Facebook ist nicht das einzige neue Medium, das die Truppen nutzen. Kurzmeldungen der Isaf und der US-Streitkräfte kommen via Twitter aufs Handy. Bilder sind auf dem Fotoportal Flickr, Videos auf YouTube abrufbar. "Das Ziel ist, eine ganz neue Zielgruppe zu erreichen, die ihre Nachrichten nicht über traditionelle Wege bezieht", sagt Clampitt. "Es revolutioniert die Art und Weise, wie wir den Einsatz (der Öffentlichkeit) vermitteln."
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Das Internet sei außerdem ein wirkungsvoller Weg, "der Propaganda der Aufständischen zu begegnen", sagt Clampitt. So machten die Taliban kürzlich die ausländischen Truppen für einen Granatenangriff mit zivilen Opfern im Südosten des Landes verantwortlich. Ein von der Isaf dann im Netz veröffentlichtes Video habe aber gezeigt, dass jemand aus der Menge den Sprengsatz gezündet habe, sagt der US-Offizier. "Das hat die Taliban sofort zum Verstummen gebracht."
Technikfeindlichkeit abgelegt
Doch verstummt sind die Aufständischen, die anders als die Facebook-Truppen in den Landessprachen kommunizieren, noch nicht. Ihre einstige Technikfeindlichkeit haben die selbsternannten Gotteskrieger seit Jahren abgelegt. Zeitweise waren auf der Taliban-Internetseite Meldungen auf fünf Sprachen zu finden, darunter Englisch. Derzeit sind die "Nachrichten" nur noch in den Landessprachen Dari und Paschtu nachlesbar.
Links zu Meldungen über Selbstmordanschläge, deren Opferzahlen hoffnungslos übertrieben sind, werden rot hervorgehoben. Die Seite wird immer wieder gesperrt und muss die Adresse wechseln. Sie ist mit aggressiven Computerviren verseucht, die kaum von den Taliban selbst stammen dürften.
Trotz der virtuellen Angriffe gegen ihre Seite geben die Aufständischen ihren Cyber-Krieg nicht auf. Ihr jüngster Coup: Die "Stimme der Scharia" über das Internet wieder zum Leben zu erwecken. So hieß der afghanische Sender unter den Taliban bis zum Sturz ihres Regimes Ende 2001. "Dies ist das Stimme-der-Scharia-Radio des Islamischen Emirats Afghanistan", sagt nun wieder der Ansager der Abendnachrichten, die unter anderem "Nachrichten von der Front" versprechen. Zwischen Wortmeldungen werden Gesänge gespielt, in einem Lied heißt es: "Dein Blut ist auf dem Boden vergossen worden, und es sieht aus wie Tulpen." Niemand könne das "Land der Löwen" erobern.
An diesem Abend melden die Taliban-Nachrichten vier getötete deutsche Soldaten südlich von Kundus - der Angriff hat tatsächlich stattgefunden, doch niemand wurde auch nur verletzt. "Sie können uns in der ganzen Welt 24 Stunden lang über das Internet hören", sagt der Sprecher später. Damit hat er Recht. Trotzdem klingen seine Worte ungewollt ironisch. Schließlich waren es die Taliban, die unter ihrem Regime die Nutzung des Internets in Afghanistan verboten hatten.
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(Can Merey,dpa/cf/gal)
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