Privatsphäre Facebook teilte Nutzerdaten mit Dutzenden Geräteherstellern

Nach dem Datenskandal um Cambridge Analytica gerät Facebook weiter unter Druck.

(Foto: REUTERS)
  • Facebook teilt Nutzerdaten mit Herstellern von Smartphones und anderen Endgeräten.
  • Es geht um etwa 60 Unternehmen, darunter auch vier chinesische Konzerne, die teils enge Beziehungen zur chinesischen Regierung haben sollen.
  • Facebook widerspricht den Vorwürfen und verweist auf schriftliche Verträge, die den Missbrauch der Nutzerdaten verhindern sollen.
Von Katharina Kutsche

Der Datenskandal um Facebook nimmt kein Ende. Das neueste Kapitel: Hersteller von Mobilgeräten und Entwickler von Betriebssystem hatten Zugriff auf die Daten von Facebook-Nutzern - und zwar auch von denen, die einer Weitergabe widersprochen hatten. Das berichtete die New York Times.

Demnach hatte Facebook Vereinbarungen mit etwa 60 Firmen geschlossen, die Endgeräte oder Betriebssysteme bauen, darunter Apple, Blackberry, Microsoft und Samsung. Die Verträge stammen aus einer Zeit, in der die Apps des sozialen Netzwerks noch nicht auf allen Systemen liefen und es keine App-Stores gab - mit anderen Worten: eine Zeit, in der Facebook darauf angewiesen war, sich bekannt zu machen.

Einem weiteren Bericht der New York Times zufolge soll Facebook seit mindestens 2010 auch Daten an vier chinesische Unternehmen weitergegeben haben: Huawei, Lenovo, Oppo und TCL. Insbesondere die Vereinbarung mit Huawei ist heikel. US-amerikanische Geheimdienste stufen den Konzern als Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA ein, weil er enge Verbindung zur chinesischen Regierung haben soll.

Ein Facebook-Sprecher sagte, dass die mit Huawei geteilten Daten auf den Smartphones der Nutzer gespeichert worden seien, nicht auf den Servern des Unternehmens. Dennoch soll der Vertrag mit Huawei bis zum Ende dieser Woche beendet werden, sodass keine Nutzerdaten mehr an die chinesische Firma weitergegeben werden. Bislang gibt es keine Hinweise, dass Huawei oder andere Hersteller die Daten missbräuchlich genutzt haben.

Eine Blackberry-App konnte auf Hunderttausende Nutzerdaten zugreifen

Facebook stellte den Herstellern Schnittstellen zu Verfügung stellte, damit diese ihren Kunden ein "Facebook-Erlebnis" bieten konnten, wie es das Unternehmen ausdrückt. Damit ist etwa gemeint, dass manche Geräte Facebook-Botschaften in einer Plattform mit anderen Nachrichten auf dem Gerät anzeigen oder Statusmeldungen der Freunde in einen geräteeigenen Newsfeed integrieren.

Die New York Times machte das Problem im Selbstversuch mit einem Blackberry-Gerät deutlich. Der Reporter Michael LaForgia nutzte eine App des Herstellers, um sich in sein Facebook-Konto einzuloggen. Die App Black Berry Hub konnte so die Daten von 556 Freunden des Reporters auslesen und hatte Zugriff auf Informationen von deren 294 258 Freunden: Beziehungsstatus, Religionszugehörigkeit, politische Neigungen. Ob die einzelnen Nutzer der Weitergabe widersprochen hatten, spielte keine Rolle.

Die Zeitung zitiert auch aus Dokumenten, die das Netzwerk dem Bundestag übersandt hatte. Dessen Rechtsausschuss hatte am 20. April Facebook-Vizechef Joel Kaplan angehört und wollte wissen, welche Apps ähnlich wie Cambridge Analytica Zugriff auf Nutzerdaten hatten. Kaplan ließ später mitteilen, dass das Unternehmen seit 2014 Apps prüfe, die Daten ohne Nachfrage beim Facebook-Nutzer erheben.

Facebook widerspricht den Vorwürfen

CDU-Ausschussmitglied Elisabeth Winkelmeier-Becker bescheinigt Facebook eine falsche Rechtsansicht. Das Unternehmen argumentiere damit, dass die Nutzer in die Weitergabe der Daten ihrer Freunde eingewilligt hätten. Aber: "Niemand kann über die Daten seiner Facebook-Freunde verfügen; das können nur die Betroffenen selbst, und zwar durch ihre ausdrückliche Zustimmung."

Facebook-Manager Ime Archibong widersprach den Vorwürfen. Ja, die Schnittstellen habe es geben müssen. Doch man habe die Hersteller streng kontrolliert und unterschreiben lassen, dass die Nutzerdaten eben nur für die Funktionen des sozialen Netzwerks genutzt werden durften. "Uns ist kein Missbrauch seitens dieser Firmen bewusst." Die New Yorker Staatsanwältin Barbara Underwood erklärte als Reaktion auf die Berichte, ihre Behörde werde die laufende Ermittlung gegen Facebook ausweiten.