Dschihad-Propaganda im Internet "Böses Vaterland"

Ob Twitter oder Facebook - für die Rekrutierung junger Menschen für den Dschihad spielt das Internet mittlerweile eine bedeutende Rolle. Das zeigt ein aktueller Bericht der Stiftung Wissenschaft und Politik. Besonders die Zahl von Propagandavideos ist offenbar gestiegen - vor allem in Deutschland.

Er stieg in einen mit US-Soldaten besetzten Bus und eröffnete das Feuer. Am 2. März 2011 erschoss der in Deutschland aufgewachsene Kosovare Arid Uka am Frankfurter Flughafen zwei GIs und verletzte zwei andere lebensgefährlich. Das Attentat gilt als der erste islamistische Anschlag in Deutschland, der nicht verhindert werden konnte. In seinen Vernehmungen behauptete Uka, er habe sich in nur wenigen Monaten über das Internet und soziale Netzwerke radikalisiert. Direkten Kontakt zu einer terroristischen Organisation hatte der damals 21-Jährige scheinbar nicht.

Diese Art von Radikalisierung sei längst nicht mehr ungewöhnlich, heißt es in einem aktuellen Bericht der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Darin schildert unter anderem der Terrorismusforscher Guido Steinberg, wie sich dschihadistische Propaganda in den vergangenen 15 Jahren im Netz entwickelt hat und welche Bedeutung der deutschsprachige Raum mittlerweile spielt.

Dem Fall Uka schreiben die Forscher eine "zukunftsweisende Bedeutung" zu, weil er das beste Beispiel für eine Entwicklung sei, die sich aufgrund der Schwächung der Al-Qaida-Zentrale in den vergangenen Jahren verstärkt habe: Seit spätestens 2005 sei ein Trend zum "führerlosen Dschihad" unübersehbar, heißt es. Besonders für die Radikalisierung, Rekrutierung und Mobilisierung junger Menschen spiele dabei das Internet eine entscheidende Rolle.

Arid Uka kam laut dem Bericht 2007 mit der dschihadistischen Ideologie in Berührung. Per Facebook habe er Kontakt mit Gleichgesinnten und salafistischen Predigern aufgenommen. Ein YouTube-Video der Medienstelle "Soldaten Gottes", die zur Islamischen Bewegung Usbekistans (IBU) gehört, soll schließlich der Auslöser für das Attentat gewesen sein.

Zahl der deutschsprachigen Videos auffällig

Twitter, Facebook, Internetforen - den Forschern zufolge ist die dschihadistische Propaganda im Netz längst nicht mehr zu überblicken. Auffällig sei die steigende Zahl von Videos - besonders im deutschsprachigen Raum. 2008 habe die Dschihad Union erste Videos mit ihren deutschen Rekruten produziert, der deutsche Konvertit Eric Breininger rief dazu auf, sich den Kämpfern im pakistanischen Waziristan anzuschließen. Tatsächlich hätten sich daraufhin zahlreiche deutsche Freiwillige den Dschihadisten in den Stammesgebieten angeschlossen. Und nicht nur al-Qaida habe schließlich die Videoproduktion ausgebaut.

Dem Bericht zufolge sind in Deutschland vor allem die von der Islamischen Bewegung Usbekistans produzierten Videos populär in denen zwei Brüder aus Bonn auftreten. Zum Repertoire der IBU gehörten Märtyrer- aber auch Drohvideos. In einem im Dezember 2011 veröffentlichen Film werde Deutschland als Hauptakteur im Krieg des Westens gegen den Islam bezeichnet. Titel: "Böses Vaterland".