Eröffnung der Cebit 2013 Merkel wirbt für Gründungskultur

Vielverspechende Ideen besser fördern - bei ihrer Eröffnungsrede hat sich die Bundeskanzlerin für bessere Bedingungen von Start-ups ausgesprochen. Gemeinsam mit dem polnischen Permier Tusk hat Merkel die weltgrößte Computermesse in Hannover eröffnet. Der Star der Feier war aber Mars-Roboter Bridget.

Der offizielle Startschuss für die weltgrößte Computermesse Cebit ist gefallen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der Premier des diesjährigen Partnerlandes Polen, Donald Tusk, eröffneten die Leistungsschau der Branche am Montagabend in Hannover.

Merkel warb in ihrer Rede vor rund 2500 Gästen im Kongresszentrum der Landeshauptstadt dafür, den rasanten Wandel in der IT-Welt mit dem richtigen politischen Rahmen zu unterstützen, um global den Anschluss nicht zu verpassen. So reichten Maschinenbau und Autoindustrie allein nicht aus, um hierzulande das Wachstum der Zukunft zu sichern. Vielversprechende Ideen müssten besser gefördert werden.

"Wir müssen aufpassen, dass wir eine wirkliche Gründungskultur entwickeln. Das sage ich nicht nur für Deutschland, sondern das sage ich für die gesamte Europäische Union", meinte Merkel. Es sei zuletzt viel für die Rettung des Euro getan worden, nun müsse die Konjunktur wieder anspringen. "Wir haben noch nicht ganz die Antwort, wo das Wachstum denn genau herkommen soll. Die IT-Branche ist mit Sicherheit eine Möglichkeit", sagte die Kanzlerin und sprach sich für gleiche Gründungsbedingungen von kleinen Start-Ups in der Branche aus.

Wachsende Ansprüche an die Verfügbarkeit

Es gehe darum, ein Klima zu fördern, in dem die Ansiedlung von Firmen nicht mit der Bürokratie stehe und falle, sondern mit der Frage: "Wo sind die neugierigsten Menschen und wo sind die bestausgebildetsten Leute?" Nur so gelinge es, am gesamten Wachstum der Welt teilzuhaben.

Zudem forderte Merkel bei neuen technischen Entwicklungen auch auf die Einhaltung sozialer Standards zu achten. Mittlerweile sei es durch technische Neuerungen möglich, "dass die individuellen, sich ständig ändernden Bedürfnisse des Menschen unentwegt und unmittelbar befriedigt werden können", sagte die Kanzlerin. Diese Entwicklung werde "auch massiv unsere Arbeitszeit verändern". "Die Ansprüche an die Verfügbarkeit von Menschen" würden wachsen.

Sie wolle dies nicht schlecht machen, betonte Merkel. Es sei aber wichtig, die "Bedürfnisse der Individuen zusammenbringen mit sozial verträglichen Arbeitsbedingungen". Merkel verwies auf Vorwürfe gegen den Internethändler Amazon wegen des Umgangs mit Mitarbeitern. "Begeistert von Amazon entdecken wir plötzlich, dass natürlich im Weihnachtsgeschäft auch viele Menschen mehr Bücher haben wollen, also die Arbeitsverhältnisse für diejenigen, die die Bücher verpacken müssen, auch ganz andere sind", sagte sie. Darüber müsse debattiert werden.

"Keine Abstriche bei der Sicherheit"

Für Aufsehen sorgte der Chef des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, Thomas Enders. Er präsentierte den Mars-Roboter "Bridget", an dem die EADS-Tochter Astrium mit der europäischen Raumfahrtagentur ESA arbeitet. Enders kritisierte, die Innovationen aus der Industrie hielten zu oft nicht mehr Schritt mit denen der IT-Branche. Es wachse eine Kluft, Industriezweige wie etwa die Raumfahrt fielen leicht zurück. "Wenn Bridget im Jahr 2018 zum Mars aufbricht, wird sich die Computerleistung im Vergleich zu heute verdreifacht haben", sagte Enders. "Ihr Rechner wird dann dreißig Jahre alt sein."

Als Gegenmittel warb Enders unter anderem für einen intensiveren Austausch der Branchen. Wenn heute die Behörden begännen, ein neues Flugzeug auf seine Sicherheit zu prüfen, werde die Software von diesem Tag an auf ihrem bisherigen Stand eingefroren. "Wir müssen das Tempo der Innovationen erhöhen, ohne bei der Sicherheit Kompromisse zu machen", skizzierte Enders einen denkbaren Ausweg.

Schwerpunkt der Hightech-Messe ist diesmal das Teilen von Wissen, Ressourcen, Gegenständen und Erfahrungen mit Hilfe des Internets. Mit knapp 4100 Ausstellern ging die Zahl der teilnehmenden Unternehmen in diesem Jahr zwar um mehr als 100 zurück, im Vergleich zur früheren Einbrüchen blieb die Zahl aber relativ stabil. Für das Publikum öffnet die Cebit von diesem Dienstag bis zum Samstag auf Hannovers Messegelände.