Dropbox-Vizechefin Ruchi Sanghvi Wie sich Ruchi Sanghvi in der Start-up-Szene durchgesetzt hat

Bevor sie zu Dropbox kamen, haben Sie einige Jahre bei Facebook gearbeitet. Als sie 2005 angefangen haben, waren sie dort die erste weibliche Ingenieurin.

Ja, so war das leider bei mir auch schon im Studium, da war ich eine von fünf weiblichen Studentinnen unter Tausenden Männern. Es ist traurig, dass nicht mehr Frauen Informatik studieren. Informatikerin zu sein, ist ein toller Job. Zum einen, weil man damit gut Geld verdienen kann, und zum anderen ist der Beruf sehr kreativ. Ich kann Dinge erschaffen, die Millionen User nutzen.

Wie ist es Ihnen gelungen, sich in diesem männlich dominierten Umfeld durchzusetzen?

Ich habe hart gearbeitet und daran geglaubt, dass ich mich durchsetzen werde. Aber es reicht ja nicht, still lächelnd eine gute Arbeit zu machen. Man muss auch aktiv werden und sich häufig zu Wort melden. Was von vielen gerne vergessen wird, ist, dass mehr als 50 Prozent aller Internetnutzer Frauen sind. Also sollten wir uns auch aktiv einbringen, um für uns selber die passenden Produkte zu entwickeln.

In einem Interview haben Sie einmal gesagt, dass Frauen in der Tech-Branche kein Vorbild wie Steve Jobs oder Bill Gates haben. Was muss sich ändern?

Das muss in der Schule anfangen. Es muss Mädchen erklärt werden, dass Mathematik und Technik tolle Fächer sind. Das man mit ihnen viel Spaß haben und viel erreichen kann.

Gehen Sie auch in Schulen?

Ja, ich mache das. Schauen Sie, warum sucht man sich einen Job? Weil man Geld verdienen will, und warum sollte man sich dann keinen aussuchen, bei dem man viel Geld verdienen kann? Wenn man technische Fächer studiert hat, heißt das nicht, dass man später im Beruf den ganzen Tag am Computer sitzt. Im Gegenteil. Man redet viel, arbeitet viel in Gruppen zusammen, hat Projektmanagement-Aufgaben. Und das Beste: Man kann seine Fähigkeiten einsetzen, um wunderschöne Designs und Benutzeroberflächen zu entwickeln.

Sie haben in der Start-up-Szene Karriere gemacht. Was raten Sie jungen Frauen, die es Ihnen gleichtun wollen?

Man sollte das Risiko lieben oder es lieber gleich sein lassen. Bei einem Start-up zu arbeiten, gleicht dem Flug einer Rakete, die ins Weltall geschossen wird. Da fragt man nicht, auf welchem Sitz man Platz genommen hat, man fliegt einfach mit und nutzt alle Möglichkeiten, die sich einem bieten. Und wenn es dann am Ende nicht funktioniert, ist das auch kein Unglück, weil man viel gelernt hat. Wer bei einem Start-up dabei war, weiß wie man Produkte entwickelt und launcht und in Teams schnell und gut zusammenarbeitet. Man erfährt viel darüber, wie PR und Marketing funktionieren. Aber auch Psychologie, Datenschutz und Recht stehen quasi auf dem Stundenplan. Man lernt, wie man Leute einstellt, aber vor allem, wie man einen Arbeitsplatz schafft, an dem man selber gerne arbeitet.