Interview: Mirjam Hauck

Der Firefox 3 soll mit zahlreichen Neuerungen und in 50 Sprachversionen dem Internet Explorer weiter Marktanteile abjagen. Übersetzer Abdulkadir Topal über Sprachschwierigkeiten und das Glück, unentgeltlich zu arbeiten.

Am Dienstag Abend veröffentlicht Mozilla die Version 3 des Firefox. Mehr als tausend Entwickler weltweit haben 34 Monate am neuen Browser gearbeitet. Mit zahlreichen Neuerungen wie einer intelligenten Adressleiste und besserem Phishing-Schutz will Mozilla Micosofts Internet Explorer weiter Marktanteile streitig machen. Das Ziel: mehr als 20 Prozent weltweit. Firefox 3 soll es in 50 Sprachversionen geben.

Abdulkadir Topal, Student und Firefox-Übersetzer (© Foto: oh)

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Hauptverantwortlich für die deutsche Version ist Abdulkadir Topal. Topal arbeitet wie viele andere Entwickler weltweit unentgeltlich für die Mozilla-Foundation. Der 25-Jährige studiert Germanistik und Computerlinguistik in Düsseldorf und schreibt zurzeit an seiner Magisterarbeit. Sie trägt den Arbeitstitel "Telearbeit und Gruppenkommunikation im Internet".

sueddeutsche.de: Herr Topal, normale PC-Nutzer denken bei "Cairo" zuerst an Ägypten und bei "Gecko" an eine Eidechse. Was assoziiert der Mozilla-Entwickler mit den beiden Begriffen?

Abdulkadir Topal: Cairo ist eine Grafikbibliothek, Gecko ein Software-Modul, das im Hintergrund der Mozilla-Webbrowser arbeitet. Solche Programme haben meist eher ungewöhnliche Namen. Normale Anwender haben mit ihnen nichts zu tun, sie müssen sie gar nicht verstehen. Programmierer geben ihrer Software eben gerne Namen, die außer ihnen keiner versteht. Für die Entwickler sollen sie einfach witzig klingen.

sueddeutsche.de: Bei der Übersetzung des Firefox-Browsers haben Sie aber auf Verständlichkeit geachtet?

Topal: Selbstverständlich. Inzwischen arbeiten rund 20 Millionen Menschen in Deutschland mit Firefox. Da habe ich als Übersetzer eine große Verantwortung. Die Nutzer sollen die Funktionen des Firefox sofort verstehen können.

sueddeutsche.de: Die Funktion des Tabbed-Browsing hat zuerst der Firefox eingeführt. Eine passenden deutschen Begriff haben sie dafür nicht gefunden?

Topal: Inzwischen würde ich mir es überlegen, ob man das Wort "Tab" nicht doch übersetzen sollte. Bei den Usern gibt es ein unterschiedliches Vorwissen und nicht jeder versteht sofort, was damit gemeint ist. Aber es ist schwierig, dafür eine gute und passende Übertragung zu finden, die dann auch nicht zu lang ist.

Das Wort "Karteikartenreiter" wäre eine Möglichkeit. Microsoft hat beim Internet Explorer diese Funktion später "Registerkarte" genannt. Aber richtig gelungen finde ich das nicht. Zudem ist es schade, dass Microsoft bei dieser Funktion nicht den durch Mozilla bereits eingeführten Begriff des Tab übernommen hat.

sueddeutsche.de: Was ist für Sie die gelungenste Übersetzung?

Topal: Stolz bin ich auf das Wort "Chronik"- die Beschreibung für die Funktion, die einen Überblick über die zuletzt besuchten Websites gibt. Das Wort bringt hervorragend zum Ausdruck, dass hier etwas schriftlich festgehalten wird.

sueddeutsche.de: Gibt es auch Wörter, vor denen Sie kapitulieren mussten?

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