Flatrates bei der Telekom Obermann verteidigt Drosselkom-Pläne

Tschüss Flatrate, tschüss Obermann: Der Telekom-Chef hat seinen letzten großen Auftritt - und verteidigt die Bremse für Telekom-Vielsurfer. Vor der Tür der Hauptversammlung in Köln kommt es zu Protesten.

Der scheidende Telekom-Vorstandsvorsitzende René Obermann hat auf seiner letzten Hauptversammlung in Köln die umstrittene Begrenzung des Datenvolumens bei DSL-Flatrates für das Internet verteidigt. Er betonte, für Normalkunden werde die Einführung der Obergrenzen keine Verschlechterung mit sich bringen. Denn die Datenpakete der neuen Tarife sollten deutlich größer sein als das Datenaufkommen von Normalkunden. "Die Alternative wäre, dass das Netz für alle langsamer oder für alle teurer wird", sagte Obermann. Stattdessen setze die Telekom auf den Grundsatz: "Für alle schneller, für wenige teurer." Er halte das für gerecht, sagte Obermann. Er bekräftigte, für die dauerhaften Vielnutzer werde es weiter Flatrates geben, die aus heutiger Sicht aber um zehn bis 20 Euro mehr im Monat kosten sollten.

Netzaktivisten wie Markus Beckedahl von Netzpolitik.org kritisieren die Telekom, weil dieser Schritt die Netzneutralität gefährde. Die Telekom wird nämlich ihren eigenen TV- und Video-Service namens Entertain nicht zum Maximalvolumen dazuzählen, nach dessem Aufbrauchen das Internet auf fast Null-Geschwindigkeit gebremst wird. Wenn Youtube der Telekom Geld zahlt, soll für die Videoplattform ebenfalls eine Ausnahme gemacht werden. "Die Telekom bezeichnet einfach einen Teil des Internets als Fernsehen und behauptet dann, dass sei kein Eingriff in die Netzneutralität", sagte Beckedahl. "Das sind Taschenspielertricks." Die Netzneutralität besagt, dass Daten von Großkonzernen und kleinen Spielern gleich schnell transportiert werden.

Nach Jahren schrumpfender Umsätze richte sich die Telekom wieder auf Wachstum aus, sagte Obermann. Dank geplanter Investitionen von fast 30 Milliarden Euro solle der Konzern ab 2014 wieder wachsen.

Obermann verlässt den Marktführer Telekom auf eigenen Wunsch zum Jahresende. Zum Nachfolger berief der Aufsichtsrat des Konzerns bereits am Mittwoch Finanzvorstand Timotheus Höttges.

Vor der Tür protestierten Aktivisten gegen die Telekom und dokumentieren dies auf Twitter:

Auf der Digitalkonferenz Re:publica hatte Malte Götz SZ.de erklärt, warum er zum Protest gegen die Telekom aufruft und eine Petition initiiert hat: