Der Vorteil der geringen Größe der Sensoren ist, dass die Objektive kompakter gestaltet werden können. Die Herausforderung liegt nun einerseits in der Herstellung, bei einer Fläche von zwei Dutzend Quadratmillimetern viele Millionen lichtempfindliche Zellen aufzubringen. Die Qualität mindernd kommt noch hinzu, dass Licht nie als physikalisch exakter Strahl einfällt, sondern streut. Je enger aber die lichtempfindlichen Zellen beieinanderliegen, desto eher werden mehrere von ihnen getroffen. Außerdem sind die elektronischen Lichtsensoren nicht so empfindlich wie der gute alte Film, weshalb in jeder Digitalkamera ein eingebauter Minicomputer rechnerisch Hilfe leisten muss.
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All diese Faktoren führen zu Fehlern, dem sogenannten Bildrauschen. Die Kameraelektronik erfindet dabei Bildpunkte, die es gar nicht gibt, Fachleute nennen sie Artefakte. Weil diese unschön sind und besonders einfarbige Flächen grieselig machen, versucht die Kameraelektronik, sie mit Anti-Rausch-Filtern zu bekämpfen. Diese verwischen zwar die störenden Pünktchen, legen aber dafür aber einen Schleier über feine Details.
Erbarmungslose Filter
"Schon bei ISO 100 stellt man deutliche Artefakte fest", sagt Fotoingenieur Artmann. Die ISO-Zahl gibt an, wie lichtempfindlich ein Sensor oder ein Film ist. ISO 100 liegt dabei sogar noch eher am unteren Ende der Skala. Für Kleinbildkameras haben sich längst ISO 200-Filme eingebürgert, die doppelt so lichtempfindlich sind wie ISO 100-Produkte. So ist es beispielsweise möglich, die Belichtungszeit auf die Hälfte zu reduzieren und damit auch die Gefahr, die Aufnahme zu verwackeln.
Erheblich schlimmer wird es, wenn man die Empfindlichkeit noch einmal um das Doppelte auf ISO 400 erhöht. Dann entsteht so viel Rauschen, dass die Filter erbarmungslos zuschlagen und massenweise Bildinformationen zerstören. "Die Ingenieure bei den Kameraherstellern sind da selber oft unglücklich'', sagt Tester Artmann, "aber die Marketingleute fordern einfach noch mehr Megapixel."
Offenbar aus gutem Grund. Verkaufsargument Nummer eins ist die Zahl der Megapixel, auch wenn Fachleute schon lange wissen, dass diese Zahl wenig aussagt. Zwar argumentiert etwa Guido Krebs, Produktmanager beim Marktführer Canon, dass mehr Pixelmillionen auch bei Kompaktkameras nicht zwangsläufig schlechtere Qualität bedeuten. Er verschweigt aber auch nicht das Dilemma, in das die Hersteller geraten sind.
"Die Frage ist, was kriege ich dem Endkunden rübergebracht." Im Zweifel würde die Masse der Kunden wohl doch eher zur Kamera mit mehr Pixeln greifen als zu einer, die nicht mehr Bildpunkte sondern mehr Qualität verspricht. "Wenn wir das machen würden, könnten wir unsere Kameras nur noch für unter 150 Euro verkaufen", sagt Krebs.
Große Sensoren sind zu teuer
Eine Lösung wären größere Sensoren. Doch diese würden die bei den Kunden so beliebten Kompaktkameras auf eine unhandliche Größe anschwellen lassen. Schließlich machten kleine Chips es erst möglich, die Kameras so winzig zu bauen, wie sie heute sind, und dabei noch Zoomobjektive einzubauen, wie sie einst nur große Spiegelreflex-Geräte hatten. Hinzu kommt, dass Silizium-Chips massiv im Preis steigen, wenn sie größer sind. Die Sensoren werden wie Computerchips aus Siliziumscheiben hergestellt. Je weniger ein solcher Rohling hergibt, desto teurer wird der einzelne Chip.
Produktmanager Krebs erwartet daher kein schnelles Ende des Pixelrennens. Aber das Wichtigste sieht er ohnehin darin, die vermuteten Bedürfnisse des Normalanwenders zu erfüllen. "Es geht darum, Kameras bauen, die möglichst wenig Ausschuss liefern'', sagt der Mann von Canon. Es wird also eher auf Technik gesetzt, die verhindert, dass Gesichter beim Blitzen käsig aussehen. "Das macht die Leute glücklich. Ob es dabei ein wenig grieselt, spielt doch gar keine so große Rolle."
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- Fotos selber drucken Bunt auf weiß 13.07.2007
(SZ vom 21.9.2007)
Cooler Artikel. Diente unserem Online-Magazin als Anregung für eigenen redaktionellen Beitrag:
http://www.onlzoberurff.info/2007/12/28/vorsicht-pixelfalle/
Die SZ ist ein verlässliches Medium, das der Tendenz entgegenwirkt, dass die Verbraucher durch die Hersteller u. a. mittels IT-Features für dumm verkauft werden.
... bei meiner Contax und meinem 5400-dpi-Filmscanner: Ein Scan von einem Kodachrome-Dia hat rund 40 Megapixeln, keine Artefakte, kein Rauschen, sondern nur Bildinformation und läßt sich, wenn gewünscht, auf Wohnzimmerwandgröße ausdrucken oder vergrößern. Und wenn's mal schnell gehen soll, tut's meine Olympus C8080 (8 MP) noch lange.