Donald Trump Die Hassliebe zwischen Trump und dem Silicon Valley

Donald Trump und sein Chefstratege Steve Bannon empfangen Tesla-Chef Elon Musk Anfang Februar im Weißen Haus.

(Foto: Evan Vucci/AP)

Die Visapläne der Regierung gefährden die Tech-Firmen - dennoch könnten Google, Apple und Facebook von Trump profitieren. Lange war die Branche unpolitisch, jetzt muss sie Stellung beziehen.

Von Johannes Kuhn, New Orleans

Die Zukunft stellte sich für das Silicon Valley lange Zeit als Kurve dar: Steil führte sie nach oben, hin zum technologischen und zivilisatorischen Fortschritt, so die Erwartungshaltung. Auch die Politik hatte darauf keinen Einfluss. Zyniker behaupten, Washington sei für die Technologie-Branche nur in zwei Punkten relevant: bei den Steuern und der Vergabe von Visa für ausländische Mitarbeiter.

Seit Beginn der Trump-Ära hat sich das geändert: Den Granden an der Westküste dämmert, dass sie nicht mehr die einzigen "Change-Maker" im Land sind. Könnte Donald Trump die Zukunftskurve tatsächlich in eine völlig andere Richtung biegen als gedacht?

Noch geht es vor allem ums Prinzip: Der Einreisebann für Menschen aus sieben mehrheitlich muslimischen Ländern betraf nur einen kleinen Teil der Mitarbeiter, dennoch erschütterte er die Branche. Nirgendwo sonst stellen Einwanderer der ersten oder zweiten Generation - gerade aus Asien - mehr Gründer und Führungspersonal als im Technologie-Bereich. Und schon bald könnte es ums Geschäft gehen: Derzeit kursiert der Entwurf eines Dekrets der Trump-Regierung, der die H1B-Visa einschränken könnte, mit denen die Firmen hochqualifizierte Arbeitskräfte aus aller Welt ins Land holen.

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In den vergangenen Jahren unterstützte der Kongress die liberale Visa-Politik - nicht zuletzt, weil die Tech-Konzerne schon lange und immer aufwendiger Lobbyarbeit in Washington betreiben. Ein Unternehmen wie Facebook, aus dessen US-Belegschaft 15 Prozent mit H1B-Visa im Land arbeiten, hätte ohne den Einkauf von Arbeitskräften nie so schnell wachsen können. Auch jüngere Firmen können ihre aggressive Strategie nur mit Hilfe ausländischer Arbeitnehmer durchziehen: schnell Produkte aktualisieren und Märkte erobern.

Allerdings ist der im Valley gepflegte Mythos vom H1B-Mitarbeiter, der nach zehn Jahren die Aufenthaltserlaubnis erhält und zum Gründer wird, nur ein Teil der Wahrheit. Längst haben sich Subunternehmen darauf spezialisiert, junge und gut qualifizierte Mitarbeiter in die USA zu bringen, um sie für Löhne unter Marktniveau an die Technologie-Firmen zu verleihen. Dabei entstehen Abhängigkeiten: Wer seine Stelle verliert, muss innerhalb weniger Wochen einen neuen Job bei einer Firma finden, damit diese das Visum übernimmt. Mancher US-Mitarbeiter im Valley äußert unter der Hand schon länger Kritik am H1B, kann die günstigere Konkurrenz doch auch der eigenen Verhandlungsposition schaden.

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Das Verhältnis der Branche zur neuen Regierung ist komplex. Für die Feier zur Amtseinführung spendeten die Großfirmen noch fleißig, zwei Wochen später forderten 127 Unternehmen in einem Brief, das umstrittene Einreiseverbot aufzuheben. Auf den höchsten Ebenen positionierten sich Tech-Firmen gegen die Regierung und unterstützten Betroffene finanziell. Google-Mitgründer Sergey Brin ließ sich bei den Protesten auf dem Flughafen in San Francisco blicken, ausdrücklich in privater Funktion, versteht sich.

Travis Kalanick, Chef des Milliarden-Startups Uber, trat aus einem wirtschaftlichen Beratergremium der neuen Regierung zurück - allerdings erst, nachdem geschätzt 200 000 Nutzer die App seiner Firma aus Protest deinstalliert hatten. Tesla-Gründer Elon Musk dagegen sagt, er wolle nicht in Frontalopposition zu Trump gehen, sondern im Gremium bleiben und den Präsidenten beeinflussen. "Kann es denn wirklich gut sein, wenn ihn nur noch Extremisten beraten?", fragte er auf Twitter. Allerdings dürfte er nicht abgeneigt sein, mit seiner Raumfahrt-Firma SpaceX bei kolportierten Plänen einer neuen Mondmission eine Rolle zu spielen (und nichts merkt sich der 45. Präsident besser als Loyalität und Verrat).

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Google-Chefdiplomat Eric Schmidt erklärte seiner Belegschaft, dass die Trump-Regierung "böse Dinge" tun werde. Jedoch umwirbt er der New York Times zufolge zugleich "aggressiv" republikanische Abgeordnete. Er will wohl einen Teil von Googles großem Einfluss aus der Obama-Ära bewahren. "Es fehlt Klarheit, was Trumps Tech-Politik sein wird", beschrieb jüngst der ehemalige AOL-Chef und heutige Investor Steve Chase die Lage, "aber das könnte eine größere Chance bedeuten, seine Politik zu beeinflussen."

Für die Konzerne steht viel auf dem Spiel

Gerade für global agierende Konzerne gibt es viel zu gewinnen. Die Republikaner erwägen, die Steuer auf ausländische Gewinne von 35 Prozent auf zehn oder 15 Prozent zu senken. Bislang parken Unternehmen wie Apple, Google und Microsoft zig Milliarden Dollar im Ausland, um diese Steuer nicht abführen zu müssen. Gelingt es ihnen, die Handelskommission FTC in ihrem Sinne zu besetzen, könnte das lästige Fragen zu ihren marktbeherrschenden Stellungen ersparen.

Da trifft es sich gut, dass Star-Investor, Monopol-Fan und Trump-Berater Peter Thiel mit dem Auswahlprozess betraut sein soll. Firmen wie Uber können damit rechnen, dass Washington keine Versuche unternehmen wird, den offiziell selbstständigen Fahrern gesetzliche Ansprüche auf Anstellung zu verschaffen.

Auf der anderen Seite könnten Trump und sein Kabinett Regelungen zur Netzneutralität kippen, Ermittlern und Geheimdiensten mehr Datenzugriffsrechte einräumen und das exponentielle Wachstum der Tech-Branche durch oben genannte Visa-Beschränkungen einbremsen.