Digitale Verdrängung:Vom Internet verweht

Gemeinsame Fernsehabende, Urlaub im Unbekannten, unsere Handschrift: Das Internet sorgt dafür, dass wir uns künftig von einigen liebgewonnenen Dingen verabschieden müssen. Eine Prognose in Bildern.

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Gemeinsame Fernsehabende, Urlaub im Unbekannten, unsere Handschrift: Das Internet sorgt dafür, dass wir uns in den kommenden Jahren von einigen liebgewonnenen Dingen verabschieden müssen.Telefonbücher Sie haben keine automatische Suchfunktion und sind dazu noch unhandlich: Wer einen Internetanschluss hat, kann auf Telefonbücher eigentlich verzichten. Nur bei der Nutzung als Türstopper kann das Netz nicht mithalten.Prognose: Telefonbücher werden auch in Deutschland aus Kostengründen nur noch auf Wunsch verteilt werden.Foto: dpa

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Handschrift Das Schreiben mit dem Füller lernen wir bereits in der Schule, doch an unseren letzten handgeschriebenen Brief können wir uns nur dunkel erinnern. Die Digitalisierung unserer Kommunikation sorgt dafür, dass Schreibschrift uns immer mühseliger und zeitraubender vorkommt.Prognose: Handschrift wird weiterhin in der Schule gelehrt, doch im Alltagsgebrauch spielt sie für die jüngere Generation bald kaum mehr eine Rolle. Die fehlende Übung wird zudem das Schriftbild der meisten Menschen immer unlesbarer machen.Foto: iStock

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Gemeinsame Fernsehabende Punkt 20:15 Uhr versammelt sich die gesamte Familie vor dem Fernseher - was die Bundesrepublik lange prägte, wird inzwischen durch Filme auf Abruf und das Internet bedroht.Prognose: Familienabende gibt es weiterhin - jedoch werden diese unabhängig vom Fernsehprogramm stattfinden. Videostreaming und das gemeinsame Konsolenspiel werden das Ritual der festen Fernsehzeit ablösen.Foto: iStock

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Respekt vor Autoritäten Was waren das noch für Zeiten, als Lehrer, Journalisten und Ärzte sich qua Amtes ihrer Autorität sicher sein konnten. Doch Bewertungs- und Laienmedizinportale lassen Vertreter dieser Berufsgruppen inzwischen auf Normalmaß zurückschrumpfen. Manch einem Lehrer von morgen droht zudem Ungemach, wenn Schüler in ein paar Jahren einmal die Partybilder aus der Studentenzeit im Netz finden.Prognose: Die Transparenz des Internets macht einstige Instanzen zu Menschen - und damit entsprechend angreifbarer. Wir werden uns daran gewöhnen.Foto: iStock

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Konzentration Mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen ist eine feine Sache - nur wirklich konzentrieren können wir uns dabei nicht. Da das Internet uns sekündlich zum Multitasking verleitet, müssen wir damit leben, dass unsere Aufmerksamkeitsspanne immer kürzer wird.Prognose: Die "MTV-Generation" der neunziger Jahre wird uns bald wie ein Kloster voller Zen-Mönche vorkommen. Die zerstückelte Aufmerksamkeit wird auch unser Denken massiv verändern, das schnelle Prüfen kleiner Informationshappen auf ihre Relevanz entwickelt sich zum zentralen Punkt unserer Wahrnehmung.Foto: iStock

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Überraschungen bei Klassentreffen Vor dem Zeitalter der sozialen Netzwerke fühlte sich der Besucher eines Klassentreffens immer wie Rip Van Winkle: Plötzlich waren alle Schulkollegen um zehn oder 20 Jahre gealtert. Im digitalen Zeitalter bieten solche Zusammenkünfte in den meisten Fällen kaum Überraschungen: Wir wissen über StudiVZ oder Facebook bereits, was die meisten treiben und wie sie aussehen.Prognose: Durch die digitale Vernetzung wird jede Status-Aktualisierung zu einem kleinen Klassentreffen. Wir altern gemeinsam.Foto: iStock

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Fanzines Als es noch keine Blogs gab, waren Fanzines der beste Weg, über seine Lieblingsmusiker, -schriftsteller und -clubs zu berichten. Doch das Internet bietet inzwischen all das, was die Macher damals gerne gehabt hätten: Eingebettete Songs der besprochenen Bands, Videos und Bilder vom letzten Festival, Online-Diskussionen zur eigenen Gesellschaftstheorie.Prognose: E-Zines oder Sammelblogs haben Fanzines bereits heute weitestgehend verdrängt. Einfacher zu bedienende Web-Editoren werden deren Layout künftig noch individueller gestaltbar machen.Foto: oh

