Google-Chef Eric Schmidt Google rät jedem, seinen Namen zu ändern

Auch ein Ansatz, mit peinlichen privaten Daten im Netz umzugehen: Google-Chef Eric Schmidt wirft den Vorschlag in den Raum, künftig mit der Volljährigkeit einfach den Namen zu ändern.

Von Ralph Pfister

Google hat in Deutschland gerade das Problem, dass sich ausgerechnet an Google Street View eine große Datenschutzdebatte entzündet. Dabei ist das nur ein kleines Zusatzprodukt im großen Portfolio des Unternehmens. Für die Zukunft setzt sich der Internetkonzern noch mit ganz anderen Themen auseinander, wie CEO Eric Schmidt im Interview mit dem Wall Street Journal verrät.

Google-Chef Eric Schmidt spricht über die Zukunft. Schöne neue Welt.

(Foto: AP)

Eines davon: "Ich glaube, dass die meisten Menschen eigentlich nicht wollen, dass Google ihnen ihre Fragen beantwortet. Sie wollen, dass Google ihnen sagt, was sie als nächstes tun sollen."

Schmidt geht es um die Zukunft von Google, die Zukunft der Internet-Suche, aber auch die Zukunft der Gesellschaft. "Ich glaube nicht, dass die Gesellschaft versteht, was passiert, wenn alles zugänglich ist, man alles wissen kann und alles von jedem ständig aufgezeichnet wird."

Er hat recht. Das gilt nicht nur für die Zukunft, das gilt schon jetzt. Die aktuellen Debatten um Street View, aber auch um Facebook und Co. zeigen, dass weder der Gesetzgeber noch die Allgemeinheit wirklich mitgehalten hat mit den Entwicklungen im Netz. Und mit ihren Konsequenzen.

Die Debatte um Street View zeigt, welche Ängste existieren - und wie wenig Überblick manche haben, was von den hier befürchteten Informationen schon längst anders zugänglich ist.

Der andere Aspekt ist, wie sehr das Netz unser Leben umgekrempelt hat. Wie suchen wir Information, wie entscheiden wir, welchen Arzt, welches Restaurant, welches Geschäft wir aufsuchen? Die Präsenz im Netz - unter den ersten Treffern bei Suchmaschinen oder in sozialen Netzwerken - wird ein wirtschaftlich immer wichtigerer Faktor. Und wirkt sich direkt auf unser Handeln, auf unser Leben aus.

Googles Mobile-First-Strategie ist nicht nur der Versuch, sich für die Zukunft aufzustellen, wenn die normale Suche an Bedeutung verliert und damit die Haupteinnahmequelle des Konzerns ins Wanken gerät. Die Zukunft liegt für die Branche in der semantischen Suche oder der künstlichen Intelligenz. Antworten und Anleitungen statt Reaktionen auf Fragen.

Das Netz in der Hosentasche

Mobile First trägt aber auch dem Trend Rechnung, dass sich über Smartphones das mobile Internet immer mehr verbreitet. iPhone und Konsorten bieten das Internet in der Hosentasche, erreichbar immer und überall. Außer in deutschen Funklöchern, versteht sich.

Gleichzeitig hinterlässt jeder so noch mehr Datenspuren. So der Nutzer es zulässt, weiß man, wo er ist, wo er hingeht, was ihn interessiert. Für Google und andere großartige Möglichkeiten, noch gezielter Informationen zu bieten. Ein Beispiel: Man schlendert die Straße entlang, da erinnert einen Google, was man noch einkaufen sollte, wo in der Nähe es das gibt und was man gleich noch erledigen könnte, wenn man schon einmal hier ist.

Praktisch? Schon. Der Mensch wird aber noch transparenter. Für dadurch entstehende Probleme schlägt Schmidt auch seine ganz eigene Lösung vor. Eines Tages würden alle mit der Volljährigkeit das Recht erhalten, den Namen zu ändern, erzählte der Google-Chef dem Wall Street Journal.

Man häutet sich also, um peinliche Jugendsünden im Netz nicht hinter sich herzuschleppen. Die freizügigen Partybilder, die obszönen Kommentare, sie sind noch im Netz, können dann aber nicht mehr zugeordnet werden.

Willkommen, Mensch 2.0: Der Mensch löscht sich selbst - und nicht die Maschine die Daten.

In nicht allzu ferner Zukunft hieße es dann also: Ich war jung und hieß anders. Auch ein Weg, um in Bewerbungsgesprächen oder anderen Situationen nicht frühere Fehltritte vorgehalten zu bekommen - ein Problem, dass viele auf die Generation Facebook zurollen sehen.

Schmidt hat natürlich leicht reden. Ein Blick ins deutsche Namensrecht zeigt, dass der Google-CEO hierzulande jederzeit seinen Namen ändern könnte.

Ein Blick in die "Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Gesetz über die Änderung von Familiennamen und Vornamen (oder NamÄndVwV) zeigt: Nach Nummer 34 reicht ein Sammelname wie Schmidt, Maier, Müller oder Schulz als wichtiger Grund zur Namensänderung - wegen der klaren Verwechslungsgefahr. Und Eric Schmidts gibt es viele auf der Welt.

Andere Gründe wären Familiennamen, die anstößig oder lächerlich klingen und "Anlass zu frivolen unangemessenen Wortspielen geben können" oder Behinderungen im Alltag, die durch Schwierigkeiten mit der Schreibweise oder der Aussprache des Namens entstehen.Auch seltene Namen, die im Zusammenhang mit Straftaten oder Ähnlichem bekannt wurden, können einen Grund darstellen. Hinzu kommen diverse Fälle rund um Eltern, Kinder und Ehepaare.

Bislang fehlt ein Abschnitt zum Schutz vor Jugendsünden. Der Google-Chef gibt bestimmt noch ein paar Interviews.