E-Book-Reader Tolino Erfolgreicher als erwartet

Erfreuen sich bei Lesern wachsender Popularität: E-Book-Lesegeräte.

Der Machtkampf auf dem Markt für E-Book-Lesegeräte ist in vollem Gange. Mehreren deutschen Buchketten ist es gelungen, dem Platzhirsch Amazon Paroli zu bieten. Einig sind sie sich allerdings nicht.

Von Dieter Sürig

Die Initiative kam überraschend: Als die Buchhandelsketten Thalia, Weltbild, Hugendubel und der Club Bertelsmann vor einem Jahr in Berlin ihr gemeinsames E-Book-Lesegerät Tolino aus der Taufe hoben, um damit dem amerikanischen Internetkaufhaus Amazon Paroli zu bieten, schien es fast zu spät dafür. Amazon war bei Digitalbüchern weit voraus und hatte in einem sonst zersplitterten Markt einen Umsatzanteil von mehr als 40 Prozent. Kritiker sahen darin so etwas wie eine Zwangspartnerschaft deutscher Buchhändler - aus der Not geboren.

Die neue Allianz präsentierte sich zwar als "nationale Alternative zu internationalen Anbietern", wie es die Münchner Buchhändlerin Nina Hugendubel werbewirksam formulierte. Doch aus der Branche war damals auch zu hören, dass die Initiative vor allem aus dem Süden der Republik kam. Dorther also, wo die mittlerweile insolvente Augsburger Weltbild-Gruppe und das Familienunternehmen Hugendubel sitzen. Beide waren eng unter dem Dach der Holding DBH miteinander verwoben und haben gerade die Scheidung hinter sich.

Aus heutiger Sicht war es also wohl doch eher eine Runde der Verzweifelten, die da auf ein gemeinsames Lesegerät setzte. Um zu retten, was zu retten ist. Auch die Douglas-Tochter Thalia und der Bertelsmann-Club hatten mit Umsatzeinbrüchen in den Läden zu kämpfen.

Tolino erfolgreicher als erwartet

Das Projekt Tolino ist nun erfolgreicher, als es viele erwartet hatten. Immerhin mussten die Initiatoren ihre in den Vorjahren eingeführten Lesegeräte zugunsten des Tolino wieder einmotten. Kundenbindung sieht anders aus. Doch es hat sich offenbar gelohnt. Die Absatzzahlen liegen zwar branchenüblich im Tresor. Es gibt aber Indizien: Für das Geschäftsjahr 2013 haben die Marktforscher der GfK in Nürnberg ermittelt, dass das Wachstum des Marktanteils von Amazon bei elektronischen Büchern in Deutschland zumindest deutlich gebremst worden ist. Dieser stieg von 41 auf 46 Prozent. Im Vorjahr betrug der Zuwachs noch 15 Prozentpunkte. Dies ist bemerkenswert, weil der Umsatzanteil von E-Büchern viel schneller wächst. Die Tolino-Partner konnten sich mit ihrem offenen System, das im Gegensatz zum Kindle viele Dateiformate lesen kann, bei knapp 35 Prozent halten. Darunter Thalia mit 14 und Weltbild mit zwölf Prozent.

Das bedeutet, dass hierzulande jedes dritte Digitalbuch bei der Tolino-Allianz aus dem Netz geladen wird. Der mittlerweile abgesetzte Weltbild-Chef Carel Halff gab sich nach dem Start auch ganz euphorisch. "Dem Buchhandel geht es so gut wie nie", hatte er im Sommer frohlockt - trotz wachsender Schulden bei Weltbild.