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Urlaub im Unbekannten Es gibt keine weißen Flecken auf der Landkarte mehr, nicht einmal für Urlauber. Wer heute in die Ferien fährt, weiß genau, was ihn erwartet: Videos und Bilder vom Lieblingsstrand, die Google-Satellitenansicht des eigenen Hotels, bald auch die Straßen der Umgebung per Google Street View geben einen Vorgeschmack auf den Urlaubsort. Prognose: Die minutiöse Planung des Urlaubs über das Netz lässt keinen Platz für Überraschungen - bald wissen wir schon vor der Anreise, welche Hobbys der Portier unseres Hotels hat.Foto: iStock

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Faxgeräte Weil über E-Mail noch keine rechtsverbindlichen Dokumente versendet werden können, erhalten Faxgeräte derzeit noch ein Gnadenbrot in deutschen Unternehmen. Doch nicht mehr lange.Prognose: Sobald sich ein Standard für den rechtssicheren Versand von E-Mails entwickelt hat, dürften Faxgeräte zum Elektroschrott gehören.Foto: iStock

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Videotheken Noch holen wir uns die DVDs in der Videothek an der Ecke, doch das könnte bald vorbei sein: Das Streaming von Filmen auf die heimische Multimedia-Anlage ist in den USA bereits äußerst beliebt und dürfte sich auch bei uns durchsetzen.Prognose: Sobald Komplettsysteme im Heimentertainment-Bereich bezahlbar sind, dürften es Videotheken vor allem in Gegenden mit guter Breitbandverbindung sehr schwierig haben.Foto: dpa

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Platten- und CD-Läden Das Zeitalter des Albums ist vorbei, selbst künstlerisch wertvolle Cover können nur noch echte Fans anlocken. Das hat Folgen: Die CD-Verkäufe brechen ein, MP3-Downloads übernehmen den Markt.Prognose: Platten- und CD-Läden werden nicht aussterben, aber in wenigen Jahren ein Nischendasein fristen oder zu Hörcafés mit Download-Möglichkeit werden.Foto: iStock

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Schulbücher Das jährliche Vermögen für neue Schulbücher oder die zerfledderte Formelsammlung, die bereits Generationen von Schülern verwendet haben - all das könnte bald der Vergangenheit angehören. Der US-Bundesstaat Kalifornien hat bereits eine Initiative zur Verwendung digitaler Schulbücher angekündigt - um Geld zu sparen.Prognose: In wenigen Jahren dürften Schulkinder ihre Bücher digital erhalten - das entsprechende Lesegerät könnte auch als Schreibgerät fungieren, wodurch auch Schulhefte überflüssig würden.Foto: iStock

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Privatsphäre Wer das hier liest, organisiert einen Großteil seines Lebens wahrscheinlich bereits über das Netz. Die Migration ins Digitale führt dazu, dass zwangsläufig ein Teil unseres Lebens in die Netzöffentlichkeit wandert.Prognose: In den USA wird Privatsphäre bereits in Kürze keine Rolle mehr spielen. Europäer sind vorsichtiger, dennoch sind über den Einzelnen bald immer mehr Informationen im Netz auffindbar. Wer im Netz nicht existiert, wird bei potentiellen Arbeitgebern künftig Misstrauen erwecken.Foto: iStock

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15 Minuten Ruhm Echtzeit-Dienste wie Twitter sind ein gigantischer Durchlauferhitzer für Themen und Skurrilitäten. Das wirkt sich auch auf den Kurzzeit-Ruhm aus: Aus 15 Minuten können künftig 15 Sekunden werden. Und doch ist der Internet-Ruhm auch unvergänglich: Das Netz vergisst nichts.Prognose: Jeder kann künftig blitzschnell in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rücken - und genauso schnell wieder daraus verschwinden.Das Internet verändert unsere Welt und lässt auch liebgewonnene Rituale und einst populäre Geräte verschwinden. Welches Opfer des digitalen Zeitalters vermissen Sie am meisten? Nutzen Sie unser Flüstertool und schreiben Sie es auf!Foto: AP (Text: Johannes Kuhn / pfa/ sueddeutsche.de)

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