Spieletest "God of War" wird erwachsen

Auch der alte Kratos ist noch voller Wut, doch er muss seinen Sohn Atreus erziehen. Dieser soll möglichst nicht so werden, wie der Antiheld der "God of War"-Reihe einst war.

(Foto: Sony Interactive Entertainment / PR)

Der Held der Spielereihe kämpft jetzt gegen nordische Götter, Grafik und Spannungsbogen wurden erfolgreich generalüberholt. Außerdem erzählt das Computerspiel eine großartige Vater-und-Sohn-Geschichte.

Spieletest von Caspar von Au

Spoiler-Warnung: Der folgende Artikel verrät zwar keine Details zur Handlung in "God of War", enthält aber Informationen, die der Spieler erst im Spielverlauf erfährt.

Für einen kurzen Moment will Atreus nicht mehr. Der Junge möchte einfach nur noch nach Hause, und das ist verständlich. Gerade hat er zum ersten Mal einen Menschen getötet. Es war Notwehr, der andere hätte ihn sonst erwürgt. Trotzdem hadert Atreus. "Junge", beschwichtigt der Vater, dann setzen die beiden ihre Reise nach dem kurzen Innehalten fort. Denn zurück nach Hause können sie nicht mehr.

Es menschelt in God of War, der Fortsetzung der beliebten Hack-and-Slay-Spielereihe. Das ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil sich der alte Kratos in den Vorgängerspielen blind vor Wut durch Olymp und Hades metzelte. Der neue Kratos trägt zwar noch immer jede Menge Wut in sich, doch er hat jetzt Verantwortung: für seinen Sohn Atreus. Für den versucht der Vater, zumindest ein bisschen Vorbild zu sein. Das bedeutet nicht, dass God of War weniger brutal ist als seine Vorgänger. Noch immer hackt Kratos seinen Feinden die Köpfe ab, zermalmt sie mit seinen Stiefeln oder zerschmettert sie an Felsen.

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Doch insgesamt ist das Spiel erwachsen geworden. Die Fortsetzung der Reihe, die eigentlich ein Neustart ist, funktioniert so gut, dass selbst die meisten Hack-and-Slay-Verfechter der früheren Spiele ihren Spaß haben dürften. Gleichzeitig genügt das Spiel modernen Storytelling-Ansprüchen und kann sich erzählerisch mit Titeln wie "The Witcher 3" oder "Horizon Zero Dawn" vergleichen lassen kann, die eigentlich zum Rollenspiel-Genre gehören.

God of War erzählt eine rührende Vater-Sohn-Geschichte

Kratos kämpft nicht mehr gegen Zeus und Co, sondern gegen die nordischen Götter (und jede Menge Trolle, Draugar, Wölfe und Drachen). Atreus weicht dabei nicht von seiner Seite, denn seine Mutter, Kratos Frau, ist tot. Ihr letzter Wunsch: Die beiden sollen ihre Asche zum allerhöchsten Berg bringen. Eigentlich eine einfache Aufgabe, hätten die nordischen Götter nicht etwas dagegen einzuwenden.

Zu Beginn dauert es etwas, bis die Handlung in Schwung kommt. Nicht weil nichts passiert - im Gegenteil: Kratos muss sich und seinen Sohn schon bald gegen die ersten nordischen Untoten verteidigen. Aber Handlung und Spielewelt sind erst einmal strikt linear, Kratos und Atreus kommen nur auf einem einzigen Waldweg weiter. Zusammenhänge und Hintergründe lernt der Spieler erst nach einiger Zeit kennen. Nach einigen Spielstunden öffnet sich God of Wars Welt. Zu ihr gehört nicht nur die Menschenwelt Midgard, sondern auch die Heimat der Alben (Alfheim) und die der Riesen (Jötunheim). Insgesamt neun Reiche verbindet der Weltenbaum Yggdrasil. Spieler müssen sich nicht nur auf die Haupthandlung beschränken, sondern können Nebenaufgaben erledigen, zum Beispiel für den Zwergenhändler Brok einen befreundeten Alchemisten in einer Mine ausfindig machen.

