Freies Betriebssystem Kostenlos und frei

Helsinki, 1991. Ein 21-jähriger finnischer Informatik-Student schreibt zur Vorbereitung auf eine Vorlesung ein Programm, das es ihm erlaubt, auf die Rechner in der Uni zuzugreifen. Linus Torvalds heißt er - "Ich war ein Freak. Ein Nerd. Ein Geek. Praktisch von klein auf" - und er merkt bald, dass das, was er da produziert hat, viel mehr ist als nur ein einfaches Handwerkszeug.

Kurz darauf entschließt sich Torvalds dazu, seine Software, Linux, frei anzubieten. "Das", wird er später sagen, "war die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe." Jeder darf fortan die Software kostenlos kopieren, studieren, sogar nach eigenem Gusto verändern. Einzige Bedingung: Was dabei herauskommt, muss ebenso frei zur Verfügung gestellt werden.

Keine Sache für Freaks, Nerds und Geeks

Das klingt nach einer Sache für Freaks, Nerds und Geeks, für Leute wie Torvalds eben. Und genau das ist Linux auch eine Zeit lang gewesen. Bunte Oberflächen, wie man sie von Microsoft oder Apple kannte, das suchte man vergebens. Was es gab, das waren simple Zeilen, in die man für Außenstehende kryptische Befehle eintippte.

Doch das hat sich geändert. Das Linux-Betriebssystem, das quasi auf allem läuft, was irgendwie einem Computer ähnelt, kommt inzwischen in so vielen Verkleidungen daher, dass es normalen Nutzern gar nicht mehr auffällt, dass sie es benutzen. Denn obwohl der Kern des Systems immer der gleiche ist, lassen sich nahezu beliebige Oberflächen und Bedienkonzepte, also quasi Outfits, darüberstülpen.

In der Handy-Branche kann man das recht gut beobachten. Die weitaus meisten aller sogenannten Smartphones - internetfähige Telefone mit großem Berührungsbildschirm - laufen inzwischen mit dem System Android. Android ist eine Abart von Linux, die der Internetkonzern Google entwickelt. Es gibt Android-Handys nicht bloß von Google, sondern auch von Herstellern wie Samsung, Sony, HTC, LG und vielen anderen.

Doch sie verwenden Android meist nicht so, wie es von Google kommt. Sie nehmen die Software, die Google entsprechend den Regeln frei verfügbar macht, und passen sie entsprechend ihren Vorstellungen an. Und deshalb sieht zwar der Startbildschirm eines HTC-Smartphones anders aus als einer von Samsung, unter der Oberfläche aber steckt der gleiche Betriebssystemkern. Und man kann auf den Handys die gleichen Zusatzprogramme von Drittanbietern, die Apps, laufen lassen.