Entwicklerkonferenz "f8" Facebook durchdringt das mobile Internet

Facebook-Chef Mark Zuckerberg während seiner f8-Keynote in San Francisco.

(Foto: Bloomberg)

Ein eigenes Werbe-Netzwerk, direkte Links in Apps und Gefällt-mir-Knöpfe für mobile Anwendungen: Auf der Entwicklerkonferenz "f8" zeigt Mark Zuckerberg, dass Facebook alles auf die Smartphone-Zukunft setzt - und dort auch Google gefährlich wird.

Von Johannes Kuhn, San Francisco

Mit 10 Jahren wird Facebook erwachsen - oder sagen wir besser: die Marketing-Sprache des Unternehmens. Das Firmenmotto "Bewege dich schnell, mach' Sachen kaputt" sei Geschichte, erklärte Gründer-Chef Mark Zuckerberg auf der Entwicklerkonferenz "f8" in San Francisco. "Bewege dich schnell mit einer stabilen Infra(struktur)" sei zwar nicht so eingängig, aber es helfe bei der Produktentwicklung.

Facebook als verlässliche Plattform mit dem "Menschen im Fokus", wie Zuckerberg ankündigte, das klingt für den digitalen Identitätsdienst wie ein passendes Narrativ. Doch die Neuerungen, die sein Unternehmen vorstellte, zeigen vor allem eines: Facebook hat die Mobilnutzung über Smartphones und Tablets in den Mittelpunkt seiner Anstrengungen gestellt.

Die wichtigsten Ankündigungen im Überblick:

Nutzer erhalten mehr Kontrolle: Wer sich bei einem Portal oder einer Facebook-Anwendung anmeldet, darf künftig selber entscheiden, welche Daten er preis gibt - bislang musste er der Übermittlung von Informationen "im Paket" zustimmen. "Wir wissen, dass die Menschen Angst haben, diesen blauen Knopf zu drücken", sagte Zuckerberg in Anspielung auf die Facebook-Login-Funktion auf fremden Seiten. Ob diese Drittanbieter künftig neben dem Namen auch Daten wie den Geburtstag, die Freundesliste, Gefällt-mir-Angaben oder die E-Mail-Adresse sehen können, liegt nun in der Hand der Nutzer.

Anonymität im Facebook-Stil: Facebook-Nutzer können sich künftig anonym bei Anwendungen von Drittanbietern anmelden. Diese erhalten dann keine Informationen über die Identität. Allerdings bedeutet das keine komplett Anonymität: Facebook selbst weiß, um wen es sich handelt. "Wir geben die Daten nicht an Drittanbieter weiter", verspricht Facebook-Produktmanager Simon Cross im Gespräch mit Süddeutsche.de und beruhigt Entwickler, die nun nicht mehr so einfach auf den Datenschatz des Unternehmens zugreifen können. "Die Idee ist, dass es möglich ist, Anwendungen erst einmal zu testen und sich später komplett anzumelden." Auch wenn ein Nutzer damit weiterhin seinen Facebook-Datenberg vergrößert, ist die Möglichkeit der (Pseudo-)Anonymisierung ein Novum: Lange Zeit hatte Zuckerberg es abgelehnt, Nutzern das Verschleiern ihrer Identität zu ermöglichen.

Mobiles Werbenetzwerk (Vorsicht, Google und Apple!): Mit dem "Facebook Audience Network" macht das Unternehmen einen weiteren Vorstoß in Sachen mobiler Werbung. Die macht inzwischen etwa 60 Prozent seines Werbeumsatzes aus, bis Ende des Jahres wird das Unternehmen so ein Fünftel des mobilen Anzeigenmarkts erobert haben. Die Idee hinter dem Audience Netzwork: Facebook wird zum Vermittler von Werbeplätzen in Apps und verwendet das Wissen über seine Nutzer, um zielgenaue Anzeigen auszuspielen. Hypothetisches Beispiel: Facebook platziert in einer Navigations-App die Werbung für ein chinesisches Restaurant in der Nähe, weil es über die "Gefällt mir"-Angaben weiß, dass der Fahrer chinesisches Essen mag. Diese gezielten Anzeigen bringen höhere Einnahmen - und machen den bereits existierenden Google- und Apple-Werbenetzwerken im wachsenden Mobil-Segment Konkurrenz.

Direkte Links in Apps: Facebook schnappt sich eine weitere Schnittstelle zwischen dem im Browser aufrufbaren Web und den abgeschlossenen Apps. Bislang war es kaum möglich, einen Link direkt in eine Anwendung zu setzen - zum Beispiel auf einen Song, den ein Smartphone-Besitzer gerade in einem Streaming-Dienst hört. Facebook will das nun mit einem neuen, offenen Standard ändern und die bislang getrennten Welten verbinden. Daten erhält die Plattform dadurch erst einmal nicht, allerdings wächst mit der Verlinkbarkeit im Idealfall die Menge an Informationen, die Internet-Nutzer produzieren und auf Facebook teilen.

Facebook drängt in die Silos: Künftig werden in immer mehr Smartphone- und Tablet-Apps Facebooks "Gefällt mir"-Knöpfe oder sogar blaue Chat-Fenster der Marke auftauchen. Die Idee dahinter: Facebook-Nutzer sollen ohne Umwege die Möglichkeit haben, aus geschlossenen Systemen in das soziale Netzwerk zu kommen und Inhalte zu teilen. Wer künftig zum Beispiel ein Video auf dem Handy sieht, kann - so die Kalkulation von Facebook - direkt darüber mit seinen Freunden chatten. Der Effekt auch hier: Mehr Informationen über die Aktivitäten der Nutzer.

Wie immer bei Facebook stellt sich die Frage, wie viel von den Neuerungen sich letztlich durchsetzen werden. Bereits häufiger stellte das Unternehmen Konzepte vor (Erweiterungen der Status-Meldungen durch Ausdrücke wie "ich lese", Timeline-Anbindung von Apps), die später nicht genutzt wurden.

Allerdings spricht Facebooks wachsender mobiler Werbeumsatz dafür, dass gerade die Nutzung des neuen Facebook-Anzeigennetzwerks bei Entwicklern auf Interesse stoßen könnte - und die gesammelten personenbezogenen Daten seiner Nutzer Facebooks Trumpf im Mobilzeitalter sind.