Nun ist das Angebot bislang großteils beschränkt auf Teenieliteratur und Actiongeschichten, bei deren Aufbau man eher an Videospiele denkt als an herkömmliche Romane: Ein Held durchläuft verschiedene Levels, kämpft sich Seite um Seite mit einem reichhaltigen Waffenarsenal den Weg frei und wird am Ende belohnt.

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Das aber hat Methode: Für die Firma ist Literatur nur ein Nebenerwerb, das wirkliche Geschäft wird seit zehn Jahren mit Onlinespielen gemacht. So sichert sich Shanda denn auch von vornherein sämtliche analogen und digitalen Nebenrechte an den Texten. Wenn diese dann erfolgreich sind, wird ein gedrucktes Buch, ein Onlinespiel und manchmal auch ein Film aus dem Roman gemacht. Die meisten der Texte werden von Laien geschrieben, die vor allem als Online-Spieler an neuen Plots interessiert sind.

Weniger Zensur

Mittlerweile jagt Shanda aber auch den traditionellen Verlagen gute Autoren ab. Für die ist es aus zweierlei Gründen attraktiv, ihre Sachen online zu publizieren: Wenn sie ihren Text bei einem Verlag einreichen, können sie nur hoffen, dass er die verschiedenen Zensurgremien halbwegs unbeschadet durchläuft.

Im Netz dagegen kann man bislang vieles relativ unkontrolliert veröffentlichen. Außerdem kaufen überhaupt "nur" 20 bis 30 Millionen Chinesen regelmäßig Bücher, Tendenz sinkend. Da bietet Shanda den Autoren einen Ausweg ins gelobte Netz. Obwohl sie die Hälfte ihrer Gewinne an die Firma abgeben müssen, gibt es mittlerweile mehrere Autoren, die über das E-Publishing mehr als eine Million Yuan im Jahr verdienen - rund einhunderttausend Euro.

Die chinesischen Printverlage sehen mehr oder weniger hilflos dabei zu, wie dieses eine Unternehmen quasi über Nacht den Buchmarkt revolutioniert: Man hört in Peking Geschichten verzweifelter Verleger, denen die Autoren davonlaufen.

Aggressive Aufkaufpolitik

Der 35-jährige Xiaoqiang Hou sagt auf solche Fragen mit dem freundlichsten Lächeln, er helfe ja nur den Schriftstellern, mit den Verlagen sei man mittlerweile im Austausch, am Ende, da sei er sicher, würden die Verlage mit ihm "kooperieren". Shanda ist berüchtigt für seine aggressive Aufkaufpolitik.

Kürzlich erst hat das Unternehmen mit dem britischen Verlag Penguin einen Vertrag abgeschlossen. Tausende von Penguintiteln werden in Zukunft über die Shanda-Webseite auf den chinesischen Markt gelangen. Nur was dann auch häufig angeklickt wird, wird Shanda auch als Buch verlegen. Xiaoqiang wird übrigens auch auf die Frankfurter Buchmesse kommen. Lachend sagt er, er würde gern die gesamte deutsche Literatur auf seiner Website verkaufen.

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  1. Profitable Massen
  2. Sie lesen jetzt hilflose Printverlage
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(SZ vom 10.08.2009/cf)