Gema gegen Youtube Lehren aus "Gangnam Style"

Als Google vergangene Woche seine Jahreszahlen veröffentlichte, protzte das Unternehmen damit, wie viel Geld das beliebteste Video dem Konzern eingebracht hat: Werbung, die vor "Gangnam Style" geschaltet wurde, brachte der Firma demnach acht Millionen Dollar ein, ganz ohne Beteiligung deutscher User. Das deutet Youtube-Sprecherin Latrache als Argument für die Freigabe aller Videos - was aus ihrer Sicht an der Gema scheitert: "'Gangnam Style' hat gezeigt, dass Videos nicht nur Riesenwerbeeinnahmen generieren können, sondern auch als Promotion für den Künstler dienen." Wenn die Gema ihre Künstler da nicht mitverdienen lasse, sei sie also selbst schuld. Dabei liegt die Freigabe der Videos in Deutschland in Googles Hand - allerdings verbunden mit dem Risiko, verklagt zu werden.

Auf den wenigsten Sperrtafeln steht klar, wessen Rechte verletzt werden, zum Beispiel der Name des betroffenen Labels. Von den in Deutschland gesperrten 615 Videos enthalten 531 den Hinweis, "möglicherweise" von der Gema geschützten Inhalt zu enthalten. Youtube geht einfach grundsätzlich davon aus, dass die Lieder die Rechte von Künstlern enthalten, welche die Gema vertritt. Aus der Gema heißt es: "Bis auf die zwölf Titel aus dem Musterverfahren sperren wir nichts." Dabei geht es um den Prozess von 2012, in dem die Gema exemplarisch Lieder sperren ließ, darunter keine aktuellen Hits sondern Schlager wie "Zwei kleine Italiener". Das Hamburger Landgericht entschied damals, dass Youtube zwar auf Aufforderung der Gema einzelne Videos löschen müsse, aber nicht verpflichtet sei, jeden Clip schon beim Hochladen auf Gebührenpflicht zu überprüfen.

Manche Juristen sind der Meinung, die Formulierung, Rechte der Gema seien "möglicherweise" berührt, sei astrein. Sie schwärze die Gema überhaupt nicht an, sondern trage nur "der bestehenden Rechtsunsicherheit Rechnung" (mehr zum Rechtsstreit, allerdings mit starker Pro-Youtube-Ausrichtung). Fakt ist allerdings: Durch den Verweis wird die Gema mit Videos in Verbindung gebracht, mit denen sie - eben möglicherweise - überhaupt nichts zu tun hat. Goebel sagt: "Ich bekomme tagtäglich Anfragen. Erst gestern rief eine Nutzerin an, warum wir ein bestimmtes Video gesperrt hätten. Ich habe es ihr erklärt. Aber ich kann es nicht 80 Millionen Bürgern erklären."

Würden die Firmen wenigstens einmal klären, um welche Songs es überhaupt geht, könnten die User mehr Videos sehen. Die Sperrtafeln erleichtern es sowohl Youtube als auch der Gema, sich als Opfer zu präsentieren. Videos schauen die Deutschen solange auf anderen Plattformen.