Flipboard-Klon Google soll an Echtzeit-Magazin arbeiten

Plant Google unter dem Codenamen "Propeller" seinen nächsten Schachzug gegen Facebook? Gut unterrichteten IT-Bloggern zufolge bastelt der Suchgigant an einer Software, die Link-Empfehlungen aus dem Freundeskreis als Online-Magazin präsentiert.

Erwähnt man den Namen Flipboard, beginnen die Augen vieler iPad-Nutzer zu glänzen: Die App gilt als Magazin der Zukunft, weil hier nicht mehr Verlage, sondern der Bekanntenkreis des Internet-Nutzers die wichtigen Nachrichten aussucht.

Das Prinzip des Mini-Programms ist einfach: Flipboard sammelt aktuelle Twitter- und Facebook-Nachrichten von Freunden sowie, wenn gewünscht, Inhalte ausgewählter Nachrichtenseiten. Das alles wird optisch opulent als digitales Echtzeit-Magazin präsentiert: Das Urlaubsvideo des besten Kumpels steht so neben dem empfohlenen Artikel zur Euro-Krise.

Bereits mehr als 2,5 Millionen Nutzer haben das Programm inzwischen heruntergeladen. Nun scheint sich offenbar auch der Internet-Gigant Google für die Idee eines Echtzeit-Magazins zu interessieren. Der Technik-Blogger Robert Scoble berichtet unter Berufung auf einen Google-Mitarbeiter, der Suchriese arbeite derzeit an einem ähnlichen Programm für iPad und Android-Geräte.

Für Google wäre das nach dem kürzlich gestarteten Netzwerk Google Plus ein weiterer Schritt, sich der gängigen Empfehlungskultur anzupassen. Demnach finden Nutzer viele Inhalte im Netz heute durch Hinweise von Freunden, nicht mehr einzig über die Web-Suche. Das ist ein problematischer Trend für Google, denn die über die Suchfunktion ausgespielten Anzeigen sind derzeit die Haupteinnahmequelle des Konzerns.

Codewort Propeller

Kara Swisher vom IT-Blog All Things D bestätigt die Vermutungen unter Hinweis auf eigene Quellen im Google-Konzern. Demnach trägt das Projekt den Namen "Propeller" und wurde erst ins Leben gerufen, nachdem Flipboard im vergangenen Jahr eine Kaufofferte des Suchgiganten abgelehnt hatte.

Auch Facebook soll Swisher zufolge daran arbeiten, empfohlene Inhalte attraktiver aufzubereiten. Wer künftig beispielsweise die Facebook-Fanseite von sueddeutsche.de besucht, könnte dort eine Zusammenstellung der Texte und Videos sehen, die seine Freunde über den "Gefällt mir"-Knopf geteilt haben.

Mit AOL (Editions), Yahoo (Livestand/Pulse), CNN (Zite) und dem unabhängigen Anbieter News.me versuchen derzeit allerdings bereits einige andere Unternehmen, dezentrale digitale Magazinformen zu etablieren.

Möglicherweise integriert Google seinen Themenabo-Dienst Sparks und den RSS-Lesedienst Reader in die Propeller-Oberfläche. Ob allerdings Facebook-Nutzer dem Google-Service überhaupt den Zugriff auf den eigenen Freundschaftsstrom erlauben dürfen, ist zweifelhaft: Mark Zuckerbergs Unternehmen hat bislang wenig Interesse gezeigt, mit dem Rivalen zusammenzuarbeiten.