Fernseh-Blog Ein kleiner Ritterschlag

Freundliche Übernahme: Das ZDF holt das preisgekrönte Weblog "Elektrischer Reporter" ins Programm. Die Blogbeiträge sollen junge Zuschauer ansprechen und das Internet im TV testen.

Von Simon Feldmer

Eigentlich läuft es andersherum. Fernsehformate landen, in kurzen Ausschnitten oder komplett, im Netz, in Mediatheken oder Videoportalen wie Youtube. Den anderen Weg haben bisher nicht viele Formate zurückgelegt. Dass es mit dem Elektrischen Reporter nun ein Weblog ins Fernsehen schafft, ist bemerkenswert.

Von diesem Freitag an werden die zehnminütigen Filme des Elektrischen Reporters wöchentlich sowohl im Digitalsender ZDF Infokanal und in der Mediathek, aber auch weiterhin unter elektrischer-reporter.de und unter handelsblatt.com, dem bisherigen Geldgeber des Blogs, laufen. In bisher 49 Filmen hat sein Macher Mario Sixtus die Welt des Internets erklärt und dafür den Grimme-Online-Award eingefahren. Doch die finanziellen Mittel waren begrenzt, was man dem Format bisweilen auch ansah.

Da kam das ZDF offenbar wie gerufen. "Das Thema Netzwelt findet in unserem Sender bisher fast nicht statt", sagt Holger Meier, Leiter der ZDF-Zentralredaktion Neue Medien. Man könne aber nicht einfach ignorieren, was Millionen Menschen täglich machten. Und so hat die ZDF-Redaktion gemeinsam mit Handelsblatt-Online und Sixtus die Webfilme zu einem "online-getriebenen Fernsehformat" weiterentwickelt, das den digitalen Wandel einfangen soll.

Für Sixtus, 43, ist die freundliche Übernahme durch das ZDF ein kleiner Ritterschlag. Bisher produzierte der Videojournalist den Elektrischen Reporter als "Einhandsegler", wie er sagt. Interviews mit Internetpromis wie Wikipedia-Gründer Jimmy Wales schafften schon mal mehrere tausend Klicks am Tag. Mit dem ZDF könnten nun auch Menschen erreicht werden, denen das Internet noch fremd sei.

Das Internet im Fernsehen ausprobieren

Ein großes Publikum wird er im digitalen Spartensender zwar nicht erreichen. Die Hoffnung sich mit dem Blogformat für junge Zuschauer schick zu machen, verbindet man im ZDF aber mit dem Versuch, das Internet im Fernsehen auszuprobieren. Die redaktionelle Hoheit liegt nun in Mainz; daraus kann man wohl auf den neuen Hauptkostenträger schließen.

In der ersten Folge des ZDF-getunten Blogs beschäftigt sich Sixtus mit einem digitalen Trendthema: dem Microblogging-Dienst Twitter, mit dem man sich in 140 Zeichen langen Nachrichten online seiner Umwelt mitteilen kann. Die üblichen Verdächtigen wie Katharina Borchert, Chefredakteurin des WAZ-Online-Portals Der Westen, dürfen sich zwischen Comic-Illustrationen für "positiv verrückt" erklären, weil sie so viel "zwitschern". Twitter-Gründer Biz Stone erhebt seinen Dienst gar "zu einer Art sozialer Alchemie".

Das ist zwar ein bisschen viel des Guten, doch die bedingungslose Begeisterung für alle positiven Interpretationen digitaler Medienphänomene war beim Elektrischen Reporter schon immer Programm. Und es ist schon fast wieder sympathisch, dass es offenbar nicht mal das öffentlich-rechtliche Fernsehen schafft, ihm genau die auszutreiben.

Elektrischer Reporter, ZDF Infokanal, freitags, 19.35 Uhr.