Drohnen-Weltmeisterschaft Pusteblume rettet Menschenleben

Pusteblume in XXL: Patrick Thévoz präsentiert seine Weltmeister-Drohne.

(Foto: dpa)
  • In Dubai ist die erste Weltmeisterschaft für zivile Drohnen ausgetragen worden.
  • Den Titel hat sich ein Schweizer Start-up gesichert: Die Drohne "Gimball" soll schwer zugängliche oder kontaminierte Katastrophengebiete erkunden.
  • Insgesamt gab es rund 800 Bewerber, im Finale stand auch ein Team aus Deutschland.
Von Varinia Bernau

Roboter mögen keine Hindernisse. Ein Schutthaufen, ein Tunnel, ein Abgrund, damit endet oft der Rettungseinsatz eines computergesteuerten Assistenten. Aber es gibt Ausnahmen: Gimball etwa hilft ein Hindernis bei der Orientierung. Und deshalb hat der Roboter nun die erste Weltmeisterschaft für zivile Drohnen in Dubai gewonnen.

Gimball wurde von einem Schweizer Start-up in Kooperation mit der Technischen Universität in Lausanne entwickelt. Das Ding sieht aus wie die Blüte einer Pusteblume - allerdings mit einem Durchmesser von 37 Zentimetern. Die Stäbe des schwebenden Käfigs, der die darin steckende Technik beim Aufprall schützt, sind aus Carbon, deshalb wiegt Gimball nicht einmal ein halbes Kilo; zugleich lernt er aus seinen Zusammenstößen. Noch aber ist der Prototyp nicht schneller als ein Fußgänger, und: Sein Akku hält noch nicht sonderlich lange. Für große Gebiete taugt Gimball also noch nicht so recht. Die Mission der Drohne aber ist umso größer. Gimball soll Lecks von defekten Gasleitungen ebenso verorten wie verunglückte Menschen nach Bränden oder Erdbeben.

Die Idee, Roboter in Katastrophengebiete zu schicken, ist nicht neu. Neu ist, diese Roboter so auszurüsten, dass sie in dem unwegsamen Gelände nicht die Orientierung verlieren oder kaputtgehen. In Fukushima, erzählt Patrick Thévoz, einer der Gründer des Start-ups, seien ebenfalls Roboter eingesetzt worden. Aber sie seien nicht bis an die zentralen Stellen des verunglückten Atomreaktors gekommen, weil zu viel Schutt im Weg lag. "Gimball ist der erste Roboter, der bis ins Herz eines Desasters vordringt", sagt Thévoz.

Mehr zum Thema

Das englischsprachige Bewerbungsvideo für den Roboter Gimball.

Allein aus Spanien kamen mehr Konzepte als aus den USA

Bei der Drohnen-WM in Dubai haben sich die Schweizer am Wochenende gegen insgesamt 800 Bewerber durchgesetzt: Ins Finale hatte es auch ein deutsches Team mit einer Drohne zur Düngung und Bewässerung von Feldern geschafft, und ein spanisches Team, das Organspenden in Notfällen per Drohne zustellen will. Zum schönen Titel gibt es für Gimball nun auch ein Preisgeld von einer Million Dollar, das die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate aus dem Staatshaushalt spendiert. Sie hat das Spektakel ausgerichtet - als eine Art Spielwiese für Entwickler, um Ideen für einen friedlichen Einsatz von Drohnen auszutauschen. Die vermeintlich so technologieskeptischen Europäer, erzählt Cheforganisator Saif Al Aleeli, haben sich dabei übrigens als so einfallsreich wie keine andere Region erwiesen: Allein aus Spanien kamen mehr Konzepte als aus den USA.

Die Entwickler von Gimball haben sich übrigens von der Natur inspirieren lassen. Irgendwann fragten sie sich, warum viele Tiere so problemlos durch Gebäude manövrieren können, obwohl sie meist sehr viel schlechtere Augen haben als Menschen. Die einfache Antwort: Für ein Insekt ist es keine große Sache, mal gegen ein Fenster zu fliegen - für einen Roboter schon. Im April will das Schweizer Start-up die ersten seiner gut gepolsterten Drohnen an Kunden ausliefern.

Roboter im Carbonkäfig: Der in der Schweiz entwickelte Drohnen-Weltmeister Gimball.

(Foto: PR)