Kratos hält der Weltenschlange seinen Begleiter, den plappernden Kopf, vors Maul. Er soll dolmetschen.

(Foto: Sony Interactive Entertainment / PR)

Grafisch sieht God of War toll aus. Besonders beeindruckend ist, dass es keinerlei Schnitte oder Ladezeiten im Spiel gibt. Die Übergänge zwischen Spiel- und Videoszenen sind fließend. Auch nach einigen Spielstunden hält der Spannungsbogen noch, immer wieder nimmt die Handlung überraschende Wendungen. Neben nachdenklichen Szenen, in denen mal Kratos, mal Atreus innehalten und um die verlorene Frau beziehungsweise Mutter trauern, kreiert God of War auch komische Momente: Für einige Zeit begleitet ein abgehackter sprechender Kopf Kratos und Atreus. Während sie zu dritt über einen See rudern, erzählt dieser fröhlich plappernd von den Konflikten Thors mit den Riesen.

Nebenbei erzählt God of War eine rührende Vater-Sohn-Geschichte. Einmal steht Kratos hinter seinem Sohn an einer Klippe; er ist versucht, Atreus auf die Schulter zu klopfen. Im letzten Augenblick zieht er die Hand zurück - zumindest zu Beginn des Spiels schafft er es nicht, seinem Sohn die väterliche Nähe zu geben, die sich dieser wünscht. God of War erzählt von einem Sohn, der sich von seinem strengen und wortkargen Vater zurückgewiesen fühlt. Der sich fragt, warum die Mutter und nicht der Vater zuerst sterben musste. Der gleichzeitig aber dem Vater nacheifern will.

Kämpfen und Rätsel knacken - mit Axt und Bogen

Auf der anderen Seite steht Kratos, der Atreus fast nie beim Namen nennt, sondern nur "Junge" sagt. Kratos, der in einem Vorgängerspiel schon einmal Frau und Kind verloren hat und nur Leid und Tod kennt. Plötzlich muss er seinen Sohn alleine aufziehen, und fürchtet, dass dieser so werden könnte wie er selbst. Deswegen verschweigt er ihm seine göttliche Abstammung. Bezeichnend sind die Dialoge der beiden, die genauso gut zwischen einem beliebigen Vater und seinem pubertierenden Sohn außerhalb der Sagenwelt des Videospiels stattfinden könnten.

Atreus Rolle beschränkt sich aber nicht auf das Zwischenmenschliche. Sein Bogen ist eine wichtige Waffe und ein Werkzeug, mit dem der Spieler zum Beispiel versperrte Wege öffnen kann. Der Computer steuert weitestgehend den Sohn, der Spieler hat eine Atreus-Taste, über die er Pfeile verschießen kann. Der Sohn kann im Gegensatz zu Kratos nordische Runen entziffern und notiert in seinem Tagebuch nützliche Informationen, die man im Spielmenü nachlesen kann. Kratos hat seine Kettenschwerter aus den Vorgängerspielen gegen eine magische Axt eingetauscht. Mit ihr kann er nicht nur auf Feinde eindreschen, sondern die Waffe schleudern und auf Knopfdruck zurückrufen. Besonders die Mechanik hinter den Axtwürfen ist ausgeklügelt und macht Spaß - denn Kratos braucht die Axt nicht nur im Kampf, sondern auch, um Rätsel zu lösen. So muss er manchmal mit einem Wurf mehrere Ziele gleichzeitig treffen und die Axt deshalb von einem bestimmten Punkt aus loswerfen.

Sicher ist: Der nordische Kratos und sein Sohn Atreus sind ein Duo, das die Gaming-Welt nachhaltig prägen wird.

"God of War" ist am 20. April 2018 für Playstation 4 erschienen.

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