Das E-Buch soll es Autoren ermöglichen, Verlage zu umgehen. Doch es gibt ein Startproblem: Der Leser hängt am Papier.
Amanda Hocking war mal Altenpflegerin. Jetzt ist sie Totengräberin einer ganzen Branche. Die 26-Jährige Amerikanerin schreibt Vampirromane. Ihre Versuche, Literaturagenten für die Werke zu begeistern, scheiterten. Kurzerhand veröffentlichte Hocking daraufhin ihre Bücher selbst in digitaler Form auf Amazon - ohne Verlag, ohne Buchhandel.
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Jeder mit einem E-Book-Lesegerät des Internetkaufhauses kann die Bücher online bestellen. Mehr als ein Dutzend verschiedene Titel hat Hocking über diesen Kanal veröffentlicht, mehrere Millionen Dollar auf diese Weise verdient.
Hocking ist nur ein Beispiel unter vielen - und schreckt den Literaturbetrieb auf. Waren E-Books bislang vor allem ein amerikanisches Phänomen, rechnet der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in diesem Jahr mit einem "Durchbruch" für digitale Literatur hier zu Lande. "Die Wertschöpfungskette innerhalb der Branche wird sich verändern", sagte Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Süddeutschen Zeitung. Mit anderen Worten: Kein Stein bleibt auf dem anderen.
Noch sind digitale Bücher ein Nischengeschäft. Der E-Book-Umsatz entspricht einem Anteil von nur 0,5 Prozent oder einem Zweihundertstel der gesamten Erlöse mit Büchern in Deutschland.
Gerade mal 21,2 Millionen Euro wurden im vergangenen Jahr in Deutschland mit E-Books umgesetzt, Schul- und Fachbücher ausgenommen. Vergleichszahlen fehlen. Der Börsenverein hat die Zahlen jetzt erstmalig für das Segment erhoben und am Montag veröffentlicht.
Jedes zehnte Buch ist digital
In den Vereinigten Staaten gibt es solche Marktstudien schon länger. Laut Association of American Publishers legte dort das Geschäft mit elektronischer Literatur im vergangenen Jahr um 164 Prozent auf 441 Millionen Dollar zu. Beinahe jedes zehnte Buch wird in den Staaten gemäß der Zahlen des Verleger-Verbandes schon in digitaler Form ausgeliefert.
Für Deutschland rechnet der Börsenverein nun mit einer ähnlichen Entwicklung. "Der Markt für E-Books wird sich in diesem Jahr formieren, so dass wir in einigen Jahren deutliche Umsätze erwirtschaften können", erklärt Börsenverein-Chef Skipis. Die Verleger schätzen, dass E-Books in vier Jahren 16 Prozent aller Buchverkäufe ausmachen. Der Buchhandel ist pessimistischer: Er geht davon aus, dass 2015 nur neun Prozent der Erlöse aus dem digitalen Verkauf stammen.
Die Diskrepanz ist durch Autoren wie Hocking zu erklären. Wer sein E-Book auf einer elektronischen Plattform kauft, braucht keinen Buchhändler. Mehr als die Hälfte der befragten Ladenbesitzer rechnet deshalb bis 2015 auch mit Umsatzrückgängen.
Neun Prozent stellen sich sogar auf einen Einbruch des Geschäfts von einem Viertel der heutigen Umsätze ein - oder mehr. "Dem Buchhandel muss es gelingen, die Kunden, die heute zu ihm in den Laden kommen, auch virtuell an sich zu binden", sagt Skipis.
Gegen die Großen im Netz zu bestehen, wird für den Buchhändler von nebenan aber kein einfaches Unterfangen. Der Computerhersteller Apple, der Web-Händler Amazon oder der Suchmaschinenbetreiber Google: Die US-Konzerne betreiben E-Book-Läden im Netz und bringen die Erfahrungen aus den Vereinigten Staaten mit.
Die Drei haben schon anderen Branchen das Fürchten gelehrt, der Musikindustrie beispielsweise, deren Geschäftsmodell im vergangenen Jahrzehnt kollabiert ist. In den USA verkauft nun niemand - auch offline - mehr Musik als Amazon. Bange machen gilt nicht: "Alles, was dem Buch dient, ist erstmal gut", erklärt daher der Börsenverein-Hauptgeschäftsführer.
Werden Verlage überflüssig
Bei der Aussicht auf den Boom gibt es noch ein ganz anderes Problem. Den Kunden. Der Deutsche liebt das gedruckte Buch. 82 Prozent kaufen Bücher am liebsten auf Papier, ein Anstieg sogar gegenüber einer Umfrage von 2009. Nur zwei Prozent mögen es elektronisch.
