Danach hat man einen Freundschaftszombie in der Liste, dessen Einträge man erst kaum und dann gar nicht mehr liest und irgendwann sperrt. Solche Freunde wieder loszuwerden, fällt online besonders schwer. Zwar erhält der Andere, wie offline meist auch, keine offizielle Nachricht über das Ende der gemeinsamen Zeit. Aber gerade weil Verbindungen an einem Ort wie Facebook so unverbindlich sind und Karteileichen nicht riechen, ist die Erklärungsnot groß, wenn das Kappen der Freundschaft doch bemerkt wird.

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Nachsicht üben heißt die dritte Regel. Auch sonst selbstkritische Menschen zeigen bei Facebook mitunter Seiten von sich, die man offline nie und online lieber nie bemerkt hätte. Da outet sich das SPD-Mitglied (okay) als Hubertus-Heil-Fan (nicht okay). Da stellen stolze Eltern Fotos ihrer betrunken dreinschauenden Babys für alle sichtbar ins Netz und provozieren damit die schlimmsten Glückwünsche, vor allem von kinderlosen Frauen über 30.

Verwirrung stiften

Wieder andere stiften Verwirrung. "Beeskow. Gestern, 19 Uhr. Mit Birkenzweigen, Schnaps und der Mutter meiner Tochter": Etwa so lautete kürzlich der Eintrag eines jungen Mannes aus der Hauptstadt. Der erste Freund kommentierte: "Hochzeit?" Der zweite: "Sauna!" Eine Antwort gab es nicht.

Im Zweifel Schweigen. Die ganze sogenannte Netzwerkkommunikation, wenn sie nicht bilateral, also in Mail- oder Chatform, stattfindet, ist überhaupt ein Witz. Gefühlte 95 Prozent der öffentlichen Facebook-Einträge sind banale ("Fühle mich katholisch") bis blamable ("Ein leeres Blatt Papier ist Gottes Art uns zu zeigen, wie schwer es ist, Gott zu sein") Selbstgespräche, für die sich die Verfasser alle noch schämen werden.

Es gibt nur sehr wenige lebende Menschen, die Aphorismen schreiben können und sollten; der Journalist und Schriftsteller Michael Klonovsky, zum Beispiel, aber so einer ist nicht bei Facebook.

Keine Intimitäten. Regel fünf ist eine Konsequenz aus Regel vier, aber die Betonung kann nicht schaden. Wer bei Facebook mitteilt, dass er in einer Beziehung lebt - bloß weil es einen "Beziehungsstatus" gibt, den man anklicken kann -, und wer diese Information (warum auch immer) später wieder löscht, muss mitunter tagelang mitleidvolle Mails beantworten.

Details und Spitznamen verbieten

Dass sich in Liebesdingen auch alle etwaigen Details ("ist kitzlig"), Fotos (vom Kitzeln) oder Spitznamen (. . .) verbieten, vor allem wenn man irgendwo lohnabhängig beschäftigt ist, versteht sich leider auch nicht immer von selbst.

Von Angesicht zu Angesicht. Die letzte Regel betrifft Freundschaftsangebote von Leuten, die man selbst nicht kennt, die aber Freunde und Freundesfreunde kennen. Ein gern diskutierter Sonderfall, auf den es aber an sich nur eine Antwort gibt: Menschen, die einen online ungefragt anfreunden, sollte man, wenn sie nicht schon auf Anhieb unsympathisch sind, allenfalls vorschlagen, gemeinsam etwas trinken zu gehen - um zu schauen, ob es für eine Freundschaft, wenn auch nur bei Facebook, reicht. Ein solcher Einbruch von Verbindlichkeit ist im Online-Portal in der Regel Abschreckung genug.

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  1. Freundschaft? Nein, danke
  2. Sie lesen jetzt Freundschaftsangebote von Fremden
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(SZ vom 30.07.2009/ cf)