Geheimdienst Viele der Stellen beim Verfassungsschutz sind bis heute vakant

Allein das Bundesamt für Verfassungsschutz hat in den vergangenen drei Jahren Hunderte neue Planstellen für IT-Experten bei der Bundesregierung beantragt. "Um mit der rasanten technischen Entwicklung Schritt zu halten", wie es heißt, und um bei neuen Phänomenen wie dem Darknet oder den zunehmenden Cyberattacken nicht weiter abgehängt zu werden. Im Jahr 2014 waren es 45 neue Planstellen allein für IT-Spezialisten, die der Inlandsgeheimdienst brauchte, in den Jahren 2015 und 2017 jeweils mehr als 100. Aber viele der Stellen sind bis heute vakant.

Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen setzt deshalb auf etwas anderes als Geld, um IT-Fachleute anzulocken: den Reiz des Verbotenen. Maaßen erzählt, wie er "Leuchten in den Augen" von Neubewerbern sehe, wenn sie das Wort "Server-TKÜ" hörten, also das Mitschneiden des Verkehrs, der über einen Server läuft. Für IT-Spezialisten in der Privatwirtschaft ist das illegal. Bei Geheimdiensten aber, sagt Maaßen, dürfe man seine Neugier auf diese Technik ausleben.

Da sei etwas dran, sagt ein IT-Spezialist, der selbst mehr als zehn Jahre für den Staat gearbeitet hat, bevor er jüngst in die Privatwirtschaft gewechselt ist. Als Hacker in der Industrie stoße man schnell an rechtliche Grenzen. "Staatliche Organe können einen entscheidenden Schritt weitergehen." Der das sagt, hat sowohl in der Bundeswehr gearbeitet, Seite an Seite mit dem BND, als auch im Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, BSI.

Wenn man keine neuen Leute findet, schult man eben die alten

Da die "Personalgewinnung insbesondere in diesem Bereich schwierig ist", so notierte das Verfassungsschutz-Bundesamt jüngst vertraulich, solle das vorhandene Personal öfter fortgebildet werden. Für 300 000 Euro allein in diesem Jahr. Wenn man keine neuen Leute findet, dann schult man eben die alten. Das ist eine Methode.

Die andere ist viel heikler. Statt neu auszubilden, wird bei anderen Sicherheitsbehörden abgeworben - was dann natürlich dort eine Lücke reißt. Als die neue Hacker-Behörde Zitis ins Leben gerufen wurde, kündigte das Bundesinnenministerium an, man wolle die Spezialisten dafür aus anderen Behörden zusammenziehen. Aber welcher Behördenchef will seine wenigen, mühsam rekrutierten Hacking-Experten hergeben? Im Innenausschuss des Bundestages versuchte der Staatssekretär aus dem Bundesinnenministerium, Günter Krings, zu besänftigen. Man werde nur die Guten abwerben, aber nicht die Besten.

Die Irritationen hat das kaum gemindert. Als Chef von Zitis hat das Bundesinnenministerium nach SZ-Informationen einen BND-Mann abgeworben. Wilfried Karl war bisher kommissarischer Leiter der Abteilung Technische Aufklärung bei dem Geheimdienst, er kennt die Hacking-Experten dort alle, und angeblich wollen einige wechseln. Darüber soll das Kanzleramt, das über den BND wacht, verstimmt sein. Auch dort möchte man auf keinen Cyber-Sherlock-Holmes verzichten.

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