SZ: Sie haben Facebook in Harvard gegründet. Hatten Sie eine gute Zeit an der Universität?
Anzeige
Zuckerberg: Ich habe dort tolle Leute getroffen. Viele meiner Mitstudenten - aber auch Dozenten - waren die ersten Leute, die ich eingestellt habe, als ich mit Facebook nach Palo Alto zog. Unter den ersten 50 Mitarbeitern finden sich extrem viele Havard-Leute. Und wir versuchen, diesen Spirit immer noch zu erhalten: Unsere Firma soll wie ein Uni-Campus sein, es gibt überall solche Gruppenräume und weiße Tafeln. Und wer eine Idee hat, schreibt sie drauf.
SZ: 2007 waren Sie beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos. Welche Erkenntnis haben Sie dort gewonnen?
Zuckerberg: Dass die Menschen, die dort sind, die Welt wirklich zum Guten verändern wollen. Es ist ja ein normaler Reflex, den großen Firmen zu unterstellen, dass es ihnen nur ums Geld geht. Aber das könnte nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein. Die meisten Unternehmer, die ich dort getroffen habe, betrachten ihre Firma eher als ein Mittel, die Welt zu verändern.
SZ: Als Sie nach der Firmengründung Risikokapitalgeber wie Sequoia Capital um größere Summen bitten mussten - kein Zittern in der Stimme?
Zuckerberg: Nein. Denn es ist ja nichts Schlimmes, jemanden um Geld zu bitten. Man muss sich nur klarmachen, dass es dabei nicht um einen selbst geht. Es geht darum, sich in den anderen hineinzuversetzen und zu überlegen, was man ihm für das Geld bieten kann, das man von ihm will. Bei Werbekunden wäre das zum Beispiel eine interessante und gut definierte Zielgruppe.
SZ: Sie werden oft mit Microsoft-Gründer und Harvard-Dropout Bill Gates verglichen.
Zuckerberg: Nein, Bill Gates ist ein sehr begabter Mensch. Aber es gibt viele Menschen, die sehr talentiert sind - und nicht alle gründen Firmen. Manche werden Ärzte und ändern so die Welt.
SZ: Wie gehen Sie mit Neidern um?
Zuckerberg: Das ist schon in Ordnung. Ich versuche, das zu ignorieren.
SZ: Wenn man Artikel über Sie liest, steht in jedem einzelnen, dass Sie mal eine Visitenkarte hatten, auf der "I'm Ceo ...bitch!" stand.
Zuckerberg: Das war ein Witz. Freunde haben diese Karten für mich gemacht, und ich habe eine einzige davon einem amerikanischen Journalisten gegeben. Aber solche Geschichten verselbständigen sich dann. Seitdem weiß ich, dass Humor und Visitenkarten nicht gut zusammenpassen. Ich habe inzwischen gar keine Karte mehr. Wenn man ehrlich ist, braucht man keine.
SZ: Ist es eigentlich schwierig, als Milliardär angemessene Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke für Freunde und Familie zu finden?
Zuckerberg: Es ist ein großes Missverständnis, dass wir bei Facebook alle steinreich sind.
SZ: Nicht alle, aber zumindest Sie. Ihnen gehört ja rund ein Drittel der Firma.
Zuckerberg: Aber niemand weiß doch, was diese Anteile wert sind! Wir gehen erst mal nicht an die Börse, dieses Geld ist also nicht real. Ich habe es also nicht. Im Moment mache ich mir deshalb auch keine großen Gedanken ums Geld. Ich lebe in einem kleinen Apartment, habe bis vor kurzem auf einer einfachen Matratze auf dem Fußboden geschlafen. Ich fühle mich nicht reich.
SZ: Sie sind mit drei Schwestern in der Nähe von New York aufgewachsen - was mögen Sie am meisten an Ihrer Familie?
Zuckerberg: Dass meine Schwestern wieder in meiner Nähe leben. Die eine arbeitet inzwischen mit mir bei Facebook, eine andere studiert in Kalifornien - das ist toll.
SZ: Aber für jemanden, der so wie Sie das Internet empfiehlt, um in Kontakt zu bleiben, durfte dass doch eigentlich keinen Unterschied machen, wo jemand lebt, oder?
