Mit Chrome OS fördert Google die Verlagerung von Programmen vom lokalen Rechner ins Netz. Die User werden dadurch kontrollierbar.
Zum Mythos vom Internet als basisdemokratischer, medialer Revolution gehört der Glaube an dessen Unzerstörbarkeit. Endlich ein Medium, dessen Redaktion nicht entlassen, dessen Druckerpressen nicht gestoppt und dessen Antennen nicht gekappt werden können.
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Das Google Betriebssystem Chrome OS markiert einen Meilenstein auf dem Weg zu einem zentralen und damit kontrollierbaren Internet. (© Foto: dpa)
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Und tatsächlich zeichnet sich das Netz durch eine grundsätzlich dezentrale Struktur aus, auch wenn es schon reicht, dass ein Unterseekabel reißt, um ganze Erdteile vom Netz abzuhängen. Die Entwicklung des Google-Betriebssystems Chrome OS markiert jedoch einen Meilenstein auf dem Weg zu einem zentraler geregelten, leichter kontrollier- und damit auch zensierbaren Internet.
Chrome OS, so sieht es Hersteller Google vor, soll das Internet in den Mittelpunkt sämtlicher Aktivitäten des Nutzers stellen. Lokal installierte Anwendungen werden damit vernachlässigbarer. Damit kommt Google einem Trend entgegen: Internetapplikationen, die nur online auf einem Server installiert sind und beim Nutzer nur im Internetbrowser als Webseite auftauchen, leisten immer mehr.
Neben Textverarbeitung und Tabellenkalkulation laufen mittlerweile auch komplexe Anwendungen wie Bildbearbeitungsprogramme oder das Computerspiel Quake im Browserfenster.
Datenproduktion kontrollieren
Für den Nutzer entstehen dadurch erst einmal Vorteile. Seine Dateien werden zentral und redundant gesichert auf einem großen und professionell betreuten Server gespeichert, wo mehrere Menschen gleichzeitig auf sie zugreifen können. Die Software wird regelmäßig von Administratoren auf den neuesten Stand gebracht. Im Wohnzimmer jener Zukunft, die Google wohl anstrebt, steht nicht länger ein hässlicher Computerturm, sondern ein kleines Terminal, das aus kaum mehr als einem Bildschirm und ein paar Eingabegeräten besteht.
Gleichzeitig können durch die Verlagerung der Technik vom persönlichen Computer auf kommerzielle Server große Herausforderungen der digitalen Wende gemeistert werden. Bezahlmodelle und Lizenzen können in Zukunft individuell entworfen und angepasst werden: Wer sein Online-Schreibprogramm nur selten verwendet, könnte dann pro Nutzung zahlen.
Wer dauerhaft Zugriff auf die Software braucht, könnte auf Flatrate-Tarife zurückgreifen. Auch Musik- und Filmdateien, die heute den größten Teil des digitalen Schwarzmarktes ausmachen, dürften in der Google-Zukunft auf Anforderung aus einer gigantischen, digitalen Mediathek zum Nutzer gestreamt werden. Gezahlt wird dann, wenn die Musik gehört wird.
Mehr Online-Software als die Konkurrenz
Allerdings wird vor allem die IT-Branche profitieren. Dass ausgerechnet Google die Datenverlagerung vom lokalen Rechner ins Netz fördert, liegt an der Vorreiterrolle des Konzerns. Der Suchmaschinen-Gigant bietet bereits heute mehr Online-Software als die meisten seiner Konkurrenten. Und wenn die Entwicklung so erfolgt, wie von Google wohl angestrebt, dann werden es Konzerne wie Google sein, die die Hoheit über die Dateien der Nutzer haben.
Sie können diese Daten dann löschen, ändern, kopieren, weiterleiten und manipulieren. Sie können Zensurmechanismen in zentrale Hard- und Software implementieren. Auch Regierungen und Behörden werden von der Entwicklung profitieren. Während es heute oft noch eine Frage der Technik ist, welche Daten von den Nutzern überhaupt erhoben werden können, kann eine zentral geführte Datenbank blitzschnell durchsucht und indiziert werden. Für Datenschützer ist dieses Szenario ein Albtraum.
Sollte diese Wende kommen, wird sich die digitale Gesellschaft signifikant ändern. Die Nutzer werden in die Rolle einer kontrollierten Mehrheit gedrängt werden, während einige wenige die Macht und die Möglichkeiten besitzen werden, das Verhalten und die Datenproduktion der Masse zu kontrollieren.
Durch technische Standards, die die alten Geräte inkompatibel mit der neuen Netzstruktur werden lassen, können jene Nutzer, die sich dem Trend widersetzen, abgeschnitten werden. Dann wäre das Internet die längste Zeit ein Medium gewesen, dessen Antennen man nicht kappen kann.
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(sueddeutsche.de/ cf)
OB-Kandidatin Nallinger
Und wo ist der Unterschied von MS und Google?
MS hat für das Syste, nach Windows7 schon ähnliches angedeutet.
Wer sich im Internet bewegt gibt immer auch Daten von sich Preis.
Extrembeispiele MySpace, Twitter, Facebook und wie sie alle heißen.
Viele Menschen wünschen den Zugriff auf Ihre Daten immer und überall. Rechnerunabhängig. Für diese Menschen bietet Google eine System und einen Dienst an. Daran ist per se erst einmal nichts verwerfliches. Es steht jedem frei solche Service zu nutzen oder eben nicht.
Jeder kann seinen persönlichen Kram auch auf einem USB Stick lagern. Wenn er ihn verliert darf er sich entsprechend ärgern. Wo der Datenschutz nun größer ist darf dahingestellt bleiben.
Je nach Authentifizierungsverfahren und Verschlüsselung ist hier durchaus einiges möglich.
In wie fern Google die Daten auswertet und auswerten darf wird wohl geprüft werden. Dafür gibt es Stellen. Aber wenn man schaut, wie bereitwillig die Menschen schon ihr Kaufverhalten Stichwort Paypal zur Verfügung stellen, muss ich ehrlich sagen, mache ich mir bei ChromeOS da keine wirklichen großen Sorgen.
Ich benutze den Chrome browser und er ist mein Favorit, besser als Internet Explorer oder Opera.
Schön früher ist so etwas versucht worden und man ist damit gescheitert. Gerade Google ist sehr bemüht, stets transparent zu halten, was mit den Daten des Benutzers geschieht. Der Chrome Browser und auch das neue Betriebssystem werden mit frei verfügbarem Quellcode und offenen Standards arbeiten, das heißt, man wäre sehr kurzsichtig, wenn man vor hätte, irgendwann plötzlich verschärfte Bedingungen an die Nutzung zu stellen!
Jeder kann einen kompatiblen Server aufsetzen, ohne große Mittel einzusetzen. Einzig die vielen Anwendungen aus einem Guss werden Google aus seiner Marktposition heraus helfen, die Oberhand zu behalten und das wird man kaum gefährden.