Auf der Messe reden alle von "Casual Games", doch das Interesse an Spielen für die ganze Famile ist dürftig.
Die Messehallen 2 bis 4 der Leipziger Games Convention gleichen sich wie Schafe aus dem Klonlabor. Aus allen Boxen dröhnt laute Musik, jeder Hersteller versucht mit einer noch größeren Leinwand die meiste Aufmerksamkeit für sein neues Spiel zu heischen und vor unzähligen Monitoren fläzen sich in Liegestühlen oder Sitzsäcken Gamer und spielen sich den Daumen heiß.
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Betritt man Halle 5, herrscht Ruhe, um nicht zu sagen Grabesruhe. Hier hat die Messe "GC family" untergebracht. An kleinen Ständen zeigen Hersteller kindertaugliche Spiele rund um Pferde, Ponyhöfe und die "Sendung mit der Maus".
Verkleidete Tigerente
Doch Interessenten für diese angeblich so zukunfsträchtige Spielesparte sind keine zu sehen. Nur ein paar Hostessen versuchen sich auf einem als Tigerente verkleideten Rodeopferd. Will irgendwie auch keiner sehen.
In Halle 5, dem Ausstellungsort für "Family Entertainment", wie der Katalog verrät, hat die Messe auch die Bildungsträger untergebracht. Neben der Initiative "Lehrer für Lehrer" sitzt die Bundeszentrale für politische Bildung, die wiederum in unmittelbarer Nachbarschaft der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien und der Unterhaltungs-Software-Selbstkontrolle (USK). Doch deren Klientel lässt sich hier nicht blicken, ein Pony ist eben noch lange kein ausgewachsenes Zugpferd.
Zwar propagieren gerade auch die großen Spielehersteller Casual Games, die Gelegenheitsspiele für die ganze Familie. Dafür haben sie sich so nette Schlagwörter wie "Touch! Generations", "Gaming for everyone" einfallen lassen.
Electronic Arts hat gar eine eigene Sparte gegründet. Doch bei der Umsetzung fürs Publikum hapert es gewaltig. Nintendo hat gerade mal eine Hostess, die älter als 20 ist. Sie steht an der Wii-Konsole mit dem Denkspiel "Big Brain Academy". Meist allein, weil auf der Messe dann doch keiner denken will.
Catterfeld als Werbeträger
Die Hüpf- und Sportspiele wie Skispringen oder Tennis zeigen ausschließlich junge, dynamische 18-Jährige. Und sie sind damit geauso alt wie der Großteil der Besucher. Bei Ubisoft musste Yvonne Catterfeld die neuen Casual Games präsentieren.
Das inzwischen familienkompatibel gewordene Ex-Teenie-Idol sprach zu einer Zielgruppe, die an diesem Tag auf der Messe gar nicht zu sehen war. Auf die Präsentation von Nintendo verirrte sich gerade mal ein Journalist, der älter war als 30 - Frauen waren gar nicht zu sehen.
Dagegen lange Schlangen vor den Vorführungen der neuesten Shooter. Im 15-Minuten-Takt drängeln sich Massen in die Kurzvorführungen von Ab-18-Spielen wie "FarCry" oder "Call of Duty 4 - Modern Warfare".
Auch die meisten Journalisten und Aussteller gingen nach dem Messebesuch auf eine Party für modernes Kriegsspiel. Der Shuttle-Service war eine Hummer-Flotte.
Am Eingang der verfallenen Werkshalle begrüßten einen Sirenengeschrei und schwarz bemalte Kämpfer mit Plastik-MGs, drinnen dienten tarnflecklackierte Ölfässer als Getränkeabstelltische.
Das Gamer-Leben ist eben doch kein Ponyhof.
(sueddeutsche.de)
Kuriose Schilder (4)