Zuckerberg: Teils, teils. Meine dritte Schwester lebt ja noch an der Ostküste, ebenso meine Eltern. Aber auch die haben sehr schnell angefangen, Facebook zu benutzen, und seither kommunizieren sehr viel darüber. Ich sehe ihre Updates, welche neuen Bilder sie hochgeladen haben und so weiter. Ich kriege wirklich viel mit, was in ihrem Leben so passiert.
Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2
- Facebook-Chef Mark Zuckerberg Ich wollte nie eine Firma gründen 09.10.2008
- StudiVZ "100 Prozent datenschutzkonform" 18.02.2008
- Facebook vs. StudiVZ Original verklagt Kopie 21.07.2008
- Social Communitys & Co. Copy & Paste 04.11.2008
(SZ vom 19.11.2008/heh/mri)
Vor dem ESC-Finale in Aserbaidschan
Ich sehe das ganz genau so! Und gegenüber dem "Konkurrenten" (oder Plagiat, wie mans nimmt) StudiVZ hat Facebook den eindeutigen Vorteil, dass es international ist. V.a. wenn man viele Freunde im Ausland hat. Es eignet sich auch toll, um Treffen und Events zu organisieren. Man kreiert einfach ein Event und jeder kann sehen, wer eingeladen ist, wer kommt, man kann Kommentare schreiben und Fotos dazu hochladen. Also von wegen Internetkommunities als Ersatz für echte zwischenmenschliche Kontakte. Ich lerne durch Facebook nicht mehr Menschen kennen, es hilft aber dabei, mit diesen Menschen hinterher Kontakt zu halten. Und das sind mir die meisten dieser Menschen wert.
Im Moment hat Facebook auch noch einen ganz anderen Nutzen für mich: Mein Handy ist neulich kaputt gegangen und alle Nummern sind futsch. Da ist Facebook sozusagen mein Back-Up-Kontakt.
Der Zuckerberg ist mir prinzipiell auch egal, aber er macht, wie ich finde, im Interview einen recht sympathischen Eindruck.
Zuckerberg ist mir egal, aber Facebook ist echt nett. Zwar sind 90% der Apps dort blödsinnige Spielereien, aber 3, 4 gefallen mir echt gut. Fotos kommen bei mir auf Flickr, Reisen werden bei Dopplr reingestellt, Microgebloggt wird bei Twitter, und alles läuft bei Facebook zusammen.
Natürlich gibt man da schon einige Infos über sich ein, aber ich bekomme ja auch einen echten Gegenwert: Ich kriege mit, was die Leute machen, denen ich nicht gerade wöchentlich telefonieren. Und sehen können es nur die Leute, für die ich es freigegeben habe (außer Facebook natürlich). Mein zukünftiger Chef wird wohl eher nicht darunter sein, auch wenn ich da eigentlich nichts drin stehen habe, was irgendwie peinlich wäre.
Ich kann jedem nur diesen Artikel empfehlen:
.guardian.co.uk/technology/2008/jan/14/facebook
Auszug:
"Facebook's most recent round of funding was led by a company called Greylock Venture Capital, who put in the sum of $27.5m. One of Greylock's senior partners is called Howard Cox [...], who is also on the board of In-Q-Tel. What's In-Q-Tel?
Well, believe it or not [...], this is the venture-capital wing of the CIA.
After 9/11, the US intelligence community became so excited by the possibilities of new technology and the innovations being made in the private sector, that in 1999 they set up their own venture capital fund, In-Q-Tel, which "identifies and partners with companies developing cutting-edge technologies to help deliver these solutions to the Central Intelligence Agency and the broader US Intelligence Community (IC) to further their missions"."
Zitat:
------------
SZ: Man hört, sie besäßen keinen Wecker?
Zuckerberg: Das stimmt. Entweder ich wache von selbst auf oder die Leute aus der Firma rufen mich an und wollen etwas von mir wissen.
---------------
Ich geh mal davon aus, seine Angestellten wollen dann wissen, wann der Chef endlich ins Büro kommt. Er hat also doch einen Wecker, nämlich seinen Personal-Wecker ;-)