Vor allem leicht zu bedienende Tabletcomputer wie das iPad von Apple wie dem einfachen Kauf eines Buches im iBook-Store sollen die Hürde Kunde nehmen. Zudem rechnet Skipis mit Preissenkungen für E-Books, wenn sich die Investitionen der Verlage erst mal ausgezahlt haben.
Das günstigste Buch von Internet-Bestseller-Autorin Hocking kostet nicht einmal einen Dollar. Zur Millionärin hat sie der Online-Vertrieb ihrer Bücher wegen der schieren Massen trotzdem gemacht.
Als Totengräberin sieht Skipis das Geschäftsmodell Hocking trotzdem nicht. "Natürlich können Autoren ihre Bücher selbst ins Netz stellen, aber damit ist es nicht getan", sagt er. "Lektorat, Herstellung, Positionierung im Markt - das wird immer eines Verlages bedürfen."
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(SZ vom 15.03.2011/joku)
sie zahlen nur ungern dafür. - Wir haben gerade die Studie "Gutenberg 3.0 – Ebook-Piraterie in Deutschland" veröffentlicht (die man sich unter http://abuse-search.com/news.html kostenlos herunterladen kann), und ein Befund ist, dass der legale Markt hier tatsächlich unterentwickelt ist (u. a. wegen DRM, kaum vorhandenem Angebot, Benutzerunfreundlichkeit der vorhandenen Portale, überzogene Preise), ihm aber ein gigantischer "illegaler" "Markt" (kein DRM, riesiges Angebot, sehr benutzerfreundlich, umsonst) gegenübersteht. In den USA verkaufen sich Ebooks bestens, und ich sehe prinzipiell keinen Grund, warum das hier nicht auch so sein könnte.
"In den USA verkauft nun niemand - auch offline - mehr Musik als Amazon."
Sie meinten wohl Apple mit iTunes?
Quelle: http://www.npd.com/press/releases/press_100526.html
Mich als ausgesprochenen Vielleser (Belletristik) haben die E-Book Reader schon längst überzeugt. Gerade die E-Ink Technologie macht das Lesen äußerst angenehm, da nehm ich gerne für in Kauf, dass er außer Bücher anzeigen sonst nicht (viel) kann. Mein Bücherregal dankt es mir und ebenfalls meine Handtasche, die jetzt deutlich leichter geworden ist. Und wenn man nicht gerade beim großen Fluß einkauft ist man auch nicht an einen bestimmten Händler gebunden. Ich kann Bücher kaufen, bei wem ich möchte, mein Gerät kann sie öffnen. Ein riesiger Nachteil liegt beim nervigen Kopierschutz und finanziell "lohnen" tun sich die Dinger auch noch nicht. Aber missen möchte ich meinen Reader trotzdem nicht mehr.
Bislang haben sich Verleger und Hersteller von E-Book-Lesegeräten zu sehr darauf versteift, für sich ein Monopol zu schaffen und die totale Kontrolle über das Gerät und die darauf gezeigten (oder eben auch nicht gezeigten) Inhalte zu schaffen. Wer die elektronischen Bücher verschiedener Verlage/Hersteller lesen will muss sich im dümmsten Fall sogar mehrere Geräte anschaffen und mit sich herum schleppen.
Diese Gängelung lasse ich mir nicht bieten, zumal ein E-Book-Reader auch noch eine ansehliche Stange Geld kostet. Wer einmal die Freiheiten des Internets kennen gelernt hat, der lässt sich nicht so einfach wieder in die alte Zwangsjacke der Mediengiganten stecken.
Apple hat mit dem iPad inzwischen zwar ein Gerät im Angebot, das deutlich mehr kann als die üblichen E-Book-Reader. Aber auch hier ist die Diktatur Apples über die Inhalte ein absolutes Kaufhindernis für ein ansonsten recht nettes Spielzeug, das auch einigen praktischen Nutzen aufweisen kann.
Als Fan der größten ScFi-Serie der Welt, lese ich diese natürlich als epub-eBook. Ein (kleiner) Berliner Onlinehändler hat sich hier auf DRM freie eBooks spezialisiert und wird dafür mit hohen Kundenzuwächsen belohnt! Die Werbung dafür wird über Foren betrieben. Jeder Verlag, der die Macht des Internets unterschätzt (Foren, Twitter, Facebook, ...) ist von der Realität weit entfernt.
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