Do-not-track-Funktion Mozilla will gegen Tracking vorgehen

Nutzer sollen nach dem Willen von Mozilla entscheiden können, ob sie bei ihrer Reise durch das Netz von die Werbe-Industrie begleitet werden. Doch die Aktion hat Kritiker - und die kommen nicht nur aus der Werbebranche.

Die Mozilla-Stiftung will ihre Nutzer besser vor Tracking zu schützen. Wie Brendan Eich, der Technikvorstand von Mozilla in seinem Blog schreibt, sei die derzeit genutzte Technik in Firefox zu fehlerhaft. Daher hat sich das Unternehmen dazu entschieden, mit einem System zu arbeiten, das derzeit an der Stanford University entwickelt wird.

Das System wird "Cookie Clearinghouse" heißen. In zwei Listen wird dort festgelegt, welche Dienste das Nutzerverhalten auf einzelnen Internetseiten verfolgen dürfen. Diese Listen sollen in Rücksprache entstehen mit Privatsphäre-Experten, kleineren Firmen und Juristen, die sich auf das europäische Recht spezialisiert haben.

Ein Erscheinungstermin ist nicht angekündigt, die Werbeindustrie aber alleine durch die Ankündigung alarmiert.

Cookies sind kleine Erinnerungshilfen für den Browser. Sie erleichtern das Surfen im Netz, in dem zum Beispiel Passwörter nicht jedes Mal von Neuem eingegeben werden müssen. Die Kritik von Firefox (und zahlreichen anderen Initiativen, die sich für die Privatsphäre im Netz einsetzen) richtet sich auf einen anderen Aspekt:

Drittanbieter verfolgen den Nutzer bei seiner Reise durch das Netz. War er erst auf Facebook und anschließend auf Amazon, werden diese Informationen bei dem Drittanbieter verknüpft. Auf diese Art und Weise entstünden komplexe Nutzerprofile, ohne in einem ersten Schritt geklärt zu haben, ob der Nutzer dies überhaupt erlaubt.

Die Werbe-Industrie zeigt sich erwartungsgemäß kritisch gegenüber dieser Ankündigung. Randall Rothenberg, Präsident des Interactive Advertising Bureaus, sagte der Washington Post: "Es stehen Millarden Dollar und Tausende Jobs auf dem Spiel."

Der Thinktank Information Technology and Innovation Foundation aus Washington erklärte gegenüber Süddeutsche.de, dass der Vorstoßvon Mozilla mehrere Probleme bereiten könne:

  • viele Webseiten würden Einbußen im Umsatz machen
  • Geschäftsmodelle, die sich auf die Aggregation von Daten gründen, seien gefährdet
  • Mozilla würde unter dem Deckmantel des Nutzer-Interesses durch diese Aktion in einem Alleingang festlegen, was erlaubt und nicht erlaubt sei.

Bereits seit September 2011 arbeitet die Industrie mit Organisationen zusammen, die sich für die Privatsphäre der Nutzer einsetzen. Die Gespräche laufen aber zäh, aktuell wird definiert, was genau das Wort "Tracking" überhaupt bedeuten und beinhalten soll.

Vor diesem Kontext sagte Brendan Eich von Mozilla: "Wir wollen diese Dynamik verändern, damit die Tracker ihr Verhalten verbessern."

Linktipp: Das Wall Street Journal hat unter dem Titel "What they know" eine Animation veröffentlicht, die Punkt für Punkt aufführt, was bei dem Besuch einer Internetseite passiert.)