Sarkozy-Gegner kapern die Facebook-Seite des französischen Präsidenten. Doch eine glaubhafte Rücktrittsbotschaft sollte keine Rechtschreibfehler enthalten.
Die Botschaft klang staatstragend: "Liebe Mitbürger", teilte Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy auf seiner Facebook-Seite mit, "wegen der außergewöhnlichen Lage unseres Landes habe ich nach einer Prüfung meines Gewissens entschieden, meine Amtszeit 2012 enden zu lassen."
Bild vergrößern
Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy: "Nehme die Lehrstunde in Sachen Rechtschreibung mit." (© AFP)
Anzeige
Einen Amtsverzicht über das Internet zu verkünden, wäre tatsächlich ein Novum für ein Staatsoberhaupt. Doch zahlreiche Rechtschreibfehler ließen ebenso Zweifel an der Authentizität der Nachricht aufkommen wie der Verweis auf eine andere Seite: Weitere Details zur Abschiedsparty, so hieß es, erführen die Fans in der Facebook-Gruppe "Abschied von Nicolas Sarkozy".
Diese Seite gehört wiederum Sarkozy-Gegnern; mehr als 200.000 Mitglieder haben sich verabredet, am Abend 6. Mai 2012 die Abwahl des Präsidenten zu feiern - vor dem Restaurant am Champs- Elysees, in dem Sarkozy 2007 seinen Wahlsieg feierte.
Bereits 15 Minuten später war der Beitrag verschwunden - und der echte Sarkozy (beziehungsweise sein PR-Team) ließ verlauten, dass der Facebook-Account geknackt worden sei.
Den Angriff nahm man im Sarkozy-Lager jedoch durchaus mit Humor: "Ich nehme die Lehrstunde in Sachen Rechtschreibung mit", heißt es in der Stellungnahme, "mit der Botschaft bin ich allerdings nicht einverstanden - sie scheint mir etwas voreilig."
- Hacker knacken FDP-Shop Westerwelles Rede: Heiße Luft 28.12.2010
- Frankreichs Manifest zum Volkszorn Empört euch! 12.01.2011
- Umstrittene Funktion Facebook stoppt Adressbuch-Zugriff 18.01.2011
- Soziales Netzwerk Facebook: Zugriff auf das Adressbuch 17.01.2011
- Krise in der Eurozone Merkel und Sarkozy düpieren Brüssel 12.01.2011
- Hacker-Angriff auf Fanseite Facebook löscht Mark Zuckerberg 26.01.2011
- Soziales Netzwerk Facebook-Nutzer als Werbe-Maskottchen 26.01.2011
(sueddeutsche.de/joku/kar)
Kuriose Schilder (4)
Den jüngsten Beleg für diese These liefert uns die Entwicklung in Tunesien. Die Macht der Straße brachte eine Diktatur zu Fall. Dazu beigetragen haben auch Tools wie Facebook und Twitter. Tunesien – einem halbwegs offenes Land – war es unmöglich, diese Formen der viralen Kommunikation zu kontrollieren. Sobald die Tür einen Spalt weit geöffnet war, konnte die Flutwelle der Entrüstung und Frustration sich ihren Weg bahnen und am Ende sogar die Regierung aus dem Amtssitz schwemmen:
http://bit.ly/gdb0Gf