Facebook und Gewalt gegen Frauen Nackt geht gar nicht, geknebelt schon

Wenn es um nackte Brüste oder gar Penisse geht, versteht Facebook keinen Spaß - und löscht. Rassistische, homophobe und antisemitische Inhalte sind ebenfalls verboten. Kein Problem sind aber anscheinend Seiten, die Gewalt gegen Frauen verherrlichen. Dagegen wenden sich nun Aktivistinnen via Twitter.

Von Barbara Vorsamer

Die Facebook-Seite heißt "Domestic Violence - Don't make me tell you twice" (Häusliche Gewalt - Wehe, ich muss es dir zweimal sagen). Die Frauen, die auf den Bildern zu sehen sind, haben Blutergüsse im Gesicht, Schwellungen, blutende Lippen.

Es gibt noch mehr solche Seiten (Screenshots hier und hier und hier). Die Aktivistengruppe Women, Action and the Medianennt in ihrem offenen Brief an Facebook unter anderem die Seiten "Fly Kicking Sluts in the Uterus", "Violently Raping Your Friend Just for Laughs" und "Raping your Girlfriend" als Beispiele. Seiten, die inzwischen nicht mehr erreichbar sind - jedoch der Google-Trefferliste zufolge noch bis vor Kurzem existierten. Dass die Seiten weg sind, besänftigt die Initiatorinnen Laura Bates, Soraya Chemaly und Jaclyn Friedman jedoch kein bisschen, schließlich würden sich die Gruppen schnell unter einem neuen Namen zusammenfinden.

Rape Culture nennt man eine Kultur, in der sexuelle Gewalt und Vergewaltigung verbreitet ist und wenn nicht erlaubt, so doch toleriert wird. Eine solche haben die Verfasserinnen auf bestimmten Facebook-Seiten ausfindig gemacht und wehren sich nun dagegen - schließlich sei das Netzwerk "extrem einflussreich, wenn es um die Definition kultureller Normen und Verhaltensweisen geht".

Sie fordern von Facebook, sexistische Hasstiraden und frauenverachtende Darstellungen genauso zu behandeln wie rassistische, homophobe, islamophobe und antisemitische Inhalte. Solche Seiten verbietet Facebook schon jetzt und geht Verstößen auch nach. Geht es um frauenverachtende Inhalte, sei das Vorgehen von Facebook widersprüchlich. "In vielen Fällen haben Sie sich geweigert, anstößige Vergewaltigungs- und Gewaltbilder zu entfernen, wenn sich irgendjemand beschwerte. Dieselben Bilder wurden jedoch sofort gelöscht, wenn Journalisten über die Seiten berichteten", schreiben die Initiatorinnen des Briefes. (Hier geht es zur deutschen Übersetzung des Schreibens.)

Wer nun denkt, dass es vielleicht etwas viel verlangt sei von einem Netzwerk mit etwa einer Milliarde Nutzern, alle Inhalte ständig zu überprüfen, dem sei gesagt: Facebook ist manchmal ganz schnell. Zum Beispiel verschwand das Cover des Zeit-Magazins, das sich mit männlicher Nacktheit beschäftigte und daher einen Penis zeigte, urplötzlich aus dem Netz. Auch die feministische Zeitung Emma wurde schon zensiert und ihr Bild von barbusigen Aktivistinnen gelöscht. Und der Zugang von Süddeutsche.de wurde für 24 Stunden gesperrt, nachdem ein Mitarbeiter einen Link über das hinduistische Kumbh-Mela-Fest mit einem Bild postete, das mehrere Menschen nackt zeigte.

Doch bei gewaltverherrlichenden und sexistischen Seiten reicht anscheinend ein Disclaimer, dass die Inhalte lustig gemeint seien und alles ist erlaubt. Wütend schreiben Bates, Chemaly und Friedman: "So behandelt man Gewalt gegen Frauen buchstäblich als Witz."

Auf Anfrage von Süddeutsche.de ließ ein Facebook-Sprecher ausrichten, dass es in dem sozialen Netzwerk "keinen Platz für Hassbotschaften oder Inhalte, die bedrohlich sind oder zur Gewalt aufrufen" gebe. Facebook versuche "schnell zu reagieren und Ausdrücke oder Bilder, die uns gemeldet werden und gegen unsere Richtlinien verstoßen, zu entfernen." Weiter schrieb der Sprecher in seinem Statement: "Allerdings - wie man es in jeder vielfältigen Gemeinschaft von mehr als einer Milliarde Menschen erwarten kann - sehen wir gelegentlich, dass Menschen geschmacklose oder verstörende Inhalte veröffentlichen oder sich an derbem Humor versuchen. Obwohl es vulgär und beleidigend sein mag, verstößt geschmackloser Inhalt an sich nicht gegen unsere Richtlinien. Wir schreiben vor, dass jede Seite mit solchen Inhalten eindeutig darauf hinweisen muss, damit die Nutzer gewarnt sind, dass der Inhalt geschmacklos sein könnte."

Um mehr Druck auf Facebook aufzubauen, wenden sich die Aktivistinnen auch und vor allem an die Anzeigenkunden. Vor allem via Twitter (Hashtag: #fbrape) versenden sie Screenshots der angeprangerten Seiten an die Unternehmen, deren Anzeige neben dem Bild sichtbar sind. Sie fordern die Firmen auf, nicht mehr bei Facebook zu inserieren, solange das Netzwerk solche Inhalte zulässt. Zu den Adressaten gehören bekannte Produkte wie Dove, Pringles und American Express - kaum eine Marke will wohl mit Themen wie Sexismus und häuslicher Gewalt in Zusammenhang gebracht werden.

Die Reaktionen der Unternehmen sind dennoch zurückhaltend. Der Druck-Dienstleister Vistaprint hat zwar reagiert - bittet die Nutzer aber lediglich darum, beleidigende Seiten zu melden. Finnair twittert, dass sie zwar keine Anzeigen in solchem Kontext haben wollen, aber trotzdem weiter Anzeigen schalten werden. @EverydaySexism, der Twitter-Account von Brief-Initiatorin Laura Bates, antwortet darauf:

Hört sich an wie: Seid nicht böse, aber uns ist das egal.

Link-Tipp: Eine Sendung des Bayern-2-Magazins "Zündfunk" zum Thema "Stell dich nicht so an - Indizien für eine Rape Kultur".