Gaming Youtube adelt seine Zocker-Szene

Youtube hat ein Herz für Spieler.

(Foto: Screenshot)

Auf Youtube gehören Videospiele zu den erfolgreichsten Genres. Nun bekommen die Spieler eine eigene App und Webseite. Wohl auch, weil die Übernahme des Konkurrenten Twitch platzte.

Von Hakan Tanriverdi

Youtube wird sich in Zukunft stärker um Spiele kümmern. In einem Blogbeitrag kündigte das Unternehmen an, sowohl eine Webseite als auch eine App zu veröffentlichen. Zu Beginn soll es für 25 000 Spiele eine eigene Seite geben, von "Asteroids" bis "Zelda". Fans sollen diese Spiele einzeln abonnieren können und so auf dem aktuellsten Stand bleiben. Wird ein neues Letsplay-Video veröffentlicht (hier zeichnen Spieler während des Zockens ihren Bildschirminhalt auf) erfahren das die Abonnenten. Es soll auch möglich sein, den Spielern live zuzuschauen. Der Dienst startet zunächst nur in den USA und in Großbritannien.

Spielevideos gehören mit zu den erfolgreichsten Genres auf Youtube. In der Kategorie der Youtuber mit den meisten Abonnenten, sind Berechnungen zufolge vor allem Musiker - und auch Spieler. Youtube will es dieser Szene leichter machen, an neue Inhalte zu kommen - und belohnt sie jetzt. "Wir verbinden euch mit den Spielen, der Community und der Kultur, die für euch wichtig sind. Von Spielern, für Spielern" hieß es in einem Tweet.

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Durch das Auskoppeln des Gaming-Dienstes sollen Spieler dazu animiert werden, länger auf der Seite zu bleiben. Dafür ist es hilfreich, wenn die Suchfunktion auf Spiele beschränkt ist. Wer "Met" eingibt, bekommt Metal Gear Solid vorgeschlagen, nicht mehr Metallica.

Google hat das Potential bereits analysieren lassen

Wird ein neues Spiel veröffentlicht, erscheinen meist kurze Zeit später Anleitungen zum Durchspielen. Erfolgreiche Letsplayer können problemlos von ihren Videos leben, mitunter verdienen sie Millionen. Youtube hat das Potential der Szene bereits vor Jahren analysieren lassen. Das Ergebnis: Lukrativ. Sobald ein Spiel veröffentlicht wird, tragen vor allem Youtuber (und nicht die Spielestudios) dazu bei, dass die Spielevideos angeschaut werden. Das will Youtube für sich nutzen. Denn diese Videos dienen für die Spieler oft auch als Entscheidung dafür, ob sie ein Spiel kaufen sollen oder nicht.

Eine Rolle dürfte auch gespielt haben, dass Google im vergangenen Jahr den Spiele-Anbieter Twitch kaufen wollte. Schließlich ist Twitch ziemlich genau das, was Youtube nun vorstellt. Spieler und Spiele, an einem Ort. Und Twitch ist erfolgreich: 2013 haben 45 Millionen Menschen monatlich die Seite aufgerufen. Ein Jahr später waren es bereits 100 Millionen. Einer Analyse der Firma Deepfield zufolge ist Twitch an Platz 4 in Sachen Traffic - hinter Netflix, Google (und damit Youtube) und Apple.

Twitch hat schon reagiert

Doch am Ende setzte sich Amazon durch - insgesamt 970 Millionen zahlte die Firma von Jeff Bezos, um die Spieler zu sich zu holen. Berichten zufolge versprach sich Twitch von Amazon mehr Freiheit. Die Angst war also, zu sehr im Youtube-Kosmos unterzugehen. Youtube Gaming als eigene Plattform dürfte auch eine Reaktion auf das Misstrauen gewesen sein.

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Twitch selbst reagierte in einem Tweet gelassen auf die Ankündigung von Youtube: "Willkommen, Spieler Nummer Zwei".