Der Abschiedsbrief der Ex, ein versauter Witz oder das im Zorn verfasste Schmähschreiben - per E-Mail versandte Dokumente haben einen langen Bestand im Netz. Außer man sorgt vor.

E-Mails sind geduldig. Im Postfach des Empfängers schlummern sie so lange, bis eine Verwendung dafür gefunden wird. Ein Klick und die elektronische Post landet unter Umständen in jemandes Briefkasten, der eigentlich nicht als Empfänger vorgesehen war.

E-Mail Bombe

E-Mails die sich selbst zerstören verspricht Bigstring (© Foto: iStockPhoto)

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Der US-E-Mail-Dienst Bigstring bietet seinen Kunden die Möglichkeit, "volle Kontrolle über die selbst versendeten Daten zu behalten", das verspricht das Unternehmens auf der eigenen Homepage.

Mails, die über ein kostenloses E-Mail-Konto bei Bigstring versandt werden, können beispielsweise mit einem Selbstzerstörungsmechanismus versehen werden. Nach einer bestimmten Zeitspanne oder wenn die Mail mehrmals geöffnet wurde, verschwindet der Inhalt und der Empfänger hat lediglich eine leere Mail im Postfach.

Das gleiche gilt auch für Anhänge: Will man nicht, dass ein angefügtes Video oder Dokument öfter als einmal betrachtet wird, genügt die entsprechende Einstellung beim Versand.

Keine ungewünschten Videos im Netz

"Die Selbstzerstörungsfunktion ermöglicht dem Absender, die Kontrolle über sein geistiges Eigentum zu behalten", sagt Darin Myman, Geschäftsführer von Bigstring. Gerade in Zeiten, in denen Videoplattformen wie YoueTube boomen und das Internet mit einer Menge an kurzen, privaten Filmchen überschwemmt wird, sei es leicht möglich, dass Bilder ins Web gelangen, die den abgebildeten Personen alles andere als recht sind.

Vor allem bei Bewerbungen können private Videos zum Verhängnis werden, da zunehmen mehr Recruiter im Internet recherchieren. "Der User kann mit unserem Dienst unterbinden, dass private Videos weitergeleitet oder ins Web gestellt werden und ihn auf diesem Weg im ungünstigsten Fall bloßstellen könnten. Unternehmen aus der Unterhaltungsbranche oder Musiker können nun Videos verschicken, die bloß einmal angesehen werden können", meint Myman.

Nicht unproblematisch

Bigstring bietet damit nach eigenen Aussagen eine Art "Digital Rights Management" für E-Mail-Attachements. Der Versender legt fest, wie oft der Mailanhang angesehen werden darf, oder ob der Empfänger es weiterleiten kann. Zudem kann angeblich darüber bestimmt werden, ob eine Datei auf der Festplatte des Empfängers gespeichert oder gar ausgedruckt werden darf.

Völlig sorglos sollte man dennoch keine Mails oder Anhänge verschicken, einen hundertprozentigen Schutz bietet auch das System von Bigstring nicht. So kann beispielsweise problemlos mittels Screenshot vom Monitor der Inhalt einer verfänglichen Mail festgehalten werden.

Ganz unproblematisch ist der Versand der zelbstzerstörerischen Mails im Stil von "Mission Impossible" ohnehin nicht. Die Technik basiert auf der Darstellung von graphischen Elementen innerhalb von Mailprogrammen. Statt eines normalen Textfiles verschickt Bigstring nur eine Grafik, die beim Aufruf der Mail ihren Inhalt vom Server nachlädt.

Dadurch kann sehr genau kontrolliert werden, wie oft auf die Datei zugegriffen wird und von wem. Blockt der Empfänger allerdings dieses automatische Nachladen, beispielsweise durch eine Firewall, erscheint statt der Nachricht nur ein leerer Rahmen. Auch beim Aufruf der Mail ohne Verbindung zum Internet wird die Nachricht trotz Erlaubnis nicht angezeigt.

Eine echte Alternative zu gängigen Mail-Anbietern ist Bigstring daher nicht wirklich. Aber momentan dürfte eine Mail mit dem Hinweis: "Diese Nachricht zerstört sich in 30 Sekunden selbst" zunächst für Heiterkeit und kurz darauf zu Verblüffung beim Empfänger führen.

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(sueddeutsche.de/pte)