Geschäftsmodelle von Google und Facebook Daten für Milliarden

Google: Ein Unternehmen, das viel über seine Kunden weiß.

(Foto: Bloomberg)

Unternehmen wie Google, Amazon oder Facebook wissen viel über ihre Kunden. Mehr als diese vielleicht ahnen.

Von Mirjam Hauck

Das erste Buch, das über den Internet-Händler Amazon verkauft wurde, war das Werk eines amerikanischen Informatikers. Der erklärte darin, wie Computer die Mechanismen des menschlichen Denkens abbilden können, also wie Algorithmen funktionieren. Diese Rechenmuster geben den gesammelten Daten ihre Struktur, so dass sie sich auswerten lassen. Sie sind die Grundlage für die Geschäftsmodelle der Datensammler von Amazon, Facebook oder Google, die zu Milliardenkonzernen wurden.

In den Frühzeiten des Internets sorgte ein als Service-Funktion gedachtes Angebot für Aufsehen. Dem Hinweis "Das könnte Ihnen auch gefallen", folgten alsbald Kaufempfehlungen, die oft erstaunlich gut auf den Nutzer passten. Die Kunden fragten sich, wie macht Amazon das? Woher kennt der Versender die Vorlieben der Besteller? Das vor genau 20 Jahren gegründete Unternehmen wertet die Daten gezielt aus.

Es versucht, menschliches Denken nachzubilden. Einbezogen werden nicht nur die Daten, die zeigen, was der Kunde tatsächlich bestellt hat. Berücksichtigt wird auch, was er sich auf der Seite angesehen hat und wie lange er es sich angesehen hat. Weil zu Amazon auch ein Unternehmen wie Alexa Internet gehört, eine Firma die das Surfverhalten der Nutzer im gesamten Netz protokolliert und auswertet, lassen sich in der eigenen Konzernfamilie leicht neue Erkenntnisse gewinnen.

Oft recht freigiebig

Die Kunden und Nutzer geben oft freigiebig ihre Daten her. Wer bei Facebook aktiv ist, und das sind mittlerweile mehr als 1,35 Milliarden Menschen, hat mindestens seinen Namen angegeben, häufig noch Wohnort, Arbeitgeber, die Schule, die Uni oder auch den Beziehungsstatus. Dazu kommt die Kommunikation mit den Freunden, sei es über das Profil oder den Chat. So kommt es, dass die Anzeigen, die der Nutzer auf seiner Seite zu sehen bekommt, genau zu seinen Vorlieben passen.

Schon berechnen Algorithmen anhand von bestimmten Schlagwörtern, wie lange die Beziehung noch halten könnte. So bekommt der Nutzer entweder Anzeigen für Trauringe oder für eine Partnervermittlungsagentur angezeigt. Mit dem Verkauf von möglichst zielgenauer Werbung verdient Facebook viel Geld. 2013 betrug der Gewinn knapp sechs Milliarden Dollar. Für 2014 wird es für Facebook noch besser aussehen, auch dank des Zukaufs des Messenger-Dienstes Whatsapp Anfang des Jahres. Mit einem Schlag bekam das Unternehmen Kommunikationsdaten von Millionen Nutzern, die sich mit den Facebook-Profilen verbinden lassen.

GPS und Wlan verraten, wo ein Smartphone-Nutzer sich aufhält

Besondere Aufmerksamkeit als perfekter Datenverwerter genießt der Suchmaschinenkonzern Google. Wer über diese Plattform Anfragen stellt, hinterlässt zwangsläufig Spuren, die wiederum dem Suchalgorithmus helfen, noch besser zu werden. Sie helfen, dem Nutzer passendere Werbung anzuzeigen. Etwa 3,5 Milliarden Anfragen werden jeden Tag verarbeitet. Doch die Suche ist nicht das einzige Werkzeug zum Datensammeln. Viele Webseiten-Anbieter setzten die Software Google Analytics ein, um festzustellen, wie oft ihre Seite abgerufen wird, wie lange die Nutzer bleiben, wo sie herkommen und wo sie hingehen. Solche Daten behält Google und wertet sie aus.

Mit Android hat der Konzern, der 2013 einen Nettogewinn von 13 Milliarden Dollar machte, ein Betriebssystem für Handys entwickelt. Das weltweit einen Marktanteil von über 80 Prozent hat und er steigt weiter. Zur Freude von Google. Das Smartphone ist ein guter Daten-Lieferant. Es beschafft Ortungsdaten mittels GPS und Wlan-Netzwerken oder sorgt für automatische Verknüpfungen mit Googles E-Mail-Dienst Gmail, dem Kartendienst Maps oder dem App-Store Play. Die Datenbrille Google Glass kann die Umgebung ihres Trägers erfassen, mit Google Cars soll man künftig fahrerlos auf den Straßen unterwegs sein und Google ist über Standort oder Route des Autos informiert. In der Welt und im Netz passiert fast nichts mehr, was Google, Facebook und Co. nicht wissen.

In einer früheren Version des Textes hatten wir den Jahresgewinn von Google 2013 auf 33 Milliarden Dollar beziffert. Tatsächlich waren es in dem Zeitraum 13 Millarden Dollar. Wir haben die Angaben entsprechend korrigiert.