Mit einer App für iPhone und iPad wollte ein russischer Entwickler Geld für die Enthüllungsplattform Wikileaks sammeln. Doch nach nur zwei Tagen entfernt Apple das Programm - doch Zensur-Anschuldigungen dürften ins Leere laufen.
Sie verschwand so schnell, wie sie gekommen war: Erst am Wochenende erhielt die inoffizielle Wikileaks-App die Zulassung für Apples iTunes-Store, bereits am frühen Dienstagmorgen hat der Konzern das Mini-Programm offenbar schon wieder entfernt.
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Ein russischer Entwickler wollte mit einer App Julian Assange und Wikileaks unterstützen. (© dpa)
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Bei der App für iPhone und iPad handelte es allerdings nicht um ein offizielles Wikileaks-Programm: Der russische Entwickler Igor Barinov hatte die Software nach eigenen Angaben entwickelt, um den Zugriff auf die Wikileaks-Veröffentlichungen zu ermöglichen, auch wenn die Server der Seite über den Webbrowser nicht erreichbar seien. Auch die aktuellen Twitter-Nachrichten von Wikileaks fließen in sie ein. Barinov gab an, einen Dollar des Preises von 1,99 Dollar (Deutschland: 1,59 Euro) an Wikileaks zu spenden. Bereits am Montag hatte er so nach eigenen Angaben 2860 Dollar gesammelt - die meisten Downloads kamen dabei von amerikanischen Nutzern.
Der Entwickler bestätigte die Sperrung inzwischen und gab an, von Apple bislang keinen Grund dafür erfahren zu haben. In den vergangenen Tagen und Wochen hatten verschiedene US-Konzerne Wikileaks die Zusammenarbeit aufgekündigt, unter anderem der US-Onlinehändler Amazon, der die Daten des Unternehmens nicht mehr auf seinen Servern lagert, sowie Finanzdienstleister wie Visa, Mastercard und Bank of America, die keine Spenden an Wikileaks mehr weiterleiten wollen.
Ob Apple nun auf diese Weise vermeiden möchte, in die Wikileaks-Kontroverse hineingezogen zu werden, ist nicht bekannt. Das Unternehmen hat bislang noch keine Stellungnahme zu diesem Thema abgegeben. Bereits in der Vergangenheit war der IT-Konzern wegen seiner undurchsichtigen Zulassungspolitik in Kritik geraten.
Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
Dass Apple-Chef Steve Jobs kein großer Fan kontroverser Anwendungen ist, zeigt eine Begebenheit aus dem Jahr 2008. Damals lehnte der Konzern die iPhone-Applikation "Freedom Time" ab, eine Uhr, die sekundengenau die verbleibende Amtszeit des damaligen US-Präsidenten George W. Bush herunterzählte. In einer E-Mail an den Entwickler erklärte Jobs lakonisch: "Diese App wird etwa die Hälfte unserer Kunden beleidigen. Was ist also der Punkt?"
Allerdings könnten im Fall der Wikileaks-App auch technische Gründe für die Sperrung verantwortlich sein. Auch die Tatsache, dass Entwickler Barinov trotz der Spende an Wikileaks eine durchaus ansehnliche Summe mit der Publizierung fremder Inhalte verdient, könnte die Apple-Verantwortlichen stören.
Durchaus wahrscheinlich ist jedoch, dass die Wikileaks-App gegen Punkt 20 in den App-Store-Zulassungsbedingungen für Entwickler verstößt. Dort ist festgelegt, dass Spenden-Applikationen kostenlos sein müssen und die eigentliche Spende per SMS oder im Browser abgegeben werden muss.
Wie Wikileaks zu der App steht, ist bislang nicht bekannt. Über den Twitter-Account, mit dem die Verantwortlichen in der Regel zeitnah aktuelle Entwicklungen kommentieren, war bislang zur App und deren Entfernung nichts zu lesen.
