Fake News Student will Falschmeldungen auf Facebook entlarven

Anant Goel, 18, (l.) studiert Informatik im ersten Semester an der Purdue University in West Lafayette, Indiana. Mit Freunden hat er ein Programm entwickelt, das Fake News erkennt.

(Foto: Privat)

Mark Zuckerberg steht unter Beschuss, weil er zu wenig gegen Fake News unternimmt. Der 18-jährige Anant Goel hat gemeinsam mit Kommilitonen eine Software entwickelt, die automatisch Fakten checkt.

Interview von Thomas Feiler

Seit der US-Wahl wird viel über den Einfluss von gefälschten Nachrichten auf das Ergebnis diskutiert. Erst am Samstag hat Facebook-Chef Mark Zuckerberg angekündigt, stärker gegen "Fake News" vorgehen zu wollen. Vier College-Studenten sind da schon weiter: Bei einem Programmier-Workshop an der Uni in Princeton haben sie "FiB - Stop living a lie" entwickelt, eine Software, die Fake News auf Facebook erkennt und dem Nutzer einen Link zur korrekten Meldung anbietet. Einer der Entwickler ist der 18-jährige Anant Goel.

SZ: Herr Goel, wie erkennt Ihr Programm, was eine Lüge ist?

Anant Goel: Zuerst bewertet die Software die Quelle des Artikels. Wir haben eine Liste mit vertrauenswürdigen Quellen angelegt. Darin stehen Medien, die ihre Informationen üblicherweise überprüfen - wie die New York Times. Danach wird der Inhalt geprüft.

Wie geht das?

Die Software sortiert Meinungsäußerungen aus, um die Tatsachenbehauptungen in einem Artikel freizulegen. Dann sucht sie nach anderen Artikeln über das gleiche Thema, um zu prüfen, ob die Behauptungen zutreffen. Dafür und für seriöse Quellen vergeben wir sogenannte Wahrheitspunkte. Ab einem gewissen Schwellenwert ist der Link verifiziert. Wenn er die Schwelle nicht erreicht, wird er als Fake gekennzeichnet.

Müsste das Programm dann nicht auch Lügen für die Wahrheit halten, wenn sie im Internet nur oft genug wiederholt werden?

Nein, weil es ja immer noch die gleiche Lüge wäre, nur auf verschiedenen Kanälen verbreitet. Unser Programm würde das erkennen und nach anderen Quellen suchen.

Sie haben nur 36 Stunden gebraucht, um die Software zu programmieren. Wenn das so schnell geht, könnte Facebook das dann nicht auch machen?

Na ja, unser Projekt haben wir ja in einem kleineren Rahmen entwickelt. Würde Facebook so etwas machen wollen, wäre der Aufwand viel größer, man bräuchte viele Techniker. Außerdem hat Facebook Richtlinien: Leute können im Prinzip posten, was sie wollen. Würde Facebook Fake News unterbinden, würde das nach aktuellem Stand den eigenen Richtlinien widersprechen.

Wollen Sie die Software noch weiterentwickeln, oder ist das Projekt abgeschlossen?

Wir wollen sehr gerne weiter daran arbeiten. Als Nächstes möchten wir eine Funktion programmieren, die den Nutzer warnt, wenn er dabei ist, einen Link zu einem gefälschten Artikel oder einem manipulierten Foto zu posten. Aber gerade haben wir Prüfungen an der Uni und darum nur wenig Zeit. An den Thanksgiving-Feiertagen wollen wir weitermachen.

Hat sich von Facebook jemand gemeldet, um mit Ihnen über das Programm zu sprechen?

Bis jetzt nicht.

Kann jeder sich die Software runterladen?

Nachdem wir vor ein paar Tagen das Projekt vorgestellt hatten, ist erst einmal der Server zusammengebrochen, so viele Leute wollten das Programm herunterladen. Microsoft hat uns angeboten, ihre Server zu nutzen. Jetzt müsste es also wieder gehen.

Hier finden Sie das Projekt bei Github. "FiB - Stop living a lie" gibt es auch als Erweiterung für den Chrome-Browser.