EU-Kommission gegen Microsoft Millionenstrafe für schlechte Software

Das harte Vorgehen der EU-Kommission gegen Microsoft ist richtig. Mit dem Internet Explorer hat das Unternehmen seinen Kunden unsichere, langsame und instabile Software zwangsverordnet.

Ein Kommentar von Johannes Boie

Vieles von dem, was einem im Windows-Universum begegnet, ist rätselhaft. Das größte Rätsel aber ist jenes Fenster, das sich auf einem neuen Windows-Rechner öffnet: "Wählen Sie Ihren Webbrowser" steht da und dann soll man aussuchen, ob man mit dem Internet Explorer oder einem Konkurrenzprodukt wie zum Beispiel Google Chrome oder Mozilla Firefox im Internet surfen möchte. Das hat sich die EU-Kommission ausgedacht, die in der Regel mit demselben Gespür in Märkte eingreift, mit dem Microsoft Software herstellt. Doch hier hat sie ausnahmsweise nicht in einem funktionierenden Markt ordnungspolitisch herumgepfuscht, stattdessen hat sie Wettbewerb ermöglicht, wo es an Konkurrenz mangelte.

Dass es soweit kommen konnte, liegt auch am Unwissen der Nutzer. Den allermeisten ist es egal, mit welchem Browser sie surfen; und dass die EU sie zu einer Meinung drängt, nervt sie. Diese Haltung war es, die Microsoft auch im Browserbereich zum Marktführer gemacht hat. Vor der Zwangsverordnung der EU, lief auf Windows-Rechnern stets der Microsoft-Browser Internet Explorer, die besseren Konkurrenzprodukte musste sich jeder Nutzer erst selbst besorgen. Diese Mühe haben sich nur wenige Profis gemacht.

Der Explorer aber war über viele Jahre unsicher, das hat die persönlichen Daten der Nutzer, zum Beispiel beim Online-Banking, gefährdet. Er war langsam und instabil und damit schlicht schlechte Software; außerdem war er Explorer so miserabel programmiert, dass er ganze Entwicklungsstufen im Netz verhindert hat, weil er neue und besonders ambitioniert programmierte Webseiten oft nicht anzeigen konnte.

Erfolg hat viele Fenster

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Gleichzeitig wurden Browser in den letzten Jahren immer wichtiger, heute schalten viele Menschen den Rechner nur noch an, um zu surfen. Diese Hauptbeschäftigung verdient sichere, funktionale Software. Deshalb war das von der EU verordnete Fenster zur Wahl eines Browsers eine gute Idee, auch wenn es hässlich aussah. Dass Microsoft es in einem wichtigen Update entfernte, führte dazu, dass andere Browser erneut wesentlich seltener verwendet wurden. Das hat die EU-Kommission zu Recht mit einer hohen Strafe geahndet.