Elster Was Sie bei der Steuererklärung im Netz beachten müssen

Das Elster-Verfahren des Finanzamtes bietet online schon ausgefüllte Formulare. Klingt nach Zeitersparnis, hat aber Tücken. Einfach unterschreiben reicht nicht.

Von Berrit Gräber

Wer in diesem Jahr erstmals per Internet mit dem Finanzamt abrechnen will, stößt unweigerlich auf sie: die vorausgefüllte Steuererklärung des elektronischen Finanzamts Elster-Online. Sie wird seit 2014 angeboten, soll entlasten, Tippfehler vermeiden und Millionen Steuerbürgern richtig viel Zeit und Mühe sparen. Mit ihrer Hilfe werden Daten direkt vom Finanzamt abgerufen und gleich automatisch ins richtige Formular eingefügt, so das Versprechen. So einfach das auch klingt: Die Formulare dann nur noch zu unterschreiben, reicht trotzdem nicht, warnt Sigurd Warschkow, Jurist und Beratungsstellenleiter beim Verein Lohnsteuerhilfe für Arbeitnehmer in Gladbeck. "Man kann sich nicht 100-prozentig darauf verlassen, dass alles ohne Fehler klappt." Steuerbürger müssten häufig doch wieder auf ihre Papierunterlagen ausweichen, alles akribisch kontrollieren, selbst tippen, nacharbeiten und Ungereimtheiten korrigieren. Wer das nicht macht, haftet für Übermittlungsfehler seines Finanzamts - und verschenkt oft auch noch Steuervorteile.

Die Steuererklärung wird digital - ab 2022

Für den Bürger soll es einfacher und schneller werden. Die Behörden sammeln zugleich aber noch mehr digitale Informationen. Von Cerstin Gammelin mehr ...

Die Elster-Variante sei keine fertige Steuererklärung, gibt auch Christina Georgiadis von der Vereinigten Lohnsteuerhilfe (VLH) zu bedenken. Und das Verfahren senke schon gar nicht automatisch die Steuerlast. Jeder muss nach wie vor selbst seine absetzbaren Aufwendungen auflisten, damit diese auch von der Steuer abgezogen werden können. "Wer hauptsächlich profitiert, ist die Finanzverwaltung", kritisiert Warschkow. "Am Anfang ist das Procedere für die meisten noch etwas schwierig, aber mit der Zeit kann es zur Entlastung werden", sagt Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Neuen Verbands der Lohnsteuerhilfevereine (NVL).

Bis zur Freischaltung können Tage, manchmal Wochen vergehen

Der wichtigste Nutzen bei Elster ist bislang: Wer die vorausgefüllte Variante wählt, erfährt, was das Finanzamt so alles über ihn weiß. Viel schneller oder gar einfacher, wie es die Bezeichnung "vorausgefüllt" suggeriert, klappt es mit der Steuererklärung aber meist nicht. Im Gegenteil. Wer für 2015 erstmals mithilfe der Abruf-Variante abrechnen will, muss sich auf der Internetseite www.elsteronline.de anmelden. Auch wer sich mit Elster bereits auskennt, muss sich registrieren, um Zugang zum Datenabruf zu kriegen. Die zusätzlichen Freischaltcodes kommen dann für Einsteiger per Post ins Haus. Das kostet Zeit. Bis zur Freischaltung können Tage, manchmal Wochen vergehen. Dazu kommt: Die Anmeldung ist recht kompliziert und für viele Bürger eine Herausforderung. So wird ein elektronisches Zertifikat benötigt, und das kostet manchmal auch noch Geld: Soll die Sicherheitsstufe sehr hoch sein, fallen etwa 45 bis 150 Euro an. Zwingend investieren muss aber niemand. Die Signatur in der Basisvariante ist kostenfrei, die Sicherheit hoch, so das Versprechen von Elster-Online.

Wer bereits in den Jahren zuvor die vorausgefüllte Erklärung genutzt hat, spart definitiv Zeit und kann sich mit den alten Daten direkt einklinken - wenn er seine Zugangscodes aufbewahrt hat und sie wieder findet, wie Rauhöft erläutert.