Eine bislang vernachlässigte Berufsgruppe darf sich auf Subventionen aus Brüssel freuen: Die EU-Kommission unterstützt erstmals Spieleentwickler - mit recht erklecklichen Summen.

Computerspiele verlassen die ihnen gern und häufig zugewiesene Schmuddelecke. Nachdem der Deutsche Kulturrat Ende August Computerspiele als Teil des Kulturbereiches akzeptiert und dessen Geschäftsführer Olaf Zimmermann den "hohen künstlerischen und musikalischen Anspruch" betont hat, können sich die Spieleentwickler auf eine weitere, diesmal finanziell lukrative Anerkennung ihrer Arbeit freuen: Die Europäische Kommission stellt nun erstmals 1,5 Millionen Euro bereit. Mit diesem Betrag sollen Konzeption und Entwicklung von interaktiven Werken unterstützt werden. Der Fokus des Fördertopfes liegt dabei auf Prototypen von Spielen für PC, Konsolen, Spiele-Handhelds und Handys.

Computerspiele: große Anziehungskraft für Jugendliche. (© Foto: ddp)

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Das EU-Programm Media2007 fördert Projekte mit einem Budget von bis zu 100.000 Euro, wobei die Förderhöchstgrenze 50 Prozent des Gesamtbudgets beträgt und jedes geförderte Projekt mindestens 10.000 Euro bekommt. Spiele, die die kulturelle Vielfalt Europa thematisieren, können auf einen noch höheren Geldbetrag hoffen, für diese Projekte liegt die Förderung bei bis zu 60.000 Euro.

"Dies ist ein sichtbarer Erfolg unserer politischen Arbeit. Wir hoffen jetzt, da die EU-Kommission ein wenig auf die Entwickler zugegangen ist, dass die Spieleentwickler auch die Früchte unserer Arbeit ernten und Einreichungen für Prototypenförderung machen", sagte Malte Behrmann, Generalsekretär der European Game Developer Federation. Europäische Spielefirmen können die Förderung nun bis zum 15. November beantragen.

Jugendmedienschutz greift

Die Aufnahme von Computerspielen in die Fördertöpfe der EU zeigt, dass sich, trotz der aufgeregten deutschen Diskussion um das Verbot von sogenannten Killerspielen, die Hardliner um Bayerns Innenminister Beckstein nicht durchgesetzt haben.

Dass die Diskussion an Schärfe verloren hat, liegt auch an einer vom Bundesfamilienministerium in Auftrag gegebenen Studie, die im Juni veröffentlicht wurde. Die Studie spricht sich gegen eine Verschärfung des Verbots von sogenanten Killerspielen aus. Der Jugendmedienschutz greife, verbesserungs- und ausbauwürdig sei die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Staat an der Schnittstelle zwischen der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) und der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM).

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(sueddeutsche.de)