert, damit Nutzer ortsunabhängig Dokumente bearbeiten und auch teilen können. Die Synchronisierung findet im Hintergrund statt. Alle Elemente sind - schließlich ist Google immer noch ein Suchkonzern - durchsuchbar. Eine App gibt es für Android und nach Google-Aussagen auch bald für iOS-Geräte.

Die Besonderheiten: Eine Schrifterkennungssoftware ermöglicht es, auch gescannte Dokumente zu durchsuchen. Google bietet zudem Entwicklern die Möglichkeit an, die Online-Festplatte in ihre Programme zu integrieren.

[] Dropbox

Das System: Dropbox machte Online-Speicherdienste populär, vor allem durch die nahtlose Integration in iOS- und Android-Betriebssysteme. Kostenlos erhalten die Nutzer hier zwei Gigabyte, für 9,99 Dollar pro Monat kann der Speicherplatz auf 50 Gigabyte ausgebaut werden.

Die Funktionen: Dropbox-Nutzer können ihre Ordner für andere Nutzer des Dienstes freigeben, inzwischen können auch Facebook-Konten mit dem Online-Schließfach verknüpft werden. Neu ist, dass auch Nutzer Zugriff auf Dropbox erhalten können, die dort nicht angemeldet sind - einzelne Ordner lassen sich per Link für alle freigeben.

Die Besonderheiten: Inzwischen verzeichnet Dropbox 50 Millionen angemeldeter Nutzer - keine schlechte Basis. Zudem bietet das Programm ausgefallene Nutzungsmöglichkeiten, zum Beispiel die Einbindung von gespeicherten Videos in das eigene Blog. Die Möglichkeit, per Link Dateien freizugeben, könnte rechtliche Probleme verursachen, auch wenn die Verantwortlichen Ähnlichkeiten zu Filehostern wie Rapidshare oder Megaupload abstreiten.

[] Microsoft SkyDrive

Das System: Kurz vor dem Start von Google Drive unterzog Microsoft seinen Daten-Sicherungsdienst SkyDrive einer Generalüberholung. Dort gesicherte Dateien sind künftig über Apps für Windows, OS X (Mac), Windows Phone und iOS, aber auch über den Browser zugänglich. Mit sieben Gigabyte kostenlosem Speicherplatz gibt Microsoft den Nutzern am meisten Platz, ein Upgrade auf 20 Gigabyte kostet 19 Dollar im Jahr. Wer den Dienst vor dem 22. April 2012 verwendete, darf weiter einen kostenlosen Speicherplatz von 25 Gigabyte nutzen.

Die Funktionen: SkyDrive hat inzwischen eine Hintergrund-Synchronisation, mit deren Hilfe immer die neueste Version der Daten aufrufbar sein soll. Die Integration mit Office 2011 beziehungsweise Office 365 soll Nutzern ermöglichen, ihre Dokumente schnell im Netz zu speichern und dort auch kollaborativ zu bearbeiten.

Die Besonderheiten: Vor allem die "Remote"-Funktion, die in Windows 8 integriert wird, dürfte interessant sein. Sie soll es ermöglichen, direkt über den Browser auf die Daten des heimischen PCs zugreifen zu können.

[] Amazon Cloud Drive

Das System: Fünf Gigabyte kostenlosen Speicherplatz bietet auch Amazon, wobei Kunden des Online-Händlers gekaufte MP3-Musikdateien automatisch dorthin laden. Wer 20 Gigabyte möchte, zahlt 20 Dollar pro Jahr.

Die Funktionen: In den USA bietet Amazon auch den Cloud Player an, der MP3-Dateien im Browser abspielt. Für Deutschland ist diese Funktion noch nicht freigegeben.

Die Besonderheiten: Amazon sorgte 2011 mit seinem Online-Schließfach zwar für Schlagzeilen, hat es aber bislang versäumt, die Funktionen auszubauen. So liegt zwar eine Android-App vor, iOS-Nutzer warten jedoch weiterhin vergeblich. Und: Aus rechtlichen Gründen haben Amazon-Kunden keine Möglichkeit, ihre Dateien mit Freunden zu teilen.

[] Weitere Angebote:

Telekom Mediencenter

Wer Telekom-Kunde ist oder eine @t-online-Adresse besitzt, erhält 25 Gigabyte Online-Speicherplatz bei der Telekom, der für 4,99 Euro pro Monat um zehn Gigabyte erweitert werden kann. Entertain-Kunden können die Festplatte auch über den Fernseher ansteuern, Apps gibt es für alle gängigen Mobil-Betriebssysteme.

Apple iCloud

Apple bietet Nutzern des Mobilbetriebssystem iOS an, Dateien auf den Firmenservern zu speichern und jeweils ständig aktuell zu halten. Allerdings fehlen wie bei Amazon Kollaborations- und Teilmöglichkeiten. Fünf Gigabyte sind kostenlos, 10 zusätzliche Gigabyte kosten 16 Euro im Jahr.

Box

Fünf Gigabyte Speicher können beim Online-Speicherdienst "Box" in zwei Stufen bis zu "Sky is the limit" aufgerüstet werden. Die Cloud-Flatrate ist vor allem für Unternehmen interessant, an die sich der Dienst richtet. Über die Weboberfläche lassen sich virtuelle Arbeitsplattformen erstellen, auf denen gemeinsam an Dokumenten und Präsentationen gearbeitet werden kann.

Linktipps: Der Blogger Jeremy Gibbs hat sich die Nutzungsbedingungen von Google Drive, Microsoft SkyDrive und Dropbox genauer angesehen. Bei Web reignited werden die alten Google-Speichermöglichkeiten (Docs, Mail, Picasa) mit den neuen Grenzen unter Google Drive verglichen.