Foto-App Snapchat soll 800 Millionen Dollar wert sein

Fotos, die nach zehn Sekunden wieder verschwinden: Über die App Snapchat senden Nutzer Hunderte Millionen Bilder. Das lockt Finanzinvestoren. In ihren Augen ist Snapchat mehr wert als Instagram.

Von Matthias Huber

Man muss sich das ein wenig wie in "Mission: Impossible" vorstellen. "Diese Nachricht wird sich in zehn Sekunden selbst zerstören", heißt es da, wenn Geheimagent Ethan Hunt seine Mission erhält. Zwar sind Geheimagenten nicht die Zielgruppe der Foto-App Snapchat, doch das Unternehmen und seine Nutzer erscheinen Investoren trotzdem lukrativ: Sie bewerten Snapchat nun mit rund 800 Millionen Dollar, schreiben Wall Street Journal und Financial Times.

Täglich werden 200 Millionen Fotos über den Dienst verschickt - und spätestens nach zehn Sekunden wieder vom Smartphone des Empfängers und den Snapchat-Servern gelöscht. Ein bisschen Vergänglichkeit im digitalen Zeitalter, ein Alleinstellungsmerkmal.

Wenigstens in der Theorie. Denn dieser Zauber ist angreifbar. Zum Beispiel kann der Empfänger beim Betrachten des Fotos einen Screenshot anfertigen und so eine permanente Kopie des Bilds auf seinem Telefon abspeichern. Snapchat versucht zwar, dies durch Transparenz zu verhindern - wird ein Screenshot gemacht, wird der Absender darüber informiert. Technisch versierte User können dies jedoch umgehen.

Der Attraktivität für die Investoren haben diese Lücken aber nicht geschadet. 60 Millionen US-Dollar hat Snapchat in einer jüngsten Finanzierungsrunde eingesammelt. Zusätzlich zu 13,5 Millionen, die die Firmengründer Evan Spiegel und Bobby Murphy im Februar erzielten - damals, vor gerade einmal vier Monaten, wurden täglich nur 60 Millionen Nachrichten über den Service verschickt. Damit ist Snapchat nach Einschätzung der Investoren mehr wert, als Facebook tatsächlich für Instagram bezahlt hat.

Nur ein konkretes Geschäftsmodell ist noch nicht in Sicht. Zuerst wolle man mit "In-App"-Verkäufen Umsatz machen, erklärte Spiegel kürzlich. Erst später soll Werbung innerhalb der App für Gewinne sorgen. Was die User in der App kaufen könnten, ließ Spiegel offen. Spekuliert wird über Fotofilter à la Instagram, personalisierte Layout-Optionen oder die Möglichkeit, Snaps zu verschicken, die länger als die maximal erlaubten zehn Sekunden sichtbar sind.

Nur eines hat Spiegel ausgeschlossen: Dass User dafür bezahlen können, die zugesandten Snaps permanent abzuspeichern.