Analog ist besser

Digitales Notizbuch von Moleskine und Evernote /
Von Pascal Paukner
/ Veröffentlicht am , im Digitalblog

Zusammenbringen, was vielleicht gar nicht zusammenpasst? Moleskine und Evernote versuchen es.

(Foto: Evernote)

Vielleicht hätte man sich ein Beispiel an Google nehmen sollen. Jahrelang hat das amerikanische Unternehmen neue Produkte mit dem Hinweis versehen, dass es sich um einen Dienst im Betastadium handelt. Die Kunden wussten: Daran wird noch gearbeitet, da ist nicht alles perfekt. Funktionierte etwas nicht wie gewünscht, war kaum jemand sauer auf die Google-Programmierer. Alles noch beta.

Es gibt viele andere Produkte, die noch beta sind, bei denen das aber nicht ausdrücklich erwähnt wird. Der populäre Hersteller hochpreisiger Notizbücher, Moleskine, und der 38 Millionen Nutzer zählende Webdienst Evernote haben jetzt gemeinsam ein solches auf den Markt gebracht. Ein sogenanntes Smart-Notebook soll es sein und es ist die Antwort der beiden Unternehmen auf das bemerkenswerte Phänomen, dass trotz Digitalisierung scheinbar nostalgisch anmutende Objekte wie das klassische Notizbuch sich einer unvermindert großen Beliebtheit erfreuen.

In den Universitäten, Buchhandlungen und Straßencafés ist die Renaissance des Notizbuchs seit Jahren unübersehbar. Journalisten beschäftigen sich schon länger damit. Wohl auch deshalb, weil die Popularität des Kulturguts Notizbuch auf bemerkenswerte Art und Weise mit einem Markennamen verknüpft ist - dem des italienischen Herstellers Moleskine.

Die spannende Frage ist nun: Ist es möglich, das Notizbuch aus Papier sinnvoll mit dem digitalen Medium zu verknüpfen? Lassen sich die Vorteile beider Medien miteinander verbinden? Das Smart Notebook soll genau das leisten. Es soll dabei helfen, Gedankengänge, die man im von Moleskine produzierten klassischen Papiernotizbuch niedergeschrieben hat, mittels Smartphone oder Tablet zu digitalisieren. Dafür sind im Buch speziell gerasterte Linien abgedruckt, die der Evernote-App die Analyse erleichtern.

Um den Inhalt des Notizbuchs zu digitalisieren, genügt es laut Anleitung, ihn in einem eigens dafür programmierten Modus mit der Evernote-App abzufotografieren. Die App soll dann in der Lage sein, sowohl Handschriften zu erkennen, als auch sogenannte Smart Tags. Das sind kleine bunte Aufkleber, die mitgeliefert werden und die dem Programm signalisieren, wie eine Notiz verschlagwortet werden soll.

Digitalisierung funktioniert kaum

In der Praxis funktioniert das leidlich. Die Fotos werden so stark nachbearbeitet, dass sie zwar auf einem Smartphone-Bildschirm kontrastreicher lesbar sind, durch den Filter haben sie gegenüber einer Standardaufnahme aber an Qualität verloren. Wer reinzoomt, erkennt einen deutlichen Unterschied. Hinzu kommt, dass die App zumindest auf dem iPhone 4 immer wieder abstürzt. Die Handschrifterkennung kann selbst einfachste Wörter nicht lesen. Immerhin die Smart-Tags funktionieren zumeist. Wer die Kombination aus Smartphone und Notizbuch testet, stellt sich zwangsläufig die Frage, wie das sein kann. Eigentlich stehen beide Unternehmen für Qualität und haben deshalb einen loyalen Kundenstamm.

In den Download-Portalen aller großen mobilen Betriebssysteme gibt es Dutzende Applikationen, die daran arbeiten, das alte Papierbuch zu ersetzen. Einige sind schon jetzt in der Lage, Inhalte von Papier in ähnlicher Form zu digitalisieren. Ohne dass man dafür ein spezielles, teures Notizbuch benötigt.