Ein Jahr Google-Panoramadienst in Deutschland Mancher Bürger wünscht Entpixelung

Inzwischen, so Google-Sprecherin Wagner, würde mancher Bürger sein Haus sogar gerne entpixeln lassen. Das ist aber nicht möglich - der Konzern hatte den deutschen Datenschützern zugesichert, auch das Rohmaterial unkenntlich zu machen. Weil es sich bei dem Street-View-Kompromiss um eine freiwillige Vereinbarung, nicht um ein Gesetz handelt, sind viele rechtlichen Fragen ungeklärt.

So sieht Street View Deutschland

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Der Einspruch eines einzigen Mieters genügt, um ein ganzes Gebäude verpixeln zu lassen - was aber, wenn der Vermieter dagegen ist oder ein neuer Eigentümer sein Gebäude gerne im Internet zeigen würde? Klagen zu solchen Fällen sind bislang nicht bekannt. Das prominenteste Urteil zu Street View fällte im März das Kammergericht Berlin, als es die Kamerafahrten grundsätzlich für zulässig erklärte.

Die Weiterentwicklung der deutschen Street-View-Variante scheint Google wegen der engen Reglementierung zu aufwendig. Man habe derzeit keine Pläne, weitere deutsche Städte bei Street View zu präsentieren, heißt es.

Zwar waren in diesem Jahr Kameraautos auf deutschen Straßen unterwegs, diese sollten aber einzig dafür sorgen, den Kartendienst Google Maps auf dem neuesten Stand zu halten und die Routenplanung zu aktualisieren.

Neue Funktionen kommen anderswo

Anderswo macht der Suchkonzern hingegen immer mehr Informationen bei Street View zugänglich: Seit kurzem können Nutzer virtuell in sechs Parks von Madrid bis Tokyo per Street View spazieren gehen, Google schickte zu diesem Zweck Kamerafahrräder los. In Kalifornien erlauben erste Geschäfte und Restaurants testweise den Street-View-Rundgang durch die Inneneinrichtung.

Die Idee dahinter: Mögliche Kunden können sich Ambiente und Sortiment schon einmal auf dem Rechner ansehen, bevor sie einem Laden einen persönlichen Besuch abstatten. Die Inhaber könnten ihre Google-Anzeigen mit einem solchen virtuellen Rundgang anreichern, mittelfristig könnte Google auch die Online-Reservierung eines Tischs oder die Vorbestellung eines Produkts abwickeln.

In Deutschland dürften solche Szenarien auf absehbare Zeit nicht realistisch sein. Im Gegenteil: Weil viele der Fotos hierzulande aus dem Jahr 2008 stammen, sind im deutschen Street View auch längst verschwundene Bauten wie der Berliner Palast der Republik oder das Kölner Stadtarchiv zu sehen. Das gefürchtete Spionageinstrument aus dem Silicon Valley schrumpft so zu einem Bilderalbum für den nostalgischen Online-Spaziergänger.