Film Doku über Drohnen: Moral für Roboter

Szene aus "Krieg und Spiele"

(Foto: Bildersturm Film)

Wie verändern Drohnen den Krieg? In ihrem Dokumentarfilm "Krieg und Spiele" geht Karin Jurschick dieser Frage nach - und findet viele Antworten.

Von Bernd Graff

Es fallen erstaunliche Sätze in diesem Dokumentarfilm, und es werden wichtige Fragen darin gestellt. Menschen werden interviewt, die offenkundig keine homogene Gruppe bilden, so unterschiedlich sind ihre Herkünfte, Arbeitsfelder, Ideen und Ansätze: Es sind Forscher, die an der Entwicklung künstlicher Intelligenz arbeiten, Politikwissenschaftler, Hersteller von Computerspielen, Philosophen, ein Professor für Roboterethik. Außerdem der Stabschef des ehemaligen US-Außenministers Colin Powell und die israelischen "drei Musketiere", die die erste unbemannte Drohne entwickelten, sowie ein Ausbilder der israelischen Armee, der Soldaten zu Drohnenpiloten schult.

Die Regisseurin des Films, Karin Jurschick, die schon einen Dokumentarfilm über Tschernobyl gedreht hat und am Projekt der 24-Stunden-Doku "Jerusalem" mitwirkte, beschäftigt sich in "Krieg und Spiele" mit einem drängenden, aber intellektuell und mental kaum mehr in den Griff zu bekommenden Komplex: sie geht der Veränderung unserer Vorstellung von Krieg und Frieden nach, die durch den Einsatz von autonomen, intelligenten Waffensystemen komplett über den Haufen geworfen wird.

Dazu ist es nur folgerichtig, dass sie sowohl mit den Herstellern und militärischen Verwendern von Drohnen spricht, wie eben auch mit dem Computerspielproduzenten Dave Anthony, der das irrsinnig erfolgreiche "Call of Duty: Black Ops" entwickelt hat. Denn das Spiel ist bei aller futuristischen Anmutung doch so sehr in der militärischen Realität geerdet, dass das US-Militär Anthony zu seinem Berater gemacht hat. Umgekehrt setzt das Militär Techniken ein, etwa Joysticks zur Drohnensteuerung, die die Spiele-Industrie entwickelt hat.

Früher gab es Entertainment und Militär, heute "Militainment"

Peter W. Singer spricht darum zu Recht von "Militainment", der Vermengung von Unterhaltung und militärischem Einsatz. Es ist der deutsche Politikwissenschaftler Herfried Münkler, der ausgehend von der Hegel-These, dass das Wesen des Kämpfers seine Waffe ist, klarstellt, dass die ferngesteuerte Drohne einen unheroischen Kämpfertypus herausgebildet hat, der seine Kriege asymmetrisch führt.

Krieg herrscht eben heute nicht nur, wenn Heere auf einem Schlachtfeld aufeinandertreffen. Sondern Krieg bricht auch unvermittelt als Terrorakt in den vermeintlichen Frieden ein. Beantwortet wird der Terror mit der gezielten Verfolgung und auch Tötung des Terroristen durch Drohnen. Die notwendigen Fragen, die sich anschließen, bleiben jedoch alle bis jetzt unbeantwortet: Braucht es nicht Kriegserklärungen, braucht es nicht Gerichtsbeschlüsse, die solches Töten völkerrechtlich erfassen? Und was ist mit der "Verantwortung" der Maschinen, die inzwischen von Algorithmen gesteuert mitentscheiden, ob ein Schlag tatsächlich zu führen ist? "Je mehr Drohnen wir produzieren, je mehr werden geflogen. An jedem Tag sind in jeder Sekunde 57 unserer Maschinen im Einsatz", brüstet sich der Geschäftsführer von "General Atomics", einem führenden Drohnenhersteller. Soldaten seien dankbar dafür, die Systeme retten Leben. Und nein, meint er, nicht seine Firma sei schließlich dafür verantwortlich, wenn der Staat diese Systeme mit Namen "Predator" (Raubtier) nicht zu humanitären Zwecken, sondern zum Töten einsetze.

Krieg und Spiele, Deutschland 2016 - Regie, Buch: Karin Jurschick. Kamera: Johann Feindt. Real Fiction, 90 Minuten.