Update, 13:25 Uhr: Der Twitter-Nutzer @map und unser Nutzer @michli haben uns auf den Spenden-Passus in den Geschäftsbedingungen hingewiesen. Wir haben den Artikel entsprechend ergänzt. VIelen Dank für den Hinweis!
- Bank of America Kein Geld für Wikileaks 18.12.2010
- Netz-Depeschen Ein Leck kommt selten allein 27.12.2010
- Wikileaks Nachlass eines australischen Gastes 27.12.2010
- Assange-Autobiographie Wikileaks-Gründer verkauft seine Lebensgeschichte 26.12.2010
- Wikileaks und Weihnachten Geheimnis und Mysterium 26.12.2010
- Vorwürfe gegen Wikileaks-Gründer Was heißt einvernehmlich? 23.12.2010
- Assange und die anderen Nerds Die Sonderbegabten 22.12.2010
(sueddeutsche.de/joku/mri)
Surfrider Beach in Malibu
Apple betreibt schon länger echte Zensur mit seiner Marktmacht. Die iTunes-Ausgabe einer der größten amerikanischen Zeitungen wird intern "Teheran Daily" genannt.
Mangels Kommentarfunktion in der Bildstrecke: "Aber das Geschäftsmodell ist hier ja auch ein anderes **wie** bei iPad und Co."
Echt? Ist es ein anderes Geschäftsmodell als wie das bei iPad am sein ist?
"Noch etwas fällt mir in diesem Zusammenhang ein: war da nicht ein Präsident, der sagte: "Yes, we can". "
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Gelddrucken ...
Der Weiße Wal schrieb am 21.12.2010 um 11:51 Uhr: "Nur weil man darf und kann, muss man nicht so doof sein, es auch zu tun."
Wie wahr - und zwar nicht nur in Bezug auf Apple und möglicherweise auch Mohammed-Karikaturen. Insbesondere die US-Regierung kann und darf (zumindest aus eigener Sicht), und sie ist so blöd, es auch zu tun. Wie war noch ein Argument, das beim letzten Irak-Krieg auf den Tisch kam: "Because we can". Die USA führten Krieg, weil sie es können. Unglaublich! Und es gibt Menschen, die so etwas akzeptieren!
Noch etwas fällt mir in diesem Zusammenhang ein: war da nicht ein Präsident, der sagte: "Yes, we can". Es ist mir bisher nicht ganz klar, was er meinte. Bei der geballten Dummheit der Amerikaner kann es nichts gutes sein.
Immer Vorsicht bei der Hard und Software aus den USA!
Die Sachen aus den USA haben alle Heimweh!
Ob die Leser der SZ wissen, dass Ihre Mails von den US-Diensten permanent gefiltert werden? "Die NSA hat den Auftrag, die weltweite Telekommunikation aller Art zu überwachen und nach nachrichtendienstlich verwertbaren Informationen zu filtern, diese zu identifizieren, zu sichern, zu analysieren und auszuwerten, um diese entsprechend aufbereitet dem Nationalen Sicherheitsberater der Vereinigten Staaten zur Verfügung zu stellen. Ferner obliegt ihr das nationale Verschlüsselungswesen und der Schutz eigener nationaler Telekommunikationswege einschließlich der Gewährleistung der nationalen Datensicherheit und Funktion des Cyberspace" (wikipedia: National Security Agency). Man muss seine Mails nur mit Bin Laden unterschreiben, schon beginnen die Mühlen zu mahlen. Die ganz Gemeinen schicken ihren guten Freunden anonyme Mails, in denen das Wort Mossad vorkommt. In diesem Zusammenhang ist auch der Verdacht gegen das WINTEL-Imperium zu sehen, dass der Nutzer des Windows-Produkts nicht weiß, was in seiner Maschine und vor allem in deren Ports vorgeht. Auch Apple-Chef Steve Jobs hat sich als treuer US-Bürger zu erkennen gegeben.
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