Gefährliche Drucker Dicke Luft im Büro

Macht Toner-Staub krank? Die lang erwartete Studie des Bundesinstituts für Risikobewertung klärt die Gefahren von Laserdruckern nicht.

Von Wiebke Rögener

Gesundheitsgefahren durch Laserdrucker sind nicht sicher auszuschließen und weitere Forschung ist dringend nötig - so lässt sich eine Studie zusammenfassen, die das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin am Donnerstag nach langer Verzögerung veröffentlichte. Die Pilotstudie, mit der das BfR den Umweltmediziner Volker Mersch-Sundermann beauftragt hatte, sollte Hinweisen auf Gesundheitsschäden durch Laserdrucker nachgehen und den Forschungsbedarf ermitteln. Sie war bereits im Sommer 2007 abgeschlossen worden.

Feinstaub aus dem Drucker: ein Gesundheitsrisiko

(Foto: Collage: sueddeutsche.de)

Doch immer wieder wurde die Publikation verschoben. Die Ergebnisse müssten zunächst durch Experten bewertet werden, begründete das BfR die Verzögerung. Gestern präsentierte es nun die mehr als 300 Seiten dicke Studie der Öffentlichkeit - ohne jeden Kommentar. Den bisherigen Stellungnahmen des Bundesinstituts sei nicht hinzuzufügen, erläuterte die Sprecherin des BfR. Eine Bewertung werde ausschließlich für das Bundesumweltministerium erarbeitet.

Dabei gibt es einen bemerkenswerten Widerspruch zwischen der Studie und früheren Äußerungen des BfR. "Ultrafeinstäube aus Laserdruckern und Fotokopierern enthalten offenbar keine Tonerpartikel", hieß es im Oktober in einer Erklärung des Bundesinstituts. In der Studie kann man jetzt lesen: "Elektronenmikroskopische Elementaranalysen der gefundenen Teilchen deuten bei einigen auf Dieselruß, bei anderen auf Tonerkomponenten hin." Ein Großteil der Kleinteilchen in der Büroluft war allerdings mit dem Elektronenmikroskop nicht zu untersuchen. Sie bestehen offenbar aus Zusammenballungen diverser Chemikalien aus dem Drucker.

Bedenkliche Feinstaubbelastung

Ob Druckerstaub und Chemiedunst im Büro krank machen, konnte die Studie nicht klären. Medizinische Tests zeigten aber, dass Angestellte, die über Beschwerden durch Drucker am Arbeitsplatz klagen, häufig unter einer Überempfindlichkeit der Atemwege leiden, wie sie im Frühstadium von Asthma auftritt. Die Beschwerden gleichen denen, die als "Sick Building Syndrom" beschrieben werden. Messungen der Luftqualität ergaben zudem: Laserdrucker blasen viele Substanzen in die Büroluft, vor allem zu Arbeitsbeginn entweichen Staubpartikel. Diese Feinstaubbelastung im Büro sei "hygienisch, wenn nicht gar gesundheitlich bedenklich", heißt es in der Studie. Hinzu kommen flüchtige organische Chemikalien.

So stieg in einem Büroraum die Konzentration von Benzol auf das Dreifache, wenn der Drucker lief. Zwar wurde keine Einzelsubstanz in Mengen gefunden, die unmittelbare Gesundheitsgefahr befürchten ließ. Doch ist das ein schwacher Trost, da Laserdrucker ein Gemisch vieler unbekannter Stoffe absondern, deren gemeinsame Wirkung unklar ist, stellen die Autoren der Studie fest. Sie betonen: Um herauszufinden, ob Druckeremissionen die Beschwerden auslösen, seien weit umfangreichere Untersuchungen notwendig.

So müssten Menschen kontrolliert mit Druckeremissionen konfrontiert und die Reaktionen gemessen werden. Wie giftig Absonderungen aus dem Laserdrucker sind, möchte Mersch-Sundermann an Zellkulturen untersuchen. Weiterhin müsse geklärt werden, woraus die ultrafeinen Partikel aus dem Laserdrucker, die sich nicht im Elektronenmikroskop identifizieren lassen, bestehen.

Vor allem aber schlägt er eine große epidemiologische Studie vor. Sie sollte etwa klären, ob Büroarbeiter, die Feinstaub aus Laserdruckern ausgesetzt sind, häufiger an Herz-Kreislauferkrankungen leiden. Hierfür wäre allerdings mehr Probanden notwendig, als die 69 Freiwilligen, die in der Pilotstudie untersucht wurden. Ob auf die Pilotstudie überhaupt eine Hauptstudie folgen wird, scheint fraglich. Das BfR plant derzeit keine weiteren Untersuchungen zu Gesundheitsrisiken aus dem Laserdrucker.