An Geburtstage denken, Anfragen beantworten, Freundschaften bestätigen. Eine Mitgliedschaft bei Facebook kann ganz schön stressig sein - muss sie aber nicht.
Bill Gates hat Facebook verlassen, weil er "zu beliebt" wurde. Bill Gates hat - egal, ob er sein Profil im Portal selbst betreut hat oder nicht - Facebook vielleicht nicht verstanden.
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Früher trafen sich Freunde im Café. Heute halten sie via Facebook Kontakt. (© Foto: AP)
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Natürlich kann ein Online-Netzwerk Stress verursachen: Wenn man sich über jeden Freundschaftsantrag den Kopf zerbricht. Oder wenn man täglich gut gemeinte Sinnsprüche absetzt, beziehungsweise all das Zeug liest, das die Anderen so schreiben. Das muss man nicht. Wer sich an ein paar Regeln hält, die auch offline gelten, wird mit Facebook und ähnlichen Portalen weder Probleme haben noch Gefahr laufen, zu beliebt zu werden.
Keine Pflichten. Die vielleicht wichtigste Regel. Bei Facebook und seinen inzwischen mehr als 200 Millionen regelmäßigen Nutzern will immer irgendwer irgendwas. Ein Geburtstag soll in die Geburtstagsliste eingetragen werden, jemand "stupst" einen an und will zurückgestupst oder mit virtuellen Teddybären beworfen werden. Es gibt tausende von Charaktertests (Welche Nationalität passt zu dir? Welche Figur aus der Sesamstraße bist du?), es gibt Einladungen zu Stammtischen und Klassentreffen, neue Urlaubsfotos und Solidaritätsappelle (Tibet? Iran!).
Der Irrtum vieler älterer oder neuer Nutzer
Auf alles kann, auf nichts muss reagiert werden - das war wohl der Irrtum von Bill Gates, das ist der Irrtum vieler älterer oder neuer Nutzer. Vor allem muss man nicht sofort reagieren. Es gibt zwar Leute, die sich beschweren, wenn ihre Neuigkeiten nicht gleich gewürdigt werden. Aber die kann man sich erziehen, mit penetranter Langsamkeit.
Nicht zu viele Freunde. Die zweite Regel (erledigt sich manchmal schon durch Befolgen der ersten Regel). Bill Gates soll sich beschwert haben, dass er von mehr als zehntausend Leuten bedrängt wurde. Jeden Fall einzeln zu prüfen, sei zu stressig gewesen. Nun hat kein vernünftiger Mensch eine auch nur dreistellige Zahl echter Freunde, und dennoch fällt die Entscheidung über die abgespeckte Internetvariante vielen schwer.
Dabei lassen sich leicht ganze Gruppen ausgrenzen. Berufliche Kontakte, zum Beispiel, sind in einem privaten Portal wie Facebook tabu. Andernfalls steckt man irgendwann in der Situation, Bürodinge mit jemandem besprechen zu müssen, der weiß, dass man im Kino weint oder unter Klaustrophobie leidet.
Weniger eindeutige Fälle sind sympathische Kollegen, entfernte Verwandte und ehemalige Mitschüler. Da taucht plötzlich nach Jahren eine Anfrage auf, deren Absender einem nur noch ganz entfernt bekannt vorkommt - die aber so schön hölzern formuliert ist ("Alter Klassenkamerad!"), dass man wie automatisch auf Bestätigen drückt. Es folgen zwei, drei Beruf/Wohnort/Familie-Mails. Und das war's.
Auf der nächsten Seite: Was die Regeln drei bis sechs besagen.
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- Facebook Gates wieder offline 26.07.2009
- Online-Netzwerke Der entblößte Mensch 19.07.2009
- Soziale Netzwerke Communities wollen Schüler schützen 11.03.2009
- Nutzerprofile bei Facebook Löschen wieder erlaubt 18.02.2009
- Nutzungsbedingungen von Facebook Für immer online 17.02.2009
dass Sie so gut Bescheid wissen. Vielleicht sollten Sie Politiker werden...
unbedingt die rechte Socke Michael Klonovsky als Beispiel für gelungene Aphorismen heranziehen ?
Es sind keineswegs nur "Doofe" in sozialen Netzwerken unterwegs. Wer so etwas pauschal unterstellt, der ist ... naja aufklärungsbedürftig. :-)
Tatsächlich gibt es diesen Bedarf aber wirklich für eine breite Schicht der Bevölkerung. Gestern sah ich den Podcast der NDR-Sendung "Extra 3" zum Thema "Datenschutz".
Eine Fußgängerin übereignete ohne größeren Widerstand dem Reporter alle Informationen, Name, Adresse, Kontonummer, PIN der EC-Karte (!) und ließ ihn hiernach sogar zuhause vorbei kommen und alle Versicherungs- und Kundennummern aufschreiben. Sozusagen der totale Striptease.
Im Weggehen sagte der Reporter auch nochmal: "Okay, Ihre Daten sind jetzt bei uns analog gesichert. Geben Sie sie aber nie raus!" Daraufhin die Passantin: "Nein, würd ich niemals tun!"
Das ist leider kein Einzelfall, viele *wollen* gar kein Bewusstsein dafür entwickeln, weil es anstrengend ist. Außerdem ist es doch praktisch, wenn die letzten Partybilder einfach "bei Facebook reingestellt" werden können und alle (ja, alle) sie sehen können.
Sicherheit muss oft mit Bequemlichkeit bezahlt werden. Menschen sind einfach zu bequem.
Wenn die von Ihnen postulierten "Doofen" durch Facebook abgehalten werden, Ihr von Ihnen postuliertes revolutionäres Potential zu nutzen, ist es immer noch besser als wenn sie dies täten, wie man unschwer an 1933 erkennen kann. :-)
Venceremos
Bei Facebook, Twitter und anderen Social Netzwerken machen in der Regel nur die Doofen mit - sowie die, die sich davon Buiness-Vorteile versprechen...
...gleichzeitig geht eine komplette Gesellschaft den Bach runter, weil die genannten "Doofen" ihre Zeit für Dreck verschwenden, anstatt sich politisch-gesellschaftlich zu engagieren, damit denen, die das Land aus lauter Gier heruntergewirtschaftet haben, endlich das Handwerk gelegt wird